China bis 1000 v. Chr.

Die Chinesen verdanken ihre einzigartige Stellung in der Geschichte weitgehend den natürlichen Grenzen, die ihr Riesenland schützen, und auch paradoxerweise ihrer Isolierung. Beziehungen zum Ausland gab es vor dem 19. Jahrhundert kaum. Ihre Kultur erlebte nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Blüte und nachfolgenden Verfall wie die der alten Ägypter und Griechen, sondern hat sich seit 2500 v. Chr. bis zum heutigen Tag erhalten.

Die ältesten menschlichen Überreste
Die ältesten, bis jetzt in China entdeckten menschlichen Überreste sind jene des Pekingmenschen (homo erectus pekinensis), deren Alter auf über eine halbe Million Jahre geschätzt wird. Die Pekingmenschen haben als erste Werkzeuge hergestellt. Auf einem Hügel in der Nähe Pekings, in Tschoukoutien, fand man in einer Höhle Steinwerkzeuge. Auf diese frühen Menschen folgten die der »Oberen Höhle«, die vor etwa 50 000 Jahren lebten. Sie besaßen das Feuer, lebten vom Jagen und Fischen und sammelten Früchte und essbare Wurzeln. Im Neolithikum (um 7000-1600 v. Chr.) stellten die Menschen Nadeln, Bogen und Pfeile aus Knochen her und konnten schon Steine und Muscheln schleifen. Aus Geweihstangen wurden Sicheln und Sägen geformt. Es entstand eine Ackerbau- und Viehzüchtergesellschaft, die auch bereits Keramik herstellte.

Die ersten Ackerbauern lebten in halbunterirdischen, bienenstockähnlichen Hütten, deren Strohdächer auf Holzpfählen ruhten. Von großem Nutzen für die Landwirtschaft in der großen chinesischen Ebene war eine dicke Lößschicht, die der Wind vermutlich aus dem Nordwesten herangetragen hatte. An einigen Stellen war diese Schicht mehr als 60 m dick. Dieser Löß ist sehr fruchtbar und einer der besten landwirtschaftlichen Böden der Welt. Er eignet sich wie der Nilschlamm ausgezeichnet als Material für Erdwälle oder Ziegel. In dem gemäßigten Klima lebten Wildpferde, Büffel, Hirsche, Wildschweine, Schafe und sogar Nashörner.

Die große Ebene liegt zwischen zwei gewaltigen Strömen, dem Hwangho (Gelber Fluss) im Norden und dem Jangtsekiang im Süden. Diese Ströme fließen von Westen nach Osten, sie führen ebenfalls Löß mit. In diesem Gebiet entstand die bronzezeitliche Kultur der Schang- oder Jin-Dynastie (um 1600-1050 v. Chr.).

Die Chinesen waren ausgezeichnete Landwirte: Über Tausende von Jahren sorgten sie dafür, dass die Felder bestellt und fruchtbar blieben.

Die Schriften der frühen Historiker
Bis jetzt hat man nur wenige archäologische Zeugnisse für die frühe Geschichte gefunden, die die Darstellung bestätigen, wie sie chinesische Historiker geben. Nach der chinesischen Geschichtsschreibung wurde das Land zuerst von zwei Gruppen von je drei oder fünf legendären Kaisern regiert, ihnen folgten die Hsia-, Schang- und Dschou-Dynastien. Die historische Existenz der Hsia-Dynastie ist noch umstritten. Die Schang-Dynastie ist jedoch mit einem König und einer ummauerten Hauptstadt bei Anjang im nördlichen Honan historisch nachweisbar. Die Schang waren im wesentlichen Ackerbauern, sind aber auch durch ihren meisterhaften Bronzeguss berühmt geworden. Ihre bronzenen Ritualgefäße, Glocken und Äxte zeigen ein hochstehendes handwerkliches Können.

Von der Schang-Zeit weiß man, dass Menschen und Tiere bei königlichen Begräbnissen und bei der Einweihung wichtiger öffentlicher Gebäude geopfert wurden.

Die königlichen Gräber waren großartig ausgestattet. Den Toten gab man alle die Dinge mit, die sie auch im Diesseits gebraucht hatten: Wagen, Pferde, Möbel, Schmuck, Speisen und Gefäße, Dienerschaft und Frauen. Die Landbebauer gehörten meist zu der von den Schang unterworfenen Urbevölkerung. Sie bearbeiteten die Felder noch mit Stein Werkzeugen, nur die Oberschicht war mit Waffen aus Bronze ausgerüstet. Eine zahlreiche, spezialisierte Handwerkerschaft - meist Sklaven - verfertigte Waffen, sakrale Geräte und sonstige Bedarfsgegenstände und entwickelte die Bronzeverarbeitung weiter.

Die Schang-Dynastie blühte. Die neuen Bronzewerkzeuge wurden rasch begehrte Handelsobjekte im Austausch kamen Nahrungsmittel ins Land. Überliefert ist auch, dass Kauri Muscheln mehr und mehr als Zahlungsmittel dienten. Das Muschelgeld hatte viele Vorteile: Es war haltbar, und man konnte es nicht fälschen.

Die Schang-Dynastie hatte Landwirtschaft, Handwerk und die Kultur weit fortentwickelt. Ihre Astronomen kannten bereits einen genauen, nach dem Mondumlauf errechneten Kalender, der durch sieben zusätzliche Monate in einem Zeitraum von 19 Sonnenjahren dem tatsächlichen Sonnenstand angeglichen wurde.

Die ersten Städte
Die Schang-Kultur verbreitete sich über Zentralchina. So erkennt man noch heute an dem Stadtkern von Peking die Eigenart der Schang, ihre Städte quadratisch anzulegen. Sie hielten sich für den Mittelpunkt der Zivilisation, noch heute ist der amtliche Name für China Tschungkuo, Reich der Mitte.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. bildete sich im Westen, im Tal des Weiho, die Sippengemeinschaft der Dschou, die bald zu gefährlichen Gegnern der Schang-Könige wurden. Die Dschou gehören zu den Turkvölkern, sie lebten zu der Zeit ausschließlich von der Landwirtschaft. Um 1050 v. Chr. gelang es ihnen, die Hauptstadt zu erobern und zu zerstören. Dabei verstanden sie es geschickt, soziale Spannungen des Schang-Reiches auszunutzen.
 
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