Das Leben auf Inseln

Wenn bei unterseeischen Vulkanausbrüchen im Ozean Inseln auftauchen, sind sie anfangs unbewohnbar. Nach und nach verändern sich Temperatur und Boden, und eine Besiedlung durch Lebewesen wird möglich. Der Zufall spielt dabei eine wichtige Rolle. Doch mit der Zeit gelangen selbst auf die entferntesten Eilande Tiere und Pflanzen. Bestimmte Arten eignen sich dank besonderer Anpassungen als Kolonisten recht gut. Viele Pflanzensporen und -samen haben Einrichtungen, die ihnen ein langes Schweben in der Luft ermöglichen. Die Winde verdriften sie über die ganze Erde. Andere Samen werden vom Meer an neue Gestade geschwemmt oder von Vögeln im Gefieder mitgenommen und an Rastplätzen verloren. Eine Besonderheit stellen die großen und schweren Nüsse der Kokospalmen dar, deren faserige, lufthaltige Schalen als »Schwimmgürtel« wirken und lange Seereisen möglich machen. Einige Wochen im Seewasser können diese Früchte leicht überdauern. Daher findet man Kokospalmen auch an den Ufern der meisten tropischen Inseln. Tiere, die nicht über genügend Energiereserven verfügen, um lange Flüge übers Meer durchzuhalten, gelangen nicht so leicht zu fernen Inseln. Kleine Arten lassen sich häufig mit Luftströmungen, wie die Samen, passiv forttragen, so z. B. kleine Spinnen und Blattläuse, die ein regelrechtes »Luftplankton« bilden. Trotz enormer Verluste erreichen genügend Tiere rechtzeitig wieder Land. Sind die Entfernungen nicht allzu groß und helfen starke Winde mit, gelingt kräftigen Insekten auch der aktive Flug zu neuen Inseln. Bedingungen für eine erfolgreiche Besiedlung
Ein einzelnes Tier, das auf eine ferne Insel verschlagen wird, vermag noch keinen neuen Bestand zu gründen, in der Regel müssen mehrere Vertreter derselben Art ankommen, wenn die Besiedlung glücken soll. Schließlich müssen die Neuankömmlinge in die bereits vorhandene Tier- oder Pflanzenwelt hineinpassen. Sind die für sie geeigneten Stellen schon besetzt, können sie nicht Fuß fassen. Mehrere günstige Voraussetzungen müssen also zusammentreffen. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn eine ganze Gruppe von Arten, vielleicht eine Lebensgemeinschaft, Neuland erreicht. Auf tropischen Flüssen treiben oft schwimmende Inseln aus Baumstämmen, die neben zahlreichen Pflanzenarten auch eine Reihe von Insekten- und Echsenarten beherbergen. Solche Flöße können weit in die Ozeane hinausgetragen werden und bei günstigen Strömungsverhältnissen schließlich entfernte Inseln erreichen, wenn es sich um zusammenpassende Tier- und Pflanzenarten handelt, vergrößert das die Erfolgsaussichten für eine Neubesiedlung außerordentlich. Eidechsen und Schildkröten fanden so zu den abgelegensten Inseln, obwohl sie viel weniger beweglich sind, als andere Wirbeltiere und obwohl die Wahrscheinlichkeit, treibend an ein Ziel zu kommen, nicht groß ist, wird eine Insel gefunden, eröffnet sich möglicherweise ein konkurrenzfreier Lebensraum mit neuen Anpassungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Inselformen bilden daher meist rasch von der Stammform abweichende Unterarten und neue Arten aus. Solche Abänderungen der Fauna auf verschiedenen ozeanischen Inseln studierte der Naturforscher Charles Darwin (1809-82). Sie führten ihn zu der Erkenntnis, dass die Tier- und Pflanzenarten nicht, wie bis dahin angenommen, unveränderlich sind, sondern einer Entwicklung unterliegen, die sich aus dem Zusammenspiel von Erbänderungen (Mutationen), Überleben des besser angepassten (Selektion) und räumlicher Trennung (Isolation) ergibt. Das Leben auf Inseln lieferte ihm damit den Schlüssel zur Evolutionslehre. Die Lebensbedingungen auf Inseln sind nicht einheitlich. Trotzdem haben Inselarten manche gemeinsamen Züge. So verhalten sich viele Tiere ungewöhnlich vertraut, weil ihnen auf den Inseln Feinde fehlen. Merkwürdigerweise zeigen manche Inselarten Riesenwuchs: Die größten Schildkröten, die Seychellen-Riesenschildkröte und die nicht viel kleinere Art von den Galapagosinseln, leben auf abgelegenen Inseln, der vielleicht älteste Baum der Welt, der Drachenbaum Teneriffas, und die größten flugfähigen Vögel, die Wanderalbatrosse, zählen ebenfalls zu den Inselbewohnern. Viel gewaltiger waren die ausgestorbenen Elefantenvögel Madagaskars, neben denen der Strauß wie ein Zwerg wirkt. Auch unter den Inselinsekten gibt es wahre Riesen. Viele sind flugunfähig. Stürme und das Fehlen von Feinden, denen es durch rasche Flucht zu entkommen galt, machten Flügel überflüssig und sogar gefährlich, denn im Flug können die Tiere viel leichter vom Wind erfasst werden. So wurden die Flügel bei manchen Insekten und Vögeln zurückgebildet. Auf kleinen Inseln dagegen sind riesenwüchsige Tiere und Großtiere in der Regel selten. Wurden durch geologische Veränderungen und Schwankungen im Meeresspiegel Teile vom Festland als Inseln abgeschnitten, ließ sich sogar feststellen, dass ihre Tierformen kleiner geworden sind. So ist die Inselrasse des Sikahirsches (Cervus nippon) deutlich kleiner als die Festlandform. Vor zwei Millionen Jahren gab es auf Inseln im Mittelmeer Zwergformen von Elefanten und Flusspferden, die so groß wie Shetlandponys waren. Probleme des Überlebens
Das Gleichgewicht zwischen Tieren und Pflanzen auf kleinen Inseln erwies sich als besonders anfällig für Veränderungen durch den Menschen. Viele Arten starben aus, als der Mensch mit seinen Haustieren ihre Inseln besiedelte. Die Inseltiere konnten sich an die Nutzung ihres Lebensraumes nicht schnell genug anpassen.

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Info 26.09.2017 - 21:54
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