Geld und Kapital

Der Mensch benutzt Geld in unterschiedlichen Formen. Diese Formen verkörpern verschiedene Grade von Liquidität, Risiken und Gewinnchancen. Das Bargeld in unserer Geldbörse brauchen wir heute immer seltener, denn immer mehr Zahlungsvorgänge werden heute mit Schecks und, in wachsendem Umfang, auch mit Kreditkarten abgewickelt. Liquide Aktiva
Während unsere Großväter noch Goldmünzen für schlechte Zeiten zurücklegten, benutzen wir in erster Linie Banknoten, Spar- und Bankkonten, auch Prämienschuldverschreibungen und Bundesschatzbriefe, um unsere finanziellen Reserven zu halten. Dies alles sind »Liquide Aktiva«. Sie werden so genannt, weil man relativ schnell über sie verfügen kann. Versicherungspolicen und Pfandbriefe sowie Aktien müssen erst verkauft oder gekündigt werden, verursachen also mehr Zeit- und Kostenaufwand, ehe man sie zu barem Geld machen kann. Es gibt also einen graduellen Übergang vom Bargeld zu Formen der Anlage mit einem geringeren Grad an Liquidität. Das Banken- und Geldsystem beruht auf einigen grundlegenden Einrichtungen. Geschäftsbanken mit Filialen haben Kontakt mit dem Publikum, dessen Guthaben sie verwalten und dessen tägliche Transaktionen sie abwickeln. In Europa werden Guthaben meist bargeldlos im Giroverkehr übertragen. Bei der engen Verflechtung des Bankwesens können finanzielle Schwierigkeiten einer Bank oder gar ein Zusammenbruch eine Erschütterung und Vertrauenskrise im ganzen Bankensystem auslösen. Deshalb haben die Banken in der Bundesrepublik für solche Notfälle nach dem spektakulären Ende der Herstatt-Bank (Juni 1974) einen Reservefonds gebildet. Die Zentralbank und das Bankensystem
Das Verhältnis zwischen der Zentralbank und den Geschäftsbanken beeinflusst die Wirtschaftspolitik entscheidend. Die Zentralbank bemüht sich um ein Gleichgewicht zwischen monetärer Nachfrage und monetärem Angebot durch Veränderung der Geldmenge, die in der Volkswirtschaft umläuft: Sie kann die Geschäftsbanken zwingen, ihre bei der Zentralbank hinterlegten liquiden Mittel (Mindestreserven) zu erhöhen. Dies wiederum zwingt die Geschäftsbanken, Kontenüberziehungen abzugleichen und Kredite zurückzufordern, damit ihre liquiden Mittel wieder zur Befriedigung der täglichen Anforderungen ausreichen. Die Zentralbank kann die Geldversorgung auch beeinflussen, indem sie den Leitzins (Diskontsatz) ändert. Dies ist der Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken im Bedarfsfall bei der Zentralbank Geld leihen können. Er ist gleichzeitig die Vergleichsbasis für alle anderen Zinssätze. Wenn also der Diskontsatz steigt oder fällt, ziehen alle anderen Zinssätze in der Regel nach. Die Zentralbank kann das monetäre Angebot auch durch »Offenmarktpolitik« beeinflussen: Die Zentralbank kauft oder verkauft Staatspapiere und beeinflusst damit die kurzfristig verfügbare Geldmenge einer Volkswirtschaft. Banken sind nur ein Teil des komplexen, ineinander greifenden Finanzsystems, das die Geldwirtschaft charakterisiert. Typisch für die Londoner City ist der »Discount-Markt« eine kleine Gruppe von Firmen, die mit kurzfristigen Wertpapieren handelt und damit eine Art Puffer zwischen Zentralbank und anderen Finanzinstitutionen darstellt. Es gibt auch Handelsbanken, die keine Einlagen des Publikums halten, aber die Geschäftswelt mit speziellen Bankdienstleistungen versorgen. Sie befassen sich mit Handelsfinanzierungen (teilweise Warenfinanzierungen) und sind bei Unternehmensentwicklungen und Investitionsfinanzierungen behilflich, sie organisieren auch die Platzierung von Anteilen, vor allem von Aktien neu gegründeter Gesellschaften im Publikum. Die Börse
Eine weitere wichtige Institution des Geld- und Kapitalmarktes ist die Effektenbörse. An dieser Börse werden Schuldverschreibungen und Aktien gehandelt. An der Effektenbörse handeln nur Börsenmakler. Sie kaufen und verkaufen im Namen der Investoren. In London sind an diesem Markt sogenannte Börsenjobber (in den USA »specialists«) tätig. Sie sind Großhändler für Staatspapiere und Aktien und halten zu jeder Zeit einen Vorrat von Wertpapieren, mit dem sie das Angebot am Markt kontrollieren und damit auch den Tagespreis der Papiere beeinflussen können. Seit 1945 haben sich die Effektenmärkte überall in der Welt zunehmend institutionalisiert. Kleine Ersparnisse sind im Allgemeinen stark angewachsen, sie flössen jedoch zum großen Teil in Personenversicherungen und Pensionskassen. Diese gewinnen nun dank steigender Mittel immer mehr Bedeutung für den Effektenmarkt, der in zunehmendem Maß von diesen Kapitalsammelstellen abhängt. Diese Institutionen investieren die Gelder, die ihnen Millionen von Kunden überlassen. Ein weiteres Phänomen auf dem Effektenmarkt sind in jüngerer Zeit die Investment-Gesellschaften. Diese kaufen kombinierte Pakete von Aktien, die den Investoren erlauben, das Risiko über eine Anzahl von Gesellschaftsanteilen zu streuen auch dann, wenn sie nur kleine Beträge investieren. Anlagemöglichkeiten bieten auch einige Arten der Baufinanzierung. Seit den zwanziger Jahren hat auch die Zahl der Institutionen zugenommen, die sich auf die Vergabe von indirekten Krediten in Form von Mietkauf- (Leasing-) Verträgen spezialisiert haben. Immobilienfonds ermöglichen auch mit relativ geringem finanziellem Einsatz Beteiligung an Grundbesitz.

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Info 18.01.2018 05:02
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