Das Leben der Vögel

VogelObwohl die Vögel eine sehr spezialisierte Tiergruppe sind, zeigen sie einen unerwartet großen Reichtum in Aussehen und Lebensformen. Schon die Größenunterschiede sind außerordentlich: Der 2,5 Gramm schwere und nur etwas über 6 Zentimeter lange Hummelkolibri (Mellisuga helenae) und der bis 2,4 Meter hohe und 136 Kilogramm schwere Afrikanische Strauß (Struthio camelus) zeigen die Extreme. Die Grenzen der Flugfähigkeit
Das Körpergewicht setzt der Flugfähigkeit Grenzen, denn die Tragflächen können bei steigendem Gewicht des Körpers bald nicht mehr entsprechend zunehmen. Schwere Vögel müssen daher verhältnismäßig mehr Kraft zum Fliegen aufwenden als leichte. Als der schwerste Vogel mit guter Flugfähigkeit kann wohl der nordamerikanische Trompetenschwan (Cygnus cygnus buccinator) bezeichnet werden, der an die 17 Kilogramm erreicht. Seine Flügelspannweite von 3 Metern wird nur vom Wanderalbatros (Diomedea exulans) übertroffen, der bis über 3,5 Meter spannt. Niemand weiß, wie der noch größere, ausgestorbene Riesenkondor (Teratornis) vor zwei Millionen Jahren geflogen ist. Seine heute noch lebenden Verwandten, die amerikanischen Kondore, zählen zu den größten fliegenden Vögeln. Ihr Flugvermögen und die Fähigkeit, ihre hohe Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur halten zu können, ermöglichte es den Vögeln, fast alle Lebensräume zu erobern. Heute umfassen sie 8600 Arten. Nur selten wird noch eine neue Art entdeckt. Brutverhalten und Nahrungserwerb
Im Unterschied zu Säugetieren legen die Vögel Eier und müssen diese bebrüten. Säuger sind mit der Entwicklung der Jungen im Mutterleib den Vögeln überlegen. Eigelege kann man auf jedem erdenklichen Untergrund finden: auf nacktem Boden, auf Klippen, in Baumhöhlen, auf Bäumen oder an Gebäuden, ja selbst auf dem Wasser schwimmend. Vor der direkten Berührung mit dem Untergrund schützt die Eier oft ein besonderer Bau, das Nest. Die Notwendigkeit des Nestbaus hängt weitgehend von den Umweltbedingungen ab, unter denen die Vögel ihre Brut aufziehen müssen. So brauchen viele Kleinvögel wärmende Nester. Der große Kaiserpinguin (Aptenodytes forsten) der Antarktis baut keine Nester, sondern bringt sein Ei auf die eigenen Füße und bebrütet es dort mit Hilfe einer Hautfalte des Bauches trotz der eisigen Kälte erfolgreich. Der Temperaturunterschied kann, wenn die Lufttemperatur bei -60 °C liegt, fast 100 °C betragen, da das Ei auf +40 °C gehalten werden muss. 64 Tage lang dauert die Bebrütung, die nur das Männchen vornimmt. Die Großfußhühner Australiens legen ihre Eier dagegen in große Laubhaufen und lassen sie durch die Wärme, die dort bei Fäulnisvorgängen entsteht, wie in einem Backofen ausbrüten. Über Lüftungsschächte regulieren sie die Temperatur. Vielfältig sind auch Nahrung und Nahrungserwerb der Vögel. Manche Arten ernähren sich ausschließlich vegetarisch, z. B. die afrikanischen Zwergflamingos (Phoeniconaias minor), die von einer winzigen Blaualgenart leben, welche sie aus dem Wasser heraussieben. Aasfresser sind die Geier, Fleischfresser die Adler und Habichte und auch die große Mehrzahl der Singvögel, die sich von Insekten ernähren. Mit besonderen Techniken erjagen oder erbeuten die Vögel ihre Nahrung. Der Schmutzgeier (Neophron percnopterus) benützt mitunter sogar ein Werkzeug, einen Stein, mit dem er ein Straußenei aufklopft, sein Schnabel wäre zu schwach dazu. Der Kaktusfink (Camarhynchus pallidus) hilft mit einem langen Kaktusstachel nach, wenn sein Schnabel nicht ausreicht, um eine Made aus ihrem Fraßgang im Holz herauszustochern, im Gegensatz zu den Schnäbeln der meisten Vögel verrät die Form seines Schnabels nicht, wie seine Nahrung geartet ist. Auch »Parasiten« gibt es unter den Vögeln. Am bekanntesten sind der Europäische Kuk-kuck (Cuculus canorus) und der nordamerikanische Kuhstärling (Molothrus ater), die ihre Eier in fremde Nester legen und ihre Jungen von Zieheltern versorgen lassen. Sie ersparen sich auf diese Weise das anstrengende und gefährliche Brutgeschäft. Etwas schwerer haben es die Nahrungsschmarotzer, denn um andere Vögel zur Abgabe der Beute oder Nahrung zu zwingen, bedarf es oft heftiger Angriffe. Die Raubmöwen zum Beispiel haben sich auf Nahrungsraub spezialisiert. Angeborenes Verhalten und Lernfähigkeit
Die Vielfalt der Natur offenbart sich augenfällig in den besonders zur Balzzeit leuchtend bunten Federkleidern vieler Vögel. Wie exotische Blumen erscheinen etwa die Paradiesvögel oder manche Fasanen in den Urwäldern Südostasiens und Neuguineas. Verwandte der Paradiesvögel, die Laubenvögel, vollführen ihre Balzzeremonien außerdem vor kunstvoll geschmückten Lauben oder »Maibäumen«. Doch läuft die Balz verhältnismäßig starr und stereotyp ab: Die Bewegungsfolgen und die bizarren Stellungen werden in stets gleicher Weise wiederholt. Sie sind angeboren und verhindern die Verpaarung von Nicht-Artgenossen. Anders verhält es sich beim echten Lernen durch Erfahrung. Es führt zu neuen Verhaltensweisen und zu einer verbesserten Einstellung auf die Gegebenheiten der Umwelt. Ein Beispiel hierfür boten vor einiger Zeit englische Kohlmeisen, die gelernt hatten, am Morgen vor Türen abgestellte Milchflaschen zu öffnen, indem sie ein Loch in den Deckel pickten. Dieses Verhalten wurde von anderen Kohlmeisen nachgeahmt und breitete sich rasch unter diesen Vögeln aus. Noch lernfähiger sind die Papageien und Krähenvögel, von denen man fast sagen könnte, sie brächten einsichtige Handlungen zustande.

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Info 18.12.2017 00:14
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