Salzmarschen und Mangroven

Die Grenze zwischen Meer und Land verläuft oft nicht scharf, man findet reich differenzierte Übergangszonen mit typischer Flora und Fauna. In den gemäßigten Breiten schieben sich häufig Salzmarschen zwischen Meer und Festland, in den tropischen Zonen Mangrovesümpfe. Während die Tierwelt artenreich vertreten ist, konnten sich nur verhältnismäßig wenig Pflanzen den besonderen Bedingungen anpassen, die das Salzwasser und die periodischen Überflutungen durch die Gezeiten mit sich bringen. Voraussetzungen für das Pflanzenleben
Der Zellsaft der Pflanzen enthält Salze bestimmter Konzentration in gelöster Form. Solange die Salzkonzentration des umgebenden Wassers niedriger liegt, kann dieses in die Zellen eindringen. Das Meerwasser besitzt fast die gleiche Konzentration wie der Zellsaft, folglich können hier die Wurzeln nur wenig Wasser aufnehmen. So kommt es, dass Salzpflanzen trotz Wasserüberfluss physiologisch Durst leiden. Man findet bei ihnen, ähnlich wie bei Wüstenpflanzen, Einrichtungen, Wasser zu sparen. Dazu gehören vor Verdunstung schützende Haare und Wachsüberzüge. Viele Pflanzen auf Salzböden speichern in ihren Blättern und Stengeln Wasser aus Zeiten starker Regengüsse und sind dickfleischig (sukkulent). Eine weitere Schwierigkeit für das Leben der Pflanzen kann der Sauerstoffmangel des Bodens bilden. Deshalb entwickeln manche Atemwurzeln, die über den Boden frei in die Luft ragen. Die Küstenpflanzen sind mehr oder minder gut der Nähe des Meeres angepasst. Man findet landeinwärts weitere Zonen mit jeweils typischer Flora. Lebensgemeinschaften der Mangroven
In den Mangrovesümpfen von Nordostasien wächst direkt am Meer der Baum Sonneratia, umgeben von zahllosen Atemwurzeln, die senkrecht aus dem Boden aufsteigen. Ihm folgt landeinwärts Rhizophora, ein Baum, aus dessen Ästen und Stämmen ein wildes Gewirr von Stütz- oder Stelzwurzeln entspringt, danach Bruguiera, die viele Wurzelknie aus dem Boden streckt. Zwischen den Wurzeln sammelt sich Schlick: Neuer Boden entsteht, die Küstenlinie schiebt sich allmählich ins Meer vor. Zu den typischen Tieren der Mangrove gehören die Schlammspringer, kleine Fische, die auch außerhalb des Wassers leben und über den Schlamm springen können. Millionen kleiner Winkerkrabben (Uca), die Männchen mit einer großen Winkschere ausgestattet, hasten über den Schlamm und suchen darin Schutz, wenn die Flut steigt oder Gefahr droht. Die Unmengen von Weichtieren, Krebsen und Fischen, die von organischen Stoffen leben, bilden eine Beute für den Bindenwaran (Varanus salvator), das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) und flinke, höchst giftige Wasserschlangen wie den Nattern-Plattschwanz (Laticauda colubrina). Die Mangroven-Nachtbaumnatter (Boiga dendrophila) jagt nach Vögeln, die in Scharen zu den reichen Nahrungsgründen ziehen. Auffallende Vögel der Mangrove sind z. B. ein Seeadler (Haliaeëtus leucogaster) und der hochbeinige Sunda-Marabu (Leptoptilus javanicus). Der langschwänzige Javaner- oder Krabbenesseraffe (Macaca irus), ein Säugetier, lauert an Schlammpfützen auf Opfer: Kommen die Krabben aus ihren Löchern, ist es um sie geschehen. In den Mangroven Borneos heimisch sind die Nasenaffen (Nasalis larvatus), grotesk wirkende Lebewesen mit unförmigen nasenartigen Fortsätzen über Mund und Kinn. Trotz ihres wilden Aussehens sind sie friedliche Tiere, die in Gruppen von 15-20 Mitgliedern leben und die Blätter von Sonneratia caseolaris verzehren. Lebensgemeinschaften des Marschlandes
Die Salzmarschen erscheinen zwar eintöniger als die Mangroven, aber sie sind nicht weniger reich an Leben, denn viele Fische und wirbellose Tiere legen ihre Eier in den seichten Uferzonen der Küstenmarschen und Flussmündungen ab. Dort entwickelt sich ihre Brut, die Jungtiere sind geschützt und finden viel Nahrung. Die Zusammensetzung der Pflanzengesellschaften hängt hier wie in der Mangrove von der Flutlinie ab, d. h. von der Verträglichkeit gegenüber Salz und Überflutung. Zu den Pflanzen der tiefer liegenden Regionen, die eine ständige Überflutung vertragen, gehören Tange und das Seegras (Zostera), das ein beliebtes Futter der Ringelgans (Branta bernicla) ist. In den Seegraswiesen finden zahlreiche Meerestiere Versteck und Nahrung. An die überflutete Zone grenzen landeinwärts Gürtel von Salzpflanzen, zu denen Queller (Salicornia) und gemeines Salzkraut (Salsola cali) zählen. Weiter im Festland trifft man Pflanzen, die zwar an höhere Salzkonzentrationen angepasst sind, nicht aber an längere Überflutung. Strandroggen (Elymus arenarius) und Strandhafer (Ammophila arenaria), typische Dünenpflanzen, leiden keinen Schaden, wenn sie zeitweise vom Sand überweht werden. Reiche Nahrung für Vögel bieten jene Flächen, die viele Stunden am Tag trockenliegen. In den offenen Marschen finden Pfeifenten und Ringelgänse ihr Futter, das Gewirr der Kanäle und Pfützen bevorzugen z. B. Möwen und Brandenten. Sehr gut angepasst an die Marschen sind Watvögel wie der Rotschenkel, die auf hohen Beinen durch das seichte Wasser stelzen und mit langen dünnen Schnäbeln im Schlamm stochern. In den Marschen der Camargue (Südfrankreich) strömt das Süßwasser der Rhone und das Meerwasser durch ein Netzwerk von zahllosen Kanälen und Tümpeln. Scharen von Vögeln leben hier. Die einzigen Gebiete Europas, in denen Flamingos brüten, liegen in der Camargue und in Südspanien.