Die Frühzeit Griechenlands (2800 bis 1100 v. Chr.)

Homers »Ilias« und die »Odyssee,« etwa zwischen 800 und 700 v.Chr. geschrieben, berichten von Großtaten legendärer griechischer Helden zur Zeit des Trojanischen Krieges. Jahrhundertelang wurde bezweifelt, ob es dieses heroische Zeitalter (um 1800-1100 v. Chr.) überhaupt gegeben hat. Erst als der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann 1822-90) in Troja und Mykene (seit 1870) Stücke aus Jener Epoche fand, wurde aus der Legende historische Tatsache.

Die Anfänge der Bronzezeit
Nur das griechische Festland kannte eine Bronzezeit. Die erstmalige Verwendung eines Metalls für Waffen und Handwerkszeuge trug erheblich zur Belebung dies Handels bei. Sein Besitz förderte das Sozialprestige.

Um diese Zeit wurde der Getreideanbau in der thessalischen Ebene und den nördlichen Gebieten durch den gemischten Anbau von Getreide, Oliven und Wein ersetzt. Das brachte in dem mediterranen Klima höhere Erträge. Eine neue Siedlungsform entstand: Städte entwickelten sich nunmehr in guter Verteidigungslage, bevorzugt auf Hügeln oder in der Nähe des Meeres. Um 2200 v. Chr. zerstörten jedoch Eindringlinge aus dem Nordosten viele damalige Siedlungen. Diese Stämme waren wahrscheinlich die Ersten die eine Sprache gebrauchten, die man als Griechisch bezeichnen kann. Aus dieser Zeit sind auch die Töpferscheibe und das Megaron, ein Hauptraum mit einer Säulenvorhalle, überliefert. Bald danach deuten Anzeichen auf eine Beeinflussung der griechischen Kultur durch Zeitgenossen hin, und zwar durch die Minoer von Kreta.

Städtische Siedlungen entstehen
Nach und nach entstanden mächtige städtische Siedlungen wie Mykene. Als erste Zeugnisse einer wirklich blühenden Festlandkultur können wir die Schachtgräber von Mykene ansehen, die größtenteils aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. stammen. Sie enthielten Gegenstände aus Gold, Silber und Bronze, aus Glas, Alabaster und Ton - Zeichen eines gediegenen Wohlstandes. Wir können annehmen, dass diese Gräber die letzten Ruhestätten einer fürstlichen, ja, königlichen Familie sind, die über eine reiche und differenzierte Gemeinschaft geherrscht hat.

Die Funde lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Die eine zeigt eine kultivierte und verfeinerte Handwerkskunst, offenkundig kretischen Ursprungs, die andere Gruppe betont - was in Kreta unbekannt war - Waffen, Rüstung und militärische Szenen. Der Träger der goldenen Gesichtsmaske war sicher kein liebenswürdiger Höfling, sondern ein kriegerischer, strenger Held, ein Vorfahr der von Homer beschriebenen Heroen.

In dieser Frühzeit hatte sich die Seefahrt bereits entwickelt. Einige der Funde aus den Schachtgräbern sind wohl eher durch Handel erworbene ägyptische Arbeiten als kretischen oder griechischen Ursprungs. Begierig nach mehr Handelswaren aus dem Ausland, begannen die Griechen auf der Basis der heimischen landwirtschaftlichen Produktion, selbst mit Ländern zu handeln, die am Mittelmeer lagen oder auch weiter im Landesinneren.

Die Verbreitung der mykenischen Kultur
1450 v. Chr. wurde die Macht der Minoer zerstört, vermutlich durch die Seebebenwelle, die der Vulkanausbruch auf der Insel Thera ausgelöst hatte. Das war für die Festlandgriechen (die das Unglück kaum betroffen hatte) die günstige Gelegenheit, den bisher von den Kretern beherrschten Seehandel selbst zu übernehmen. Keramik und Öl aus Mykene wurden allgemein sehr geschätzt, z. B. in Ägypten zur Zeit Echnatons. Für den lebhaften Handel mit dem westlichen Mittelmeer erwies sich Tarent im südlichen Italien als wertvoller Stützpunkt, hier wurde z. B. Kupfer aus Sardinien und den östlichen Alpen sowie Bernstein aus dem fernen Baltikum umgeschlagen. Die Mykener besetzten Kreta, der Palast von Knossos wurde wieder aufgebaut.

In den griechischen Städten entwickelte sich ein hochstehendes Handwerk: Kunstvolle Metallarbeiten und prächtige Keramik zeugen davon. Die Städte wurden größer und mächtiger und bekamen Wasserversorgung. Die Paläste, deren Grundriss immer noch das traditionelle Megaron zeigt, schmückte man mit kunstvollen Fresken. Die reich ausgestatteten Gräber deuten auf großes architektonisches Können hin. Eine neu entwickelte Bautechnik zeigen die großen kraggewölbten Tholoi, Kuppelgräber wie das Schatzhaus des Atreus.

Eine Silbenschrift entsteht
Der wachsende Umfang von Handel, Handwerk und Verwaltung machte schriftliche Aufzeichnungen notwendig. Die von den Minoern auf Kreta entwickelte Silbenschrift (die bis heute noch nicht entziffert werden konnte) bezeichnen die Archäologen als Linear A. Diese Schrift passten die Mykener ihrer eigenen Sprache an (Linear B), Ein Engländer entzifferte 1952 Linear B und erbrachte damit den Nachweis, dass die Mykener, Homers Achäer, zumindest vom Sprachlichen her echte Vorfahren der klassischen Griechen waren.

Der Niedergang der Festlandkultur
Die letzten Abschnitte des bronzezeitlichen Griechenland liegen nach wie vor im Dunkeln. Ein Bericht spricht von verwegenen Grenzbewohnern aus dem Nordwesten, den Dorern, die über die Städte im Süden herfielen und sie alle, mit Ausnahme von Athen, plünderten. Andererseits heißt es, die Mykener hätten gegen 1200 v. Chr. ihren Expansionsdrang verloren, sich in einen Bürgerkrieg verwickelt und sich somit letzten Endes selbst zerstört.
 
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Referat: 1259 - Die Frühzeit Griechenlands (2800 bis 1100 v. Chr.)
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