Über das Sonnensystem hinaus

Das Sonnensystem ist nur ein sehr kleiner Teil des Universums. Wenn man sich die Entfernung Erde-Sonne auf 1 cm geschrumpft vorstellt, läge der allernächste Stern bereits 2,7 km weiter weg. Die Entfernungen zwischen den Sternen sind so gewaltig, dass sie bei dem gegenwärtigen Stand der Technik nicht überwunden werden können. Zwar sind vier Sonden in den interstellaren Raum unterwegs – Pioneer 10, der im Dezember 1973 am Jupiter vorbeiflog, Pioneer 11, der ihm ein Jahr später folgte, Voyager 1 und 2 wurden am September und August 1977 mit einer Titan-IIIE-Centaur-Rakete gestartet  -, aber viele Tausend Jahre werden vergehen, ehe sie in die Nähe eines anderen Sterns gelangen. Es handelt sich um Versuche auf gut Glück in der Hoffnung, dass diese Flugkörper vielleicht doch einmal eine von intelligenten Lebewesen bewohnte Welt erreichen, die geneigt wären, mit der Erde Verbindung aufzunehmen, wo man allerdings eine derartige Botschaft dann auch empfangen und verstehen können müsste. Selbst mit Lichtgeschwindigkeit würde eine Sonde mehr als 4 Jahre zum nächstgelegenen Stern, Proxima Centauri, unterwegs sein, von dem wir wegen seiner Ähnlichkeit mit der Sonne hoffen dürfen, dass er gleichfalls eine Planetenfamilie besitzt. Nach der Relativitätstheorie, die bisher jeder Prüfung standgehalten hat, kann sich jedoch kein materieller Körper mit voller Lichtgeschwindigkeit bewegen. Raumschiffe, wie sie in absehbarer Zeit denkbar erscheinen, würden auf jeden Fall viel langsamer sein. Um zu anderen Sonnensystemen zu reisen, sind technische Mittel erforderlich, die noch niemand kennt und die etwa einen technologischen Fortschritt voraussetzen, wie es das Fernsehen zur Zeit von Julius Caesar bedeutet hätte. Es mangelt nicht an Vorschlägen aller Art: In der wissenschaftlich-fantastischen Literatur ist die »Raum-Arche« sehr beliebt, in der viele Generationen von Menschen aufeinanderfolgen, bis die letzte schließlich das Ziel erreicht. Ein anderer Vorschlag geht dahin, die Reisenden in Tiefschlaf zu versetzen und erst kurz vor der Ankunft wieder zu vollem Leben zu erwecken. Es gibt auch Fantasien in Bezug auf die Übertragung von Materie durch den Raum in ähnlicher Weise, wie beim Fernsehen die Bilder übertragen werden, dabei würde etwa ein Mensch Atom für Atom abgetastet und aus den so erhaltenen Signalen beim Empfänger wieder vollständig zusammengesetzt werden. Das alles mögen reizvolle informationstheoretische Gedankenspiele sein, aber auf absehbare Zeit bleiben sie reine Utopie. Die Suche nach fremden Planeten
Wie groß sind eigentlich die Aussichten, dass andere Sterne überhaupt Planeten nach Art der Erde besitzen? Unsere Sonne ist ein normaler gelber Zwergstern und kann in keiner Weise als außergewöhnlich gelten. Da es sehr viele solcher Sterne gibt, dürften in unserem Milchstraßensystem auch viele Planetensysteme existieren. Andere Arten von Sternen sind in dieser Hinsicht weniger aussichtsreich. Beispielsweise hat ein Roter Riese, der bereits die Hauptreihe verlassen und sich zu enormer Größe aufgebläht hat, dabei wohl alle jemals besessenen Planeten verschluckt. Andererseits durchläuft ein sehr heißer, massereicher blauer oder weißer Stern seine frühen Entwicklungsstufen so rasch, dass es dabei kaum zur Entwicklung von Planeten kommen kann. Dann gibt es noch schwache rote Sterne, die nie bis zur Hauptreihe gelangt sind und allmählich erlöschen. Einer davon ist Barnards Stern, nur etwas mehr als 5 Lichtjahre von uns entfernt. Da er eine leicht »schwänzelnde« Bahn unter den Sternen zieht, hat man schon vermutet, dass er von Planeten, die ihn begleiten, sozusagen hin- und hergezogen wird. Wie würden solche Planeten aussehen? Eine fremdartige Umgebung
Für irdische Begriffe müsste ein Planet, der zu einem Sterntyp wie Barnards Stern gehört, eine traurige Welt sein. Das einzige Licht erhielte er von einer trüben, roten Sonne, und darum wäre es auf ihm sehr kalt. Trotzdem darf man solche Planeten nicht von vornherein als unbewohnbar bezeichnen. Während Barnards Stern ziemlich inaktiv ist, werden andere Sterne nach Verbrauch ihrer atomaren Energie instabil und können sogar wie Novae explodieren. Für ihre etwaigen Planeten würde das zu einer totalen Katastrophe führen. Auf der Erde wäre z. B. alles Leben binnen Stunden ausgelöscht, falls die Sonne zur Nova würde – glücklicherweise braucht man für die nächsten 5 Milliarden Jahre wohl keine größeren Veränderungen der Sonne zu befürchten. Bei einem gewissen Stand der astrophysikalischen Kenntnisse müssten die Bewohner eines bedrohten Planeten ihre Lage früh genug erkennen können. Vielleicht würden sie dann notgedrungen den Schritt zu anderen Sternen wagen, falls ihre wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten dies erlaubten. Bei sehr fortgeschrittener Technik sollte man am ehesten erwarten, dass die – mehr oder weniger unfreiwilligen – Auswanderer einen ganzen Kleinplaneten oder Mond mit autarker Energieversorgung in Marsch setzen würden.

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Info 18.12.2017 00:23
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