Die Hanse – Texte der Zeit

Wir die wendischen und die preußischen Städte haben das Folgende beschlossen, weil der Kaufmannschaft der deutschen Hanse in Flandern mancherlei Unrecht und Hinderung geschehen ist: Jede Stadt soll dafür sorgen und einstehen, dass keiner ihrer Bürger oder deren Genossen oder sonst irgend jemand von der Hanse näher an Brügge in Flandern heransegelt als bis an die Maas, auch soll er das Gut, das er heranführt, an keinen Flamen und weder nach Mecheln noch nach Antdorf [Antwerpen] verkaufen, auch an keinen, von dem er weiß, dass er es den Flamen … bringt. Auch sollen sie von keinem Hafen aus irgendwelches Gut über Land in die drei genannten Orte senden. Käme ein Schiffer in großer Not wegen Wind und Wetter in einen Hafen westlich der Maas, so darf er seine Ware dort nicht ausschiffen oder verkaufen, sondern soll sich beeilen, so sehr er kann, dass er wieder zur Maas oder zu einem Hafen östlich der Maas zurücksegelt. Kommt ein Schiff, ein Schiffer oder Kaufmann, der nicht in der deutschen Hanse ist, in eine Hansestadt und wollte Ware von dort ausführen, so soll er ausreichende und ehrbare Bürgen dafür stellen, dass er die Ware nicht nach Flandern bringen will. Kann er die Bürgen nicht aufstellen, so soll man ihm nicht gestatten, irgendwelches Gut auszuführen, sondern ihm nur Bier, Brot und Kost, die er braucht, geben und nicht mehr. [Kein Hansekaufmann darf flandrisches Gewand weder in Flandern noch sonstwo kaufen ...] Kommt ein nichthansischer Kaufmann zu Lande oder zu Wasser in eine Hansestadt und will dort flandrische, Mechler oder Antdorfer Tuche verkaufen, so soll ihm diese niemand abnehmen, sondern er soll sie wieder fortführen, dafür sollen die sorgen, denen die Stadt oder der Hafen gehört, wo jener hingekommen ist. Auch haben wir festgesetzt, dass alle deutschen Kaufleute der Hanse zwischen jetzt und dem 1. Mai 1358 Flandern, Mecheln und Antdorf räumen und von dan-nen ziehen sollen und so lange fortbleiben, bis wir es sie einträchtig wissen lassen. Auch soll niemand seine Ware seinem Wirte übergeben ohne irgendwelche Arglist, es sei denn, dass er ihm Geld schuldet. Handelt ein Mann der deutschen Hanse gegen dieses Gesetz, flüchtet in eine andere Hansestadt, wird dort ergriffen und schuldig befunden, so soll ihm dort kein Geleit gegeben werden, sondern die Stadt soll über ihn richten und er soll alles Gut, was er mitgebracht hat, oder dessen Wert verlieren, und das soll man an die Stadt zahlen, deren Bürger er ist. Will sich eine Hansestadt freventlich von diesem Gesetz ausschließen und weigert sie sich, es zu halten, so soll sie ewiglich aus der Hanse ausgestoßen sein und am Recht der Deutschen keinen Anteil haben. Kommt es zu einem Ausgleich zwischen der Kaufmannschaft und den Flamen wegen des geschehenen Unrechts, so soll dies nur geschehen mit voller Einwilligung der obengenannten Städte und derer, die sie dazugerufen.
Aus: Hanserezesse I, S. 135 Verfolgung von Mogelpackungen Bestimmungen aus Lübeck 1375
Ferner kam die Klage an die Städte wegen der Piktonnen, der Teer- und Aschetonnen. Man fälscht sie, macht den Boden und den Deckel allzudick und man füllt Erde hinein. In dieser Sache soll man an Preußen, Stettin, Kolberg und Gotland Briefe senden, damit jeder sich in acht nehme. Denn wenn man am nächsten St. Martinstag solche Ware findet, so soll als Fälschung darüber gerichtet werden. Diesen Beschluss soll jede Stadt ihren Nachbarn mitteilen. Ferner soll jeder in seinem Rat über die Herings- und Biertonnen reden, dass man die in allen Städten gleich mache, und zwar nach den Rostocker Tonnen. Ferner soll jeder Vogt auf Schonen [Südschweden] den Seinen verkünden, dass sie ihren Hering so in die Tonnen einsalzen, dass er an beiden Böden und in der Mitte gleich gut sei und dass man keine minderwertigen noch kopflosen Heringe zwischen die guten packe. Jeder soll den Hering einlegen und nicht mit Mollen [d. h. Mulden] einschütten. Wo in dieser Weise gefälschtes Gut gefunden wird, da soll man als Fälschung darüber richten, ebenso wenn jemand Heringe, die auf der wendischen Seite eingesalzen sind, als schonische verkauft.
Aus: Hanserezesse II, S. 101