Mensch als Zerstörer der Natur

Seit Menschen die Erde besiedeln, greifen sie in die Natur ein, von allen Lebewesen haben sie die Natur zweifellos am meisten verändert, ihr Gleichgewicht gestört und manches in ihr ganz zerstört. Einige Sünden sind nicht wiedergutzumachen. So können die vielen ausgerotteten Tiere und Pflanzen nicht mehr zum Leben erweckt werden. Verkarstungen von Landschaften oder starke Verschmutzung von Gewässern lassen sich zwar meist korrigieren, doch nur mit großem Aufwand.

Der übervölkerte Planet Erde
Wenn die Menschheit weiter so stark zunimmt wie in den letzten 150 Jahren, wird die Erde womöglich in wenigen Jahrzehnten die Grenzen ihrer Tragfähigkeit erreicht haben. Es leben heute mehr Menschen als je zuvor. Beängstigend ist die Bevölkerungsexplosion vor allem in Ländern mit niedrigem Lebensstandard, wo die meisten Menschen mehr oder weniger in Not leben und sicher nicht viel Interesse an der Schonung der Natur haben.

Auf die Menschheit unserer Zeit kommen daher Fragen und Aufgaben zu, die vorher unbekannt waren. Es muss ihr gelingen, den durch Übervölkerung und zunehmende Industrialisierung gestörten Haushalt der Natur nicht nur in einem Land, sondern auf der ganzen Erde im Gleichgewicht zu halten, denn es wird immer offenkundiger, wie viel die Gesundheit eines einzelnen Teiles für alle anderen Teile bedeutet und umgekehrt. Dazu müssten z.B. Luft, Wasser und Rohstoffe der Erde überwacht werden. Würde sich etwa die Zusammensetzung der Erdatmosphäre durch Abgase oder übermäßigen Sauerstoffverbrauch ändern, so könnte dies für alles Leben auf unserem Planeten verhängnisvoll werden. Sollen schließlich Naturlandschaften, Tier- und Pflanzenarten in ihrer Vielfalt erhalten bleiben, wird man Reservate errichten und wissenschaftlich betreuen müssen.

Verschwindende Wälder
Bis vor etwa 3000 Jahren hatte der Mensch nur die Bedeutung eines winzigen Rädchens im Getriebe der Natur. Fällte er Bäume, so schadete dies nicht weiter - das gerodete Stückchen Erde überließ er bald wieder der Natur, um neuen Boden zu nutzen. Je dichter er aber das Land besiedelte, um so weniger Zeit blieb der Natur, sich zu erholen. Heute vernichtet der Mensch durch Brandrodungen, vornehmlich in den Tropenwäldern, wertvollste Baumbestände in großem Umfang. Die betroffenen Böden erholen sich nicht mehr, und die Erosion greift um sich. Jede Minute verschwinden mehr als fünf Hektar Wald von der Erdoberfläche. Damit geht dauernd ein natürliches Potenzial von größter Bedeutung verloren. Dabei sind die meisten Böden so nährstoffarm, dass dort nur wenige Jahre hindurch geerntet werden kann. Länger lässt sich die Fruchtbarkeit nicht erhalten, weil heftige Tropenregen den Humus auswaschen. Doch die Rodungen schreiten fort, um neue Flächen als Ersatz zu beschaffen. So verwandelt der Mensch in vielen tropischen Gebieten artenreiche Urwälder in Halbwüsten.

Schlimmer noch sind die Nebenwirkungen: Fehlen die Wälder, welche die Niederschläge aufsaugen und das Wasser über Verdunstung und wohldosierten Grundwasseraustritt allmählich wieder zurückgeben, so können die Flüsse plötzlich hereinbrechende Wassermassen nicht mehr fassen. Bei Hochwasser wird wertvoller Mutterboden fortgespült. In den Tropen, wo die Bevölkerungszunahme sehr groß ist und hohe Ernteerträge erforderlich wären, verliert die Erde auf diese Weise ständig an Fruchtbarkeit. Dabei könnte der tropische Regenwald bei sinnvoller Nutzung unablässig Edelhölzer und pflanzliche Rohstoffe erzeugen.

Der Mensch als Jäger und Verschmutzer
Die dichten Wälder, die »Dschungel«, erschienen dem Menschen stets als undurchdringlich und bedrohend, heute betrachtet er sie auch als verlorenen Raum. Aber sie waren und sind die Heimat vieler Tiere, denen er nachjagt. Unfähig, die Folgen seiner Eingriffe abzuschätzen, hat er vor allem die Großtiere dezimiert. Weidgerechte Jagd setzt jedoch ein vernünftiges Vorgehen voraus: Es dürfen nur so viele Tiere erlegt werden, dass der Bestand nicht ernstlich geschwächt wird. Dazu muss man die Bestandsentwicklung der bejagten Arten überblicken können.

Wie das Beispiel der Wale zeigt, scheitert die heute mögliche rationale Nutzung oft am Vorteilsdenken einzelner Staaten. So wie die Hirten in der Sahel-Zone Afrikas versuchen, möglichst große Rinderherden auf die Weiden zu schicken, bemühten sich die Flotten einiger Staaten bis in die jüngste Zeit um den größten Anteil am Walfang. Die dadurch entstandenen Schäden überwiegen bei Weitem die Vorteile. Seit 1962/63 wird durch die internationale Walfangkommission (IWC) die zugelassene Fangquote auf die einzelnen am Fang beteiligten Länder verteilt.

Fast noch gefährlicher sind die schleichenden Nebenwirkungen vieler Unternehmungen des Menschen. Zahllose Gifte werden tagaus tagein absichtlich oder unabsichtlich über Abgase und Abwässer in die Umwelt abgegeben. Autos verseuchen die Luft mit Blei und Kohlenmonoxid, zwei äußerst giftigen Stoffen. Fabriken leiten Schwermetalle mit den Abwässern in die Flüsse und Seen. Öltanker verbreiten die »Ölpest« in Form von Teerklumpen und Rohölteppichen auf allen Weltmeeren. Die Bauern streuen Unmengen giftiger Stoffe als Pflanzenschutzmittel in die Kulturlandschaft. Über lange Nahrungsketten mit komplizierten Wechselwirkungen reichern sich die Gifte an und kehren schließlich zum Menschen zurück. In vielen Ländern wird sogar das Trinkwasser knapp, weil es dort kaum noch ungeschädigtes Grundwasser oder saubere Flüsse gibt.
 
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Referat: 1872 - Mensch als Zerstörer der Natur
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