Einzellige Tiere und einfachste Vielzeller

Der Körper der Urtiere oder Protozoen besteht aus Zytoplasma und einem Zellkern, der von einer Membran umhüllt ist. Die gleichen Bestandteile findet man bei pflanzlichen Einzellern, z. B. verschiedenen Algenarten. Noch einfacher gebaut sind Bakterien und Blaualgen, sie besitzen statt eines Zellkernes lediglich im Zytoplasma verteilte Kernsubstanz. Fast alle der über 20 000 Arten Protozoen sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Urtiere leben im Meer- und Süßwasser, andere als Parasiten – auch im Menschen, wo sie gefährliche Krankheiten verursachen, können. Tier oder Pflanze?
Die meisten Protozoen leben, wie alle vielzelligen Tiere, heterotroph: Sie sind auf organische Stoffe als Nahrung angewiesen und können nicht, wie die autotrophen grünen Pflanzen, aus anorganischem Material mit Hilfe der Sonnenenergie organische Stoffe selbst herstellen. Pflanzen benötigen zu dieser Fotosynthese besondere Farbstoffe (Chlorophylle oder Blattgrün), die in eigenen Zellorganellen, den Chloroplasten, liegen. Bei mehrzelligen Tieren kommt Chlorophyll nicht vor. Einige Protozoenarten (Flagellaten, z. B. Euglena, und Rhizopoden) besitzen Chlorophyll und sind damit autotroph. Manche Euglena-Arten verlieren, wenn man sie einige Zeit im Dunkeln hält, ihre Chloroplasten und die Fähigkeit, Chlorophyll aufzubauen. Sie können sich dann nur heterotroph ernähren. Man nimmt an, dass einzellige Lebewesen, die diesen Protozoen ähnlich waren, den gemeinsamen Ursprung des Tier- und Pflanzenreiches gebildet haben. Die Einteilung der Protozoen
Nach der Art ihrer Fortbewegung unterteilt man die Protozoen in vier Stämme. Die Geißeltierchen (Flagellata) tragen eine oder mehrere fadenförmige Geißeln (Flagellen), deren rotierende schwingender oder wellenförmige Bewegungen den Flagellatenkörper vorantreiben. Zu den Geißeltieren gehören die autotrophen Augentierchen (Euglena), aber auch die Trypanosomen, die Erreger der Schlafkrankheit. Die Wimpertierchen (Ciliata) sind mit vielen fadenförmigen Wimpern (Zilien) ausgestattet, die im Gegensatz zu den Geißeln kürzer als der Körper sind. Der synchronisierte Schlag der vielen Wimpern ermöglicht zielgerichtete Bewegungen. Viele der Einzeller, die man in Heuaufgüssen findet, wie das Pantoffeltierchen (Paramecium) und das Trompetentierchen (Stentor), sind Wimpertierchen. Die Wurzelfüßer (Rhizopoda) bewegen sich mit Scheinfüßchen (Pseudopodien), dies sind Zyptoplasmavorwölbungen, die bei Bedarf gebildet und ebenso wieder eingeschmolzen werden können. Zu den Rhizopoden gehören frei lebende Arten wie z. B. das Wechseltierchen (Amoeba proteus), aber auch Parasiten wie Entamoeba, die im Darm des Menschen als Erreger der Amöbenruhr vorkommt. Auch im Meeresplankton finden sich Rhizopoden, vor allem Foraminiferen und Radiolarien. Sie bilden Außenskelette aus Kalk oder Kieselsäure von besonderem Formenreichtum. Die Sporentierchen (Sporozoa) sind ausnahmslos Parasiten. Ihnen fehlen Organellen zur Fortbewegung. Ihr Name bezieht sich auf ein Stadium ihrer Fortpflanzung, die ungünstige Lebensbedingungen überdauernde Spore. Die Fortpflanzung der Protozoen
Protozoen können sich auf zweierlei Weise fortpflanzen: ungeschlechtlich durch Kernteilung mit anschließender Zellteilung und geschlechtlich durch Verschmelzen zweier Zellen und ihrer Kerne. Die geschlechtliche Fortpflanzung kann in Form einer Kopulation erfolgen, bei der zwei Individuen vollständig miteinander verschmelzen. Bei Paramecium und vielen anderen Wimpertierchen findet eine Konjugation statt: Zwei äußerlich gleiche Individuen, die sich aufgrund ihrer biochemischen Konstitution verschiedenen Typen zuordnen lassen, legen sich Seite an Seite und verschmelzen in der Mundregion. Ihr generativer Kern (Mikronukleus) teilt sich. Eine Kern bleibt als »stationärer« Kern in der Zelle, der andere gelangt als »Wanderkern« in die Zelle des Partners. Stationärer Kern und neu hinzugekommener Wanderkern verschmelzen. Jetzt trennen sich die Partner wieder: Jeder hat nun einen Kern mit neu kombiniertem Chromosomensatz. Bei manchen Protozoen, z. B. den Sporentierchen, findet ein Generationswechsel, ein regelmäßiger Wechsel zwischen geschlechtlicher (Verschmelzung zweier Zellen) und ungeschlechtlicher (Teilung einer Zelle) Fortpflanzung, statt. Auch ein Wechsel zwischen einem geschlechtlichen und zwei ungeschlechtlichen Stadien kommt vor. Bei der Gattung Plasmodium, den Erregern der Malaria, ist dieser Generationswechsel mit einem Wirtswechsel von Mücken (Anopheles) zu Menschen verbunden. Andere Urtierchen pflanzen sich über viele Generationen hin ungeschlechtlich fort. Eine sexuelle Fortpflanzung tritt – durch äußere Einflüsse bewirkt oder auch ohne erkennbare Ursache – nach einer wechselnden Zahl von ungeschlechtlichen Generationen auf. Schwämme (Porifera)
Die Schwämme – festsitzende, kolonien bildende Meeresbewohner – sind die einfachst gebauten vielzelligen Tiere. Ihr Körper ist meist sackförmig. Sie bestehen aus nur wenigen Zelltypen: flagellatenähnliche Verdauungszellen, amöbenähnliche Transportzellen, skelett bildende Zellen scheiden Kalk- oder Kieselnadeln ab, die bei den Hornschwämmen durch das Protein Spongin verkittet werden, sodass ein dem Schwammkörper Halt gebendes Skelett entsteht. Beim Badeschwamm besteht dieses Skelett nur aus Spongin. Schwämme pflanzen sich sowohl ungeschlechtlich (durch Knospung) als auch geschlechtlich fort.

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Info 22.11.2017 17:43
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