In den Sklavenhaltergesellschaften, z. B. bei den alten Griechen, galt Arbeit als notwendiges Übel. Die Oberschicht mied sie. Für die Hebräer war sie eine unangenehme Notwendigkeit, sie sahen Arbeit als eine Strafe für Sünden an. Die Protestanten, insbesondere die Anhänger Johannes Calvins (1509-64), erklärten die Arbeit dagegen zu »Grundlage und Schlüssel des Lebens«. Äußerst gewissenhafte Erledigung bedeutete höchste Gottesverehrung, Untätigkeit dagegen Sünde.
Wann arbeitet der Mensch?
Religiöse Vorstellungen über Würde und Wert der Arbeit beeinflussten selbst den utopischen Sozialismus des 19. Jahrhunderts. Karl Marx (1818-83) glaubte, dass man Arbeit wegen ihres Nutzens und nicht um des Profits willen verrichten solle, der Mensch sollte also mehr »leben, um zu arbeiten« und nicht »arbeiten, um zu leben«. Marx glaubte, in einer Gesellschaft der Zukunft werde die Arbeit Grundbedürfnis des Menschen sein und könne ihn auch ohne Entgelt befriedigen.
Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchte man nach biologischen Erklärungen für das menschliche Verhalten zur Arbeit. Einige Psychologen führten es auf »Instinkt« und »inneren Antrieb« zurück und wollten damit begründen, dass der Mensch »lebt, um zu arbeiten«. Sigmund Freud (1856-1939) nahm an, dass eine verborgene sexuelle Befriedigung - allerdings in »sublimierter Form« - die tiefere Ursache für jegliches Vergnügen an der Arbeit sei. Andere Psychologen glauben, dass Menschen aus einem Selbsterhaltungstrieb tätig sind bzw. ein »Überlegenheit Instinkt« sie drängt, durch Arbeit die Umwelt zu beherrschen.
Spätere Theorien gehen davon aus, dass der Mensch in einem so starken Maße ein soziales Wesen ist, dass man die Frage, warum und wie er arbeitet, nur vor dem entsprechenden kulturellen und sozialen Hintergrund stellen kann. Untersuchungen über die Rolle der Arbeit in der modernen Gesellschaft unterstellen einen engen Zusammenhang zwischen ökonomischen, sozialen und psychologischen Faktoren. Menschen arbeiten demnach in erster Linie für Geld, Prestige, Macht, sie sehen in ihrer Tätigkeit einen sozialen Sinn und wollen persönliche Beziehungen zu einem größeren Kreis von Menschen herstellen. Ihre Befriedigung kann entweder intellektueller oder physischer Natur sein oder auch beides.
Die Höhe der materiellen Entlohnung gewann relativ spät ihren heutigen Stellenwert. Einen entscheidenden Anstoß für die Entwicklung der westlichen Industriegesellschaften gab die protestantische Arbeitsethik. In dem Maße jedoch, in dem die religiöse Rechtfertigung für schwere Arbeit allmählich an Überzeugungskraft verlor und der Massenverbrauch der durch Arbeit entstandenen Güter gesamtwirtschaftlich wichtig wurde, musste man als Anreiz zunehmend mehr finanzielle Entlohnung bieten. Tätig sein wurde damit zur notwendigen Voraussetzung für den Konsum, d. h. Arbeit wurde für viele ein lästiges, aber unvermeidliches Mittel, um materielle Ziele zu erreichen.
Macht Arbeit zufrieden?
Angesichts der weitverbreiteten Unzufriedenheit bei der Arbeit hat man in den letzten Jahren viele Berufe näher untersucht, in erster Linie jedoch Fabrik- und Bürotätigkeit. Befriedigung durch Arbeit um ihrer selbst willen findet man oft bei Facharbeitern oder Handwerkern, besonders dann, wenn ein Projekt vom Beginn bis zur Fertigstellung in einer Hand liegt, Fließbandarbeiter möchten zu einem gewissen Grad auf das Tempo und die Arbeitsmethode Einfluss nehmen. Abwechslung ist für Fabrikarbeiter wie auch für Büroangestellte wichtig, ebenso ein freundliches Betriebsklima.
Auch andere Faktoren sind mitentscheidend dafür, ob Arbeit befriedigt, etwa die sozialen Beziehungen, wichtig ist auch die Freiheit, selbständig Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen zu können. Eng verknüpft damit ist taktvolle und anpassungsfähige Beaufsichtigung und Leitung einer Firma bzw. Institution. Hierher gehört die Mitsprache aller betroffenen Mitarbeiter bei geplanten Änderungen der Produktionsmethoden.
Im Allgemeinen befriedigt Arbeit, bei der man persönlichen Kontakt zu anderen Menschen hat, wesentlich mehr als isolierte Tätigkeit. Die Einstellung zur Arbeit hängt auch von Alter, und Persönlichkeit ab. Gewöhnlich arbeiten Menschen mit steigendem Alter gründlicher, und oft ist ein gutes soziales Klima für ältere Kollegen wichtiger als für jüngere. Gebildete Menschen mögen oft weniger zufrieden mit ihrer Arbeit sein als einfache Arbeiter, die weniger persönliches Engagement für ihre Tätigkeit aufbringen.
Das Arbeitsklima
Studien über Zufriedenheit im Beruf sollten mit Vorsicht beurteilt werden. Unzufriedenheit wird häufig mit persönlichem Misserfolg gleichgesetzt und deshalb oft verschwiegen. Wegen der Vielzahl der Einfluss variablen sollte man sich vor Vereinfachungen hüten. Arbeit wird weitgehend durch die Umgebung, in der sie verrichtet wird, beeinflusst. Für einen unzufriedenen Arbeiter kann eine bessere persönliche Behandlung und die Vollmacht zu eigenen Entscheidungen weit wichtiger sein als bessere äußere Bedingungen, auch bessere Bezahlung. Die Bedeutung des Arbeitsklimas wird von der Arbeitswissenschaft immer mehr betont.
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