Die Hanse und die Große Politik

Die wirtschaftliche Prosperität der Hanse hing von einem guten Verhältnis zu den politischen Mächten ab. Unter diesen sollte für die Geschichte des Bundes Dänemark zum Schicksalsland werden. Wenn Kaiser und Reich die Hanse nicht stützten, hätte es da nicht nahegelegen, wenn sich die Hanse an die dänische Monarchie angelehnt hätte? Doch diese Politik war schon deshalb unmöglich, weil die Hanse gerade den nach König Erich Menrdes Tod 1319 eingetretenen Verfall der dänischen Monarchie zur Stärkung ihrer nordischen Position benutzte, was König Waldemar IV. Atterdag von Dänemark (1340-1375) veranlassen sollte, den hansischen Einfluss in der Ostsee und vor allem auf der Halbinsel Schonen gewaltsam zurückzudrängen. Sein Überfall auf die Hansestadt Wisby, die im schwedischen Schonen lag, traf nicht nur hansische Lebensinteressen aufs empfindlichste, sondern machte auch Schweden zum Bundesgenossen der Städteföderation. Da aber Kaiser Karl IV. die Reichssteuern Lübecks an König Waldemar verpfändet hatte, war für die Reichsstadt eine existenzbedrohende Lage entstanden. Eine Wirtschaftsblockade gegen Dänemark nützte ebensowenig wie Verhandlungen mit dem Aggressor. So entschloss sich die Hanse nach langem Zögern zum Krieg. Mit dem Deutschen Ritterorden verbündet, trat sie mit 8000 Söldnern und 48 Kriegsschiffen gegen Dänemark an. Den Oberbefehl hatte der Lübecker Bürgermeister Wittenborg. Die erste Feindbegegnung endete mit einer schweren Niederlage der Hansestädte. Wittenborg wurde deswegen hingerichtet. Waldemar IV. gewährte zwar sofort einen Waffenstillstand, fuhr aber fort, hohe Steuern für die Passage des Sunds zu erheben und Gewaltpolitik zu treiben, sodass die Ordensstädte zu einem weiteren Waffengang drängten. Lübeck bekam diesmal aktive Unterstützung durch Schweden, Mecklenburg, Holstein und den jütländischen Adel. Diesmal war das Schlachtenglück auf hansischer Seite. Die dänische Stadt Kopenhagen fiel, und Waldemar IV. floh ins Ausland. Er glaubte, Kaiser Karl IV. für seine Sache gewinnen zu können. Aber dieser hatte gerade politische Sorgen mit Italien und keine freien Reserven. So kämpften die dänischen Sundfestungen allein weiter, bis sie sich nach hartnäckiger Belagerung ergeben mussten. Die Hanse auf dem Höhepunkt ihrer Macht
Im Frieden von Stralsund 1370 erhielt die Hanse ihre dänischen Privilegien bestätigt, die ihnen Waldemar IV. entzogen hatte, bekam für 15 Jahre das Kontrollrecht über den Sund und konnte so den Seeweg zwischen der Ost- und Nordsee kontrollieren. Bei künftigen Königswahlen musste der dänische Reichsrat die Zustimmung der Hanse einholen! Mit diesen ›unerhörten‹ Friedensbedingungen hatte sie ihren politischen Höhepunkt erreicht. Als Beherrscherin der Ostsee war die Hanse zur politischen Großmacht geworden. Als nach Waldemars IV. Tod ein Streit um die drei nordischen Kronen von Dänemark, Schweden und Norwegen ausbrach, hielt sich die Hanse zurück und ließ zu, dass Margarete, die Tochter Waldemars IV., sich mit dem norwegischen König Hakon VI. vermählte. Nach dessen Tod verstand es Margarete, 1397 eine Personalunion (die »Kalmarer Union«, gemeinsames Wahlkönigtum, besteht bis 1814 für Dänemark und Norwegen!) unter den drei nordischen Königreichen herzustellen, ein Enkel ihrer Schwester Ingeborg, Erich von Pommern, wurde in Kalmar zum König Dänemarks, Norwegens und Schwedens gekrönt. Nun traten aber die Bundesgenossen des verdrängten Schwedenkönigs auf den Plan. Sie sind unter dem Namen Vitalienbrüder bekannt geworden. 30 Jahre lang bildete diese aus Rittern, Bürgern, Bauern und allerlei zwielichtigem Gesindel bestehende Piratengruppe eine Gefahr für alle Ostseefahrer, dann aber auch für alle nordischen Kaufleute, bis man ihre letzten Anführer, den legendären Godeke Michels und Klaus Störtebeker dingfest machen konnte und in Hamburg, zusammen mit zahlreichen Komplizen, öffentlich enthauptete.

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Info 18.11.2017 13:04
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