Schon Linne stellte 1758 die Menschen zusammen mit den Affen und Halbaffen in dieselbe Ordnung der Säugetiere, die Primaten oder »lief rentiere«. Die ersten Primaten traten am Ende der Kreidezeit (vor etwa 70 Millionen Jahren) auf. Es waren vierbeinige Tiere, die den heutigen Spitzhörnchen (Tupajas) ähnelten. Seit dem Eozän (vor rund 58 Millionen Jahren) beschleunigte sich die Entwicklung der Primaten, sie entfalteten sich zu großem Artenreichtum.
Halbaffen und echte Affen
Die Primaten des Eozäns ähnelten den heutigen Halbaffen (Buschbabys, Loris, Lemuren und Tarsiern). Wie diese konnten sie senkrecht klettern und von Baum zu Baum springen. Solche neuartige Fortbewegungsweise setzte einige wesentliche Änderungen des Körperbaus voraus. Zwar blieb die ursprüngliche Fünffingrigkeit erhalten, doch bildeten sich Hände und Füße allmählich so um, dass der Daumen bzw. der große Zeh den übrigen Fingern oder Zehen gegenübergestellt werden konnte. Dadurch verbesserte sich die Fähigkeit, greifen zu können, die wichtig für das sichere Klettern in Bäumen ist. Die ursprünglich und bei den Tupajas heute noch vorhandenen Krallen wurden durch Fingernägel ersetzt. An Händen und Füßen bildeten sich Ballen aus, die vor allem an den Kuppen der Finger und Zehen tastempfindlich sind. Auch die Augen der frühen Primaten erfuhren eine Umbildung. Vergleicht man Tupajas mit den jetzt lebenden Halbaffen (Prosimiae) und Affen (Simiae), so stellt man fest, dass die Augen bei den Halbaffen und Affen größer wurden und nicht mehr seitwärts am Kopf sitzen wie bei den meisten Säugetieren, sondern nach vorn gerichtet sind, mit sich überlappenden Gesichtsfeldern. Dadurch wird räumliches Sehen möglich, dieses ist eine Voraussetzung für exaktes Entfernungsschätzen und damit für das Überleben in Bäumen. Die größere Abhängigkeit vom Gesichtssinn verringerte die Bedeutung des Geruchssinns, Nase und Schnauze wurden kleiner. Die Verbesserung der Feinmotorik der Hände und Füße und die gute Ausbildung des Gesichtssinns gingen mit einer Steigerung der Leistungsfähigkeit des Gehirns einher. Bereits bei Halbaffen findet man gelegentlich kurzzeitig aufrechte Fortbewegungsweise. Hierin sind möglicherweise Ursprünge der Zweifüßigkeit (Bipedie) zu sehen.
Wie sich aufgrund von Fossilfunden feststellen lässt, verringerte sich die Vielzahl verschiedener Halbaffenarten gegen Ende des Eozäns. Die wenigen überlebenden Arten sind heute auf Rückzugsgebiete wie Madagaskar, Ceylon und Südostasien beschränkt. Dort leben sie meist als Nachttiere, tagaktive Halbaffen haben wohl nicht dem Konkurrenzdruck der sich gegen Ende des Eozäns (seit etwa 45-35 Millionen Jahren) entwickelnden echten Affen standgehalten.
Zwei große Gruppen lassen sich unter den echten Affen unterscheiden: die Breitnasenaffen (Platyrrhini) der Neuen Welt und die Schmalnasenaffen (Catarrhini) oder Altweltaffen. Die Altweltaffen kann man in zwei Überfamilien unterteilen, die Cercopithecoidea und die Hominoidea. Zu den Hominoidea zählen die Menschenaffen (Hylobatidae = Gibbons, Pongidae = Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans) und die Menschen (Hominidae). Alle echten Affen sind bewegliche vierbeinige Kletterer, die mit gut ausgebildeten Händen und Füßen sicher zufassen können.
Die Evolution der Menschenaffen
Die nächste Stufe der Evolution wurde vor etwa 30 Millionen Jahren erreicht, als sich die ersten Menschenaffen (Dryopithecinae) entwickelten. Aegyptopithecus Zeuxis war einer der ältesten Menschenaffen. Man fand seine Reste in Schichten des Oligozäns in der Oase Fayum bei Kairo. Er war ziemlich klein, besaß noch einen Schwanz und die charakteristischen Gliedmaßen baumbewohnender Vierfüßer. Seine Schnauze war lang und das Gebiss kräftig. Die Einordnung eines weiteren Fossils, das bereits 1900 in Fayum gefunden wurde, ist umstritten. Es erhielt den Namen Propliopithecus, da man zunächst annahm, es sei ein Vorfahr des Pliopithecus, der seinerseits in der Entwicklungslinie einzuordnen ist, die zum heutigen Gibbon führt. Heute nimmt man jedoch an, dass Propliopithecus auch ein Vorfahr des Aegyptopithecus war. Somit wäre er im Stammbaum der Menschenaffen noch vor der etwa 30 Millionen Jahre zurückliegenden Aufspaltung in Hylobatidae und Pongidae einzuordnen. Wie die meisten Halbaffen- und Affenarten sind auch viele Menschenaffenarten ausgestorben, so etwa Oreopithecus und Gigantopithecus. Die besterhaltenen Reste des Oreopithecus sind 12-7 Millionen Jahre alt. Er gilt als Vertreter einer ausgestorbenen Familie. Der größte Primat war der Gigantopithecus des Pliozäns, der zur Familie der Pongiden gezählt wird. Die Tiere erreichten eine Höhe von 3 m und ein Gewicht von 300 kg. Noch aus dem Pleistozän sind Reste des Gigantopithecus bekannt, was zu der fantastischen Vermutung Anlass gab, er sei gar nicht ausgestorben, sondern lebe noch heute: Der sagenhafte Schneemensch des Himalajas sei nichts anderes als der Gigantopithecus.
Die Herkunft des Menschen
Die verschiedenen Pongidenarten leiten sich von den Dryopithezinen her. Somit ist es naheliegend, die direkten Vorfahren des Menschen unter Dryopithecus-ähnlichen Tieren zu suchen. Der kleine Menschenaffe Ramapithecus, der vor 14-12 Millionen Jahren lebte, kommt am ehesten als Vorfahr des Menschen in frage. Obwohl man bislang nur Zähne und Kieferreste des Ramapithecus kennt, kann man hieraus schließen, dass Ramapithecus menschenähnlicher war als andere Dryopithezinen.
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