Der wirtschaftende Mensch

Jeder wirtschaftende Mensch steht vor einem Grundproblem: Welche Mengen von welchen Gütern und Diensten soll er (bei gegebenen Preisen) mit den Geldmitteln kaufen, die ihm zur Verfügung stehen? Der einzelne Konsument kann die Preise der Güter in der Regel nicht beeinflussen, die Kaufmöglichkeiten sind also durch die Kauffähigkeit begrenzt. Das Wirtschaftssubjekt
Man unterstellt gewöhnlich, der Mensch wähle rational zwischen den gegebenen Alternativen: Dieser rational entscheidende, wirtschaftende Mensch wird in der Wirtschaftstheorie als Wirtschaftssubjekt umschrieben. Dieser Begriff ist generalisierend und abstrakt, er bezeichnet eine Kunstfigur, die aber besser als ein realer Mensch geeignet ist, das Wesen der Wirtschaft zu demonstrieren. Die Wirtschaftstheorie befasst sich mit drei Hauptgebieten: mit der Entstehung der menschlichen Nachfrage, mit dem Verhalten der Organisationen, die diese Nachfrage befriedigen, und mit dem Gruppenverhalten innerhalb der nationalen Wirtschaft und der Weltwirtschaft. Auf diesem Fundament bauen differenzierte Theorien über Einzelbereiche der Wirtschaft auf. Das Wirtschaftssubjekt versucht, mit seinen Mitteln den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Die Menge an Gütern, für die Nachfrage besteht, ist von der Preishöhe aller Güter abhängig, die die Menschen besitzen möchten. Bedürfnisse und Einkommen
Um seine Bedürfnisse bestmöglich zu befriedigen, muss der rational wirtschaftende Mensch eine Art Balanceakt vollführen: Er wird nämlich von einem Produkt soviel kaufen, bis die Ausgabe eines bestimmten Betrages für dieses Gut ihm die gleiche Bedürfnisbefriedigung bringt wie ein anderes Gut, das er für den gleichen Betrag kaufen könnte. Da die Preise für bestimmte Güter schwanken, da auch Einkommen und Wünsche der Menschen nicht gleich bleiben, wechseln Angebot und Nachfrage ständig. Der rational wirtschaftende Mensch muss also ständig seine Kauf- oder Nachfrageentscheidungen an den wechselnden Marktverhältnissen überprüfen und korrigieren, wenn er seine Bedürfnisse mit seinem Einkommen maximal befriedigen will. Ähnlich verhält sich der Produzent, der Anbieter. Er wird nur so lange ein bestimmtes Produktionsmittel einsetzen, bis die letzte Einheit dieses Produktionsmittels den gleichen Ertrag liefert wie die letzte Einheit eines anderen eingesetzten Produktionsmittels. Dieser »marginalistische« Charakter der Wirtschaftstheorie beruht auf dem »Gesetz von dem abnehmenden Ertragszuwachs« (oder vom »abnehmenden Grenznutzen«). Dieses »Gesetz« besagt, dass von einem bestimmten Punkt an jede zusätzliche Einheit eines Gutes einen geringeren Nutzen als die vorher eingesetzte Einheit erbringt. Von einem gewissen Stadium an kann eine weitere zusätzliche Einheit dieses Gutes sogar einen negativen Nutzen, also Schaden oder Unlust, verursachen. Der Lebensstandard
Der wirtschaftende Mensch maximiert den Konsum materieller Güter jedoch nicht immer. Er kann z. B. auf Gehaltserhöhungen auch mit verminderter Arbeitsleistung oder vermehrter Abwesenheit reagieren. Heute gibt es kleine Minderheiten, die sich dafür entschieden haben, aus dem Leistungsdruck auszuscheiden und auf die materiellen Annehmlichkeiten der Industriegesellschaft zu verzichten. Sollte sich unsere Wertskala wirklich in dem Sinne verschieben, dass Freizeit und geistiger Frieden mehr geschätzt werden als materielle Güter, dann könnte dies das Wirtschaftsleben grundsätzlich verändern. Heute wird der Lebensstandard eines Landes daran gemessen, wie viel Güter und Dienste pro Kopf der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Immaterielle Werte (wie Freizeit usw.) bleiben weitgehend unberücksichtigt. Der Lebensstandard wird von der Arbeitsleistung der gesamten Gesellschaft bestimmt. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich in vielen Ländern der Erde die Produktion pro Kopf und damit auch der Lebensstandard rapide erhöht. Im Verlauf der Industrialisierung wurden die natürlichen Reichtümer rücksichtslos ausgebeutet, das hatte umfangreiche Verwüstungen der Landschaft zur Folge. Allmählich erkannte man, dass es besser ist, wenn man den freien Wettbewerb einem gewissen Maß an staatlicher Kontrolle unterwirft. So entstand das Konzept der Kosten-Nutzen-Analysen. Dabei werden Nutzen und Kosten einer Maßnahme, z. B. eines Bewässerungssystems, ermittelt, indem man den Effekt auf die gesamte Volkswirtschaft und nicht nur auf das engere Umfeld untersucht. Über Vorgänge und Entwicklungen lassen sich oft erst dann Aussagen machen, wenn man Fakten quantifizieren kann. Bevölkerung, Handel, Produktion und Geld müssen über Zeiträume hinweg erfasst und verglichen werden. Volkszählungen sind ein Beispiel für eine Totalerhebung, sie enthalten kaum Schätzwerte. Da es meist unpraktisch oder zu teuer ist, alle Daten vollständig zu erfassen, bedient man sich heute oft statistischer Stichprobentechniken. Indizes und Einzeldaten
Indizes sind besonders geeignet, Änderungen im zeitlichen Verlauf zu messen, etwa Änderungen des Preisniveaus oder die Entwicklung des Produktionsvolumens. Ohne Indizes müsste man unübersehbare viele Einzeldaten berücksichtigen, um Entwicklungen im Zeitablauf zu beurteilen. Der bekannteste Index dürfte der »Preis Index der Lebenshaltung« (»Lebenshaltungskostenindex«) sein.

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Info 18.01.2018 04:59
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