Wirtschaft und Wirtschaftstheorie

Ökonomische Analysen beschäftigen sich mit Individuen wie mit Gruppen, aber auch mit komplexen sozialen Einheiten. Die Mikroökonomie befasst sich mit den Problemen des einzelnen Konsumenten, des Haushalts, der Firma, sie benutzt Angebot und Nachfrage, um ein Grundmodell des Wirtschaftsablaufs zu bilden. Die Makroökonomie untersucht dagegen den gesamten Geldkreislauf in einer Volkswirtschaft: Die Grenzen zwischen beiden sind nicht eindeutig. Beide untersuchen im Grunde verschiedene Aspekte des gleichen Sachverhalts. Das Verhalten von Unternehmen
Unternehmen können, vereinfacht betrachtet, im Rahmen eines vollkommenen Wettbewerbs handeln oder aber monopolistisch. Wahrscheinlich existieren beide Grundformen nicht in reiner Form, die Realität hegt stets irgendwo dazwischen. Vollkommener Wettbewerb unterstellt eine Wirtschaft, in der jeder alles weiß, was geschieht, in der sich die Produktion automatisch auf die Nachfrage einstellt. Außerdem wird vorausgesetzt, dass jeder Marktteilnehmer im Verhältnis zum Gesamtmarkt so klein ist, dass er die Preise durch Veränderung seines Angebots (oder seiner Nachfrage) nicht beeinflussen kann. Anbieter müssten zum Marktpreis so viele Waren verkaufen, Nachfrager soviel kaufen können, wie sie wollen. Eine Monopolstellung liegt vor, wenn eine Firma groß genug ist, um durch Veränderung des Angebots (oder der Nachfrage) die Preise am Markt beeinflussen zu können. Ein Monopolbetrieb erzielt den größten Gewinn, wenn die zusätzlichen Einnahmen aus dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit den Produktionskosten dieser Einheit entsprechen (Grenzerträge = Grenzkosten). Könnte man Monopolisten zwingen, zu einem Preis zu verkaufen, der den Durchschnittskosten pro Produkteinheit entspricht, so würden sie mehr verkaufen, und der Konsument brauchte nur einen geringeren Preis zu bezahlen. Die Unternehmenskontrolle
Monopol, Oligopol und unvollständiger Wettbewerb sind Marktsituationen, bei denen Firmen aufgrund relativ großer Marktbeherrschung oder wegen des Bekanntheitsgrades eines Markenprodukts den Verkaufspreis mehr oder weniger bestimmen können. Seit etwa 100 Jahren kontrollieren Regierungen das Unternehmensverhalten immer stärker. Die Gesetze des Handels- und Gesellschaftsrechts sind ein Hauptinstrument dieser Kontrolle: Sie legen u. a. die Modalitäten der Firmengründung, die Kontrollrechte der Aktionäre und die Finanzierungsmöglichkeiten fest. Außerdem bestimmen sie ein Mindestmaß an Publizität, d. h. an Offenlegung von Besitz- Verhältnissen, Verflechtungen, Umsätzen und Gewinnen. Weitere Gesetze regeln Arbeitsschutz, Gesundheit, Baunormen, den Schutz der Umwelt. Sie bilden den Rahmen für die Entscheidungen der Unternehmen. Zu den wichtigsten Gesetzen, die den Handlungsspielraum der Unternehmen einschränken, gehören in den USA das Anti-Trust-Gesetz, in der Bundesrepublik das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz). Sie sollen übermäßige Konzentration und Marktbeherrschung verhindern. Die Erfahrungen aus den Wirtschaftszyklen der zwanziger Jahre und der Weltwirtschaftskrise 1929-33 haben das theoretische Werk des britischen Nationalökonomen John Maynard Keynes (1883-1946) bestimmt. Er schlug vor, Regierungen sollten die Wirtschaft mit antizyklischen (deflationistischen oder reflationistischen) Maßnahmen steuern. Seit der Weltwirtschaftskrise, insbesondere seit 1945, erwartet man überall, dass die Regierungen für Vollbeschäftigung sorgen. Heute ist jedoch deutlich geworden, dass Begleiterscheinung einer solchen Politik eine anfangs schleichende, später galoppierende Inflation ist wenigstens in einer Wirtschaft mit freien Produktions- und Konsumentscheidungen. Damit ist der Wert rigoroser Vollbeschäftigungspolitik fragwürdig geworden. Die Inflation und die moderne Gesellschaft
Die Inflation ist ein verblüffendes Phänomen. Gewöhnlich macht sie sich mit langanhaltendem Preisanstieg oder schwindendem Geldwert bemerkbar. Ihre Auswirkungen sind offensichtlich, die Ursachen können vielfältig sein: Staatsausgaben, die die Steuereinnahmen langfristig erheblich übersteigen, zu optimistische Erwartungen nach Jahrzehnten der Vollbeschäftigung, wachsende Macht der Gewerkschaften oder der Monopole, Kartelle bei Ölgewinnung und -Verarbeitung, Verknappung der Rohstoffe, zu starkes Bevölkerungswachstum, Einfluss der Massenmedien u. a. Die moderne Industriegesellschaft fördert wachsendes Unbehagen im Menschen. Gigantische Firmen, selbst von ihren Besitzern kaum noch zu überblicken, Gewerkschaften in der Hand systemfeindlicher, in extremen Fällen sogar krimineller Führer sowie abnehmende Arbeitsmoral machen in zunehmendem Maße staatliche Interventionen notwendig. Ist angesichts der begrenzten Rohstoffvorräte permanentes Wachstum der Wirtschaft überhaupt möglich? Die modernen Technologien haben zwar für eine Minderheit schwere körperliche Arbeiten erleichtert, aber den Menschen zugleich zum Sklaven riesiger Institutionen, komplexer administrativer Systeme und zum Gegenstand der Manipulation durch die Massenmedien gemacht, andererseits sind diese Faktoren aber unentbehrlich, um die moderne Technik in dem notwendigen großen Maßstab zu nutzen und die Versorgung der Bevölkerungsmassen zu sichern. Größeren Wohlstand hat der Mensch in den Industriestaaten mit einem Verlust an persönlicher Freiheit bezahlen müssen.