Medusen und Quallen

Die Hydrozoa und die Scyphozoa sind die beiden Nesseltierklassen, für die ein mit einem Gestaltwechsel verbundener Generationswechsel kennzeichnend ist. Die sexuelle Generation wird meist von freischwimmenden, als Einzelwesen lebenden Medusen gebildet, die Polypengeneration pflanzt sich ungeschlechtlich fort. Bei den Skyphozoen (Becherquallen) leben die Polypen, mit einer Ausnahme, einzeln, bei den Hydrozoen bleiben die durch vegetative Vermehrung entstandenen, festsitzenden Polypen meist in großen Tierstöcken zusammen. Unter den zu den Hydrozoen gehörenden Staatsquallen (Siphonophora) finden sich freischwimmende Tierstöcke, an denen nicht nur unterschiedlich gestaltete Polypen mit verschiedenen Funktionen, sondern auch Medusen beteiligt sind. Die Spezialisierung der Einzeltiere geht so weit, dass sie nicht mehr allein leben können. Man bezeichnet alle freischwimmenden, nicht, polypenähnlichen Hohltiere als Quallen, sowohl die Medusengeneration der Skyphozoen und Hydrozoen als auch die Kolonien der Staatsquallen und die Rippen- oder Kammquallen (Ctenophora). Skyphomedusen
Die typische Meduse der Scyphozoa zeigt deutlich die Gemeinsamkeiten im Bauplan von Meduse und Polyp: Die Medusenform lässt sich aus der Polypenform ableiten, wenn man sich den Polypenkörper in der Längsachse verkürzt und um 180° gedreht denkt, sodass ab hier die Mundregion des Polypen zur konkaven Unterseite der schirm- oder glockenförmigen Meduse wird. Die bei Medusen stark entwickelte Stützschicht (Mesogloea) zwischen Ekto- und Entoderm verdrängt den Körperhohlraum so weit, dass nur eine verhältnismäßig kleine zentrale Magenhöhle und ein den Schirmrand durchziehender Ringkanal bleiben, der mit der Magenhöhle durch Radiärkanäle verbunden ist. Diese setzen sich bis in die am Schirmrand herabhängenden Tentakel fort. Das Mundfeld der Medusen ist oft zu einem klöppelartigen Stiel ausgezogen, der sich in dicht mit Nesselzellen besetzten Mundlappen fortsetzt. Bei der an allen europäischen Küsten häufig anzutreffenden Ohrenqualle sind diese Mundlappen zu regelrechten Mundarmen vergrößert. Auf ihnen sitzen Wimpern, mit denen die Qualle Nahrung zum Mund strudelt. Medusen schwimmen, indem sie durch Muskelkontraktion vor allem am Schirmrand das Wasser aus dem Glockenraum hinaustreiben und so einen Rückstoß erzeugen, der sie vorantreibt. Als Gegenspieler der Muskeln wirkt die elastische Schirmgallerte. Durch sie öffnet sich die Glocke der Meduse wieder, wenn die Muskeln sich entspannen. Das aktive freie Schwimmen der Medusen erfordert leistungsfähigere Sinnesorgane, als sie die festsitzenden Polypen besitzen. Viele Quallen haben am Schirmrand lichtempfindliche Zellen, mit denen sie hell und dunkel unterscheiden und so die Wasseroberfläche finden können. Schweresinneszellen, die sich bei Aurelia zusammen mit den Lichtsinneszellen in randständigen Körperausstülpungen (Sinneskolben) befinden, ermöglichen der Meduse eine Orientierung im Raum. Beide Systeme sind wichtig für ein Tier, das sich ständig aktiv bewegen muss, um nicht abzusinken. Eine Qualle, die nicht zwischen großen und geringen Wassertiefen unterscheiden kann, würde allzuleicht nahe dem Meeresboden schwimmen statt im oberflächennahen Wasser, nämlich dort wo sie Beute findet. Hydromedusen
Die Medusen der Hydrozoa unterscheiden sich von den Skyphomedusen durch die im Ektoderm entstehenden Keimzellen und durch den Besitz eines Velums: Der Medusenkörper ist am Glockenrand waagrecht umgeschlagen, sodass sich die Öffnung ringblendenartig verengt, wodurch Rückstoß (beim Wasserausstoß) und Schwimmgeschwindigkeit gesteigert werden. Zu den Hydrozoen gehörten die Staatsquallen, freischwimmende Tierstöcke mit je nach ihrer Funktion sehr verschieden gestalteten Einzeltieren (Polymorphismus). Bei der Segelqualle (Velella) hängen von der Unterseite eines gasgefüllten, gekammerten Floßes um einen großen, zentralen Fresspolypen herum mundlose Wehrpolypen und Medusen bildende Geschlechtspolypen herab, deren Gastralräume durch Entodermkanäle untereinander und mit dem Zentralraum verbunden sind. Wenn die blaue Gasblase einer Portugiesischen Galeere an die Strände der südeuropäischen Atlantikküste treibt, verlassen die Badenden oft fluchtartig das Wasser, weil die Berührung des fast 50 m langen Vorhangs aus über und über mit Nesselzellen besetzten Tentakeln, den sie nachschleppt, sehr schmerzhaft ist. Velella und Physalia treiben mit Wind und Strömung, andere Staatsquallen bewegen sich auch aktiv mit einer großen Schwimmglocke fort. Rippen- oder Kammquallen
Eine von den Nesseltieren abweichende Gruppe bilden die birnen- oder walzenförmigen Rippenquallen, denen Nesselzellen fehlen. Statt dessen besitzen sie (bis auf wenige tentakellose Arten) Klebezellen, die auf den beiden in tiefen Ektodermeinstülpungen entspringenden Tentakeln sitzen. Die Masse des Körpers wird von der zelligen Zwischenschicht (Mesogloea) gebildet, der Gastralraum durchzieht als Entodermschlauch den Körper und öffnet sich wie bei den Medusen nach unten. Am oberen Körperpol befindet sich ein einzelnes Schweresinnesorgan. Acht meridional verlaufende Entodermkanäle stehen in der Tentakelebene so untereinander und mit dem Gastralraum in Verbindung, dass der Körper zweiseitig(bilateral)-symmetrisch mit zwei sich spiegelbildlich gleichenden Hälften wird. Die Rippenquallen sind Zwitter. Sie pflanzen sich nur geschlechtlich fort, kein Generationswechsel.

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Info 18.01.2018 05:10
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