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Welthandel und Finanzen

Handel oder Austausch von Waren zwischen Gesellschaften zählen zu den wichtigsten Wertschöpfungsaktivitäten der Menschheit. Dies gilt sogar dann, wenn die Bevölkerung eines Landes oder einer Region auf jedem Produktionssektor höchste Produktivität erreicht, denn auch dieses Land profitiert vom Außenhandel, wenn es Güter mit Partnern tauscht, deren relative Produktivität von der eigenen abweicht. Dieses Prinzip nennt man die Theorie der komparativen Kosten, Der Freihandel
Wenn Fertigwaren-Produzenten ihre Erzeugnisse mit denen von Rohstoff-Produzenten austauschen, so leuchtet das ein. Weniger leicht einzusehen ist aber, warum Industrieländer wie die USA, die Bundesrepublik Deutschland, Japan und Großbritannien vom Handel mit Halb- und Fertigprodukten untereinander profitieren. Im Welthandel gilt aber als erwiesen, dass nicht die Rohstoffländer, sondern die Industrienationen die größten und am schnellsten wachsenden Märkte bieten. Der Handel zwischen Niedriglohn- und Hochlohnländern schafft Konfliktsituationen. Die Amerikaner werden beispielsweise kaum Abgaben für Hemden aus dem Niedriglohngebiet Tennessee erheben, sofern sie für das Hochlohngebiet Detroit bestimmt sind. Unter Umständen halten sie es aber für sinnvoll, einen Zoll auf koreanische Hemden zu legen. Die Theorie der komparativen Kosten setzt freien Güteraustausch voraus. Diese Forderung ist schon innerhalb eines Landes schwer zu erfüllen. Das Ganze wird aber noch komplizierter, wenn politische Grenzen oder sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden sind. Freihandel ist eine wunderbare Idee, wenn sich alle an die gleichen Spielregeln halten. Aus verschiedenen Gründen sind aber Zölle, Steuern und andere restriktive handelspolitische Praktiken häufig populärer als Freihandel. Die Zollbarrieren
Regierungen behindern den Handel in vielerlei Form – gewöhnlich durch Zölle – mitunter aber auch durch besondere Vorschriften und Quoten. In den Jahren 1950-70 hat man in allen Teilen der Welt die Zölle mit deutlichem Nutzen für den Handel abgebaut. Inzwischen gibt es aber andere Hemmnisse. Die Handelsposition eines Landes gegenüber anderen wird in der Zahlungsbilanz ausgewiesen. Das Nettoergebnis aller Transaktionen, des Austausches von Waren und Dienstleistungen (Leistungsbilanz) und der Veränderungen von Verbindlichkeiten und Ansprüchen gegenüber dem Ausland (Kapitalbilanz) schlägt sich nieder in veränderten internationalen Reserven eines Landes (Gold, Dollars und andere konvertierbare Währungen). Die Reserven eines Landes sinken bei einem Leistungsbilanzüberschuss dann, wenn es dem Ausland mehr leiht, als der Überschuss ausmacht. Zwischen nationaler Wirtschaftspolitik und der Zahlungsbilanz eines Landes gibt es enge Zusammenhänge. Gutnachbarschaftliches Verhalten im Welthandel bedingt, dass kein Land ein Defizit oder einen Überschuss in seiner Zahlungsbilanz permanent duldet. Nach einem oder zwei Überschussjahren sollte das betreffende Land die Importnachfrage anregen, z. B. durch Senkung der Zölle. Wechselkurse und Währung
Der Wechselkurs ist, vereinfacht ausgedrückt, der Preis einer Einheit einer Währung, berechnet in Einheiten einer anderen Währung. Diese Kurse werden an den internationalen Devisenmärkten gebildet (London, New York, Frankfurt, Tokio). Zu Zeiten des Goldstandards bewertete man alle Währungen der beteiligten Länder im Verhältnis ihres Goldgehaltes. In den 20er Jahren hat man den Goldstandard mehr und mehr aufgegeben, weil man der Meinung war, er sei zu wenig flexibel und schränke die Wirtschaft zu sehr ein. Dadurch wurden die wichtigsten Handelswährungen, d. h. die Währungen der wirtschaftlich stärksten Staaten, zum internationalen Wertmaßstab. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg geriet dieses System ins Wanken, teils durch Strukturschwächen der Weltwirtschaft, teils als Folge politischer Aktionen, z. B. der wirtschaftlichen und militärischen Verpflichtungen der USA. Hinzu kamen institutionelle Beschränkungen wie fixe Wechselkurse und starre Goldbindung des US-Dollars. Diese Beschränkungen wurden kritiklos über viele Jahre beibehalten. Die Folge waren schließlich Währungsspekulationen und hektische Auf- und Abwertungen des US-Dollars, der Deutschen Mark, des Pfundes, des Yen und des Goldes. 1970-71 gab es überhaupt keinen internationalen Standard mehr für die Bewertung von Währungen. Aus dieser Situation entwickelten sich schließlich neue Paritäten: Die Hauptwährungen werden jetzt in einem »Korb« anderer Währungen gemessen, entsprechend der Bedeutung der einzelnen Währungen im Welthandel. »Floating« im Weltwährungssystem
Die weltweite Entwicklung, weg von festen Wechselkursen hin zum Floating, vollzog sich nur langsam. Floaten heißt zeitlich begrenztes freies Schwanken der Wechselkurse am Devisenmarkt. Die meisten Währungen floaten nur innerhalb bestimmter Grenzen. Sie haben obere und untere Limits, werden diese erreicht, greifen in der Regel die Währungsbehörden ein. Dieses System wurde modifiziert, indem man sporadische Veränderungen dieses Limits nach oben oder unten zuließ. Auf diese Weise wird der Nominalwert der Währungen an die langfristigen Wirtschaftsentwicklungen angepasst. So wurde ein neuer Wertmaßstab zur Definition der Wechselkurse geschaffen.

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