Spinnen und Skorpione

Spinnen, Skorpione und ihre Verwandten werden als Klasse der Spinnentiere (Arachnida) zusammengefasst. Diese weitverbreitete und erfolgreiche Gruppe der Gliederfüßer blickt auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurück. Die ersten uns bekannten fossilen Arachniden stammen aus dem Erdaltertum. Fossile Skorpione finden sich in Ablagerungen des Silurs (vor 430 Millionen Jahren), fossile Spinnen kennt man aus dem schottischen Devon (vor 395 Millionen Jahren). Ihre Vorfahren lebten im Wasser, heutige und fossile Spinnen jedoch überwiegend auf dem Land, viele findet man in extrem trockenen Gebieten. Ihre Herkunft aus dem Wasser verraten die umgewandelten Kiemen (Fächerlungen), obwohl höherentwickelte Spinnen durch Luftröhren (Tracheen) atmen. Die größte Art der Spinnentiere ist der Kaiserskorpion (Pandinus Imperator): Er wird 18 cm lang. Spinnen kontra Insekten
Die ersten Spinnen ernährten sich wahrscheinlich von Insekten, bevor diese Flügel entwickelten, und fingen sie auf dem Boden genau so, wie heute die Wolfsspinnen ihre Beute fangen. Der Entwicklung des Flugvermögens bei Insekten begegneten die Spinnen durch Anlegen von Netzen. Sie schlossen sich, an seidenen Fäden schwebend, dem Luftplankton an. Die bekanntesten Spinnentiere sind die Echten Spinnen (Araneae). Viele Arten leben in menschlichen Siedlungen, ihre Rad- und Winkelnetze sind wohlbekannt. Die meisten Menschen empfinden Abscheu vor Spinnen. Die Bisse mancher tropischen Arten sind gefährlich, der Biss der großen südeuropäischen Tarantel (Lycosa) ist schmerzhaft, aber harmlos. Tropische Vogelspinnen (Aviculariidae), von denen manche Arten bis 9 cm lang werden, können Vögel mit ihrem Gift töten. Ihr Biss kann auch für Menschen gefährlich werden. Spinnen als geschickte Jäger
Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen die Spinnen im Haushalt der Natur als Insektenjäger. Heute zählt man etwa 36 000 Spinnengegenüber 780 000 Insektenarten. Von den Meeren bis in mindestens 6700 m Höhe trifft man Spinnen. Sie verfolgen Insekten mit einer Vielfalt von Fallen und Methoden, die den Gewohnheiten ihrer Beute angepasst sind. Nachtspinnen gehen auf Jagd, wenn Tagspinnen ruhen, so dass die Insekten zu keiner Tages oder Nachtzeit sicher sind. Spinnen haben die verschiedensten Beutefangmethoden entwickelt: Einige springen auf ihre Opfer, andere fangen sie mit Schlingen, Lassos oder Netzen. Die Individuenzahl der Spinnen ist ungeheuer groß, eine Tatsache, die zuerst der bedeutende englische Zoologe William Syer Bristowe (1901-1979) im Jahr 1939 feststellte. Er berechnete, dass ein Feld auf 10 000 m2 ungefähr eine halbe Million Spinnen beherberge, und schätzte, dass das Gewicht der Insekten, die jährlich in Großbritannien von Spinnen verzehrt werden, höher liegt, als das der gesamten Bevölkerung. Die Fähigkeit, Seidenfäden zu spinnen, liefert den Schlüssel zum Erfolg der Spinnen. Nicht nur ihre Fallen, auch ihre Behausungen und Eikokons ebenso wie die Luftflöße, mit denen sie sich auf den Luftströmungen treiben lassen, sind aus Seide. Die dünnste Spinnenseide besitzt größere Zugfestigkeit als ein Stahldraht vergleichbarer Dicke. Spinnen haben Giftdrüsen, mit deren Sekret sie ihre Beute lähmen und töten, bevor ihre seidenen Netze oder sie selbst durch den Kampf ihrer Opfer stark beschädigt werden. Arten mit wirkungsvolleren Giften können mit Beutetieren fertig werden, die weit größer sind als sie selbst. Milben und Skorpione
Weniger auffällig als die Spinnen, aber ebenso erfolgreich ist die Arachnidenordnung der Milben (Acarina). Zu ihr gehören Zecken und Milben. Diese winzigen Lebewesen werden, mit Ausnahme der zahlreichen ektoparasitischen Arten (die auf der Haut ihrer Wirte leben), leicht übersehen. Milben und Zecken findet man auf vielen Wirbeltieren und Wirbellosen. Alle Zecken saugen Blut, manche übertragen dabei tödliche Krankheiten auf die Menschen. So breitet sich zum Beispiel die gefährliche Gehirnhautentzündung (Meningitis) in Mitteleuropa immer weiter aus. Auch die Milben besitzen wirtschaftliche Bedeutung als Pflanzen- und Tierparasiten. Andere sind nützlich, da sie zur Zersetzung pflanzlicher Stoffe im Boden beitragen. Die Skorpione sind eine Arachnidengruppe, die auf wärmere Gebiete der Erde beschränkt ist. Entwicklungsgeschichtlich sind sie sehr alt. Sie bilden eine homogene Gruppe: Alle 600 Arten kann man leicht als Skorpione erkennen. Skorpione töten große Beutetiere mit ihrem Giftstachel und verteidigen sich auch damit. Die Gefährlichkeit des Giftes wird oft überschätzt. Bei einigen Arten (Familie Buthidae) ist das Gift jedoch stark genug, um einen Menschen zu töten. Skorpione fangen ihre Beute mit den Zangen (Pedipalpen). Manche Arten zerquetschen ihre Opfer, ohne Gift zu benutzen. Weberknechte
Die Weberknechte (Ordnung Opiliones) gleichen den Spinnen, unterscheiden sich von diesen aber durch das Fehlen eines Einschnittes zwischen Kopfbruststück (Einheit von Kopf und Thorax) und Hinterleib. Man findet sie überall in niedrig wachsender Vegetation und Blätterhaufen, wo sie sich überwiegend von kleinen Insekten, Milben und Nacktschnecken ernähren. Da Spinnentiere weltweit verbreitet und Fleischfresser sind, spielen sie eine unersetzliche Rolle in den Nahrungsketten auf der ganzen Erde.

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Info 21.02.2018 18:16
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