Säugetiere und Vögel der Wüste

Es gibt zwar weniger Säugetiere und Vögel in den Wüsten als in anderen Lebensräumen, doch gemessen an den schwierigen Lebensbedingungen bringen es erstaunlich viele Tierarten fertig, dort zu leben. Dies wurde vor allem durch Anpassungen möglich, die das Verhalten und den sparsamen Verbrauch von Wasser betreffen. Kamele
Eines der häufigsten großen Säugetiere der Wüste ist das Einhöckerige Kamel oder Dromedar (Camelus dromedarius). Seit ältesten Zeiten war es für den Menschen in den Wüsten unentbehrlich und wurde deshalb von ihm geschützt und gepflegt. Andere Tierarten in der Wüste, z. B. die Mendesantilope (Addax nasomaculatus), sind heute vom Aussterben bedroht, da sie dem Menschen nicht unmittelbar nützten, wurde keine Hege betrieben. Das Dromedar hat bemerkenswerte Eigenschaften. Sein auffallendstes Körpermerkmal, der Höcker, ist nicht – wie man lange glaubte – Fettreserve und Wasserspeicher zugleich, vielmehr konzentriert sich darin nur das Körperfett. Es dient als Energiereserve für die anstrengenden Märsche durch vegetationslose Gebiete. Die anderen Körperteile bleiben fettarm und können so die Wärme viel besser nach außen abgeben. Die Körpertemperatur des Kamels schwankt im Tageslauf stärker als bei anderen großen Säugetieren. Von einem Minimalwert in der Nacht, der bei 34 °C liegt, steigt sie im Lauf des Tages auf 40 °C an. Das Tier hat dabei kein Fieber, sondern es gleicht sich nur den äußeren Temperaturverhältnissen etwas an. Der Unterschied zwischen Körper- und Außentemperatur bleibt also geringer als bei anderen Warmblütern. Das Dromedar muss daher nicht so stark schwitzen, um über Verdunstungskälte die Körpertemperatur zu senken. Dies verringert den Wasserverbrauch beträchtlich. Selbst beim Atmen gibt ein Kamel weniger Feuchtigkeit ab als andere Tiere. Wenn ein Mensch in der Wüste 12 Prozent seines Körpergewichts an Wasser verliert, tritt der Tod ein. Das Kamel kann aber bis zu 25 Prozent seines Körpergewichts an Wasser einbüßen, ohne Schaden zu nehmen. An Wasserstellen ergänzt es diesen Gewichtsverlust wieder durch langes, intensives Trinken. Außer dem Dromedar, das in Vorderasien und Nordafrika vorkommt, gibt es in den innerasiatischen Wüsten das Zweihöckerige Kamel oder Trampeltier (Camelus ferus). Antilopen, Raubtiere und Nager
Ähnlich gut wie das Kamel ist eine Antilopenart der Wüste angepasst, die nicht einmal zu trinken braucht, da sie das nötige Wasser ihren Futterpflanzen entnimmt. Es ist die Mendesantilope, von der behauptet wird, dass sie auf große Entfernungen Regen wittern könne. Jedenfalls sucht sie beregnete Gebiete auf und beweidet das nun wachsende Grün. Nicht ganz so unabhängig vom Wasser ist die Oryxantilope (Oryx gazella), die aber auch tief in wüstenartige Gebiete vordringt und mit sehr wenig Wasser auskommt. Ihre kleineren Verwandten, die Gazellen, findet man ebenfalls in Wüsten und anderen Trockengebieten. Auch Fleischfresser leben in der Wüste, wenngleich in sehr geringer Dichte, weil ihnen dieser Lebensraum nur wenig Nahrung und kaum Deckung bietet. Der beste Jäger ist der Gepard (Acinonyx jubatus), der über kurze Strecken mehr als 100 Stundenkilometer erreichen kann. Er hat es deshalb nicht nötig, sich an seine Beute mühsam heranzupirschen. Die Jagdmethode der kleinen Wüstenkatzen wie Manul oder Luchs ist dagegen die Lauer, die nachts am erfolgreichsten ist. Mit Kleingetier und Aas nehmen die ebenfalls nachts pirschenden kleinen Füchse vorlieb. Ihre auffallend großen Ohren vergrößern die Körperoberfläche und ermöglichen mehr Wärmeableitung. Nager sind die häufigsten der kleinen Wüstensäugetiere. Den heißen Tag verbringen sie in Gängen und Höhlen, nachts kommen sie hervor. Sie sind durchwegs Pflanzenfresser, die ihren Wasserbedarf aus der Nahrung decken. Ihr Harn ist sehr dickflüssig, so dass kein unnötiger Wasserverlust eintritt. Manche Arten, die untereinander nicht näher verwandt sind, zeigen eine Fortbewegungsweise, die in der Wüste besonders vorteilhaft ist: Sie hüpfen. Gleiche Umweltbedingungen begünstigten die Entwicklung gleichartiger Anpassungen bei verschiedenartigen Tieren. Vögel in der Wüste
Vielen Vögeln bietet die Wüste Lebensraum. Ihr Artenspektrum reicht von kleinen Sandlerchen und dem zierlichen Elfenkauz (Micrathene whitneyi) bis zum größten aller lebenden Vögel, dem afrikanischen Strauß (Struthio camelus). Meist sind Pflanzensamen und Insekten die Nahrung der Wüstenvögel. Manche Arten, z. B. der amerikanische Rennkuckuck (Geococcyx californianus) und der Elfenkauz, leben von kleinen Reptilien und Kleinsäugern. Die Flughühner (Pterocles) brüten in so extremen Wüsten wie der Sahara. Im Gefieder bringen sie ihren Jungen Wasser mit, um sie zu kühlen und zu tränken. Außerhalb der Brutzeit streifen sie auf der Nahrungssuche weit umher. Erstaunlich gut kann der afrikanische Strauß, mit 2,5 m Körperhöhe der größte lebende Vogel, mit dem Wasser haushalten. Zum größten Teil bezieht er es aus seiner Nahrung, Pflanzen und Pflanzensamen. Den Kopf steckt er übrigens nicht in den Sand, doch strecken brütende Strauße bei Gefahr den Hals flach über den Boden aus, wodurch ihre Konturen verschwimmen. Ein ausgedehntes System von Luftsäcken, das den Körper der Tiere durchzieht, sorgt für den entsprechenden Wärmeaustausch, zudem dienen die unbefiederten Körperteile der Wärmeableitung.

Forum (Kommentare)

DAMx01x 13.03.2017 um 20:44:45 Uhr.
Wirklich guter und hilfreicher Text

Daumen hoch :)