Das Heer der Normannen – Bericht des Priesters Helmold

Das Heer der Normannen war aus den tapfersten Kriegern der Dänen, Schweden und Norweger gebildet, die damals gerade unter einer Herrschaft vereinigt, zuerst die Slawen sich zinspflichtig machten, die ihnen benachbart lebten, dann die anderen umliegenden Reiche zu Wasser und zu Land heimsuchten. Ihnen hatte die Teilung des römischen Reiches in der Tat einen nicht geringen Kräftezuwachs gebracht. Zur gleichen Zeit fuhren Normannen die Loire aufwärts und steckten Tours in Brand, auch fuhren sie die Seine hinauf, um Paris zu belagern, und König Karl gab ihnen, von Furcht getrieben, Land zum Wohnsitz, das den Namen Normandie empfing. Danach wurde von ihnen Lotharingien verheert und Friesland unterworfen. Ludwig aber, der König von Germanien, hielt die Normannen durch Verträge und Schlachten so zurück, dass sie, die doch das ganze Frankenland verheert hatten, seinem Reich nicht im geringsten schadeten. Nach seinem Tod aber herrschte die wildeste Wut mit losgelassenen Zügeln. Denn die Böhmen, die Sorben und die übrigen Slawen, die er sich zinsbar gemacht und unterworfen hatte, warfen damals das Joch der Knechtschaft ab. Damals ist auch Sachsen von den Normannen oder Dänen verheert worden, der Herzog Bruno ist mit zwölf Grafen erschlagen, und die Bischöfe Theoderich und Markward sind hingemordet worden. Danach wurde Friesland verwüstet und die Stadt Utrecht zerstört. Um diese Zeit steckten Seeräuber Köln und Trier in Brand, die Pfalz zu Aachen machten sie zu einem Stall für ihre Pferde. Mainz aber begann man aus Furcht vor den Barbaren zu befestigen. Zu eben dieser Zeit stieß der junge Karl, Ludwigs Sohn, bei seiner Rückkehr von Rom mit einem großen Heer auf die Normannen an der Maas. Er umzingelte sie, drängte sie eng zusammen und zwang sie zur Übergabe. Die gefangenen Häuptlinge der Dänen bestrafte er jedoch nicht mit der Strenge, die gegen Feinde Gottes hätte angewendet werden müssen, sondern verschonte die Gottlosen, nahm ihnen einen Eid ab, ging mit ihnen Vertrag und Bündnis ein und ließ sie reich beschenkt von dannen ziehen. Sobald jene aber die verderbliche Freiheit wiedererlangt hatten, verlachten sie die Einfalt des jugendlichen Königs, vereinten sich sofort wieder zu einem Heer und richteten eine solche Niederlage an, dass ihre Grausamkeit alle Grenzen überschritt. Städte wurden samt den Bürgern, Bischöfe samt ihren ganzen Herden dem Untergang geweiht, und herrliche Kirchen mit den Scharen der Gläubigen zugleich den Flammen übergeben. Darum wurde Karl auf dem Reichstag verklagt und wegen seines törichten Benehmens abgesetzt. Unter Konrads Regierung fanden erstmals die verderblichen Einfälle der Ungarn statt, die nicht nur unser Sachsen und andere Provinzen diesseits des Rheins, sondern auch jenseits desselben Lotharingien und Frankenland verheerten. Damals wurden von den Barbaren die Kirchen angezündet, die Kreuze verstümmelt und Mutwillen damit getrieben, die Priester vor den Altären hingemordet, und ohne Unterschied Geistliche wie Weltliche erschlagen oder in die Gefangenschaft abgeführt. Die Spuren dieses Wütens haben sich bis auf unsere Tage erhalten. Auch die Dänen plünderten mithilfe der Slawen zuerst die Nordelbinger, darauf die Übereibischen Sachsen und erfüllten das Sachsenland mit großem Schrecken. Bei den Dänen herrschte damals Worm, ich möchte sagen ein grausamer Wurm, und den Christen in nicht geringem Grad feind. Er war eifrigst bemüht, das Christentum in Dänemark ganz zu vertilgen. König Heinrich aber triumphierte über die Ungarn in den größten Schlachten, die Böhmen und Sorben setzte er durch ein gewaltiges Treffen so in Furcht, dass die wenigen Überlebenden sowohl dem König Zins zu zahlen als Gott Christen zu werden gelobten. Danach rückte Heinrich mit Heeresmacht in Dänemark ein und setzte gleich beim ersten Angriff den König Worm so in Schrecken, dass er Gehorsam gelobte und flehentlich um Frieden bat. So setzte König Heinrich als Sieger zu Schleswig die Grenzen des Reiches, setzte daselbst einen Markgrafen ein und sandte eine Ansiedlung von Sachsen hin, dort zu wohnen.
Aus: Chronica Slavorum (Chronik der Slawen) des Helmold, Priester zu Bosau bei Plön (geschrieben 1172).

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Info 19.02.2018 06:50
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