In der späten Bronzezeit breitete sich, von Osten ausgehend, eine europäische Kulturrichtung immer weiter nach Westen aus. Man muss diese Entwicklung wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Völkerbewegungen sehen. Das Hauptmerkmal dieser Kultur waren neue Bestattungsbräuche: Hügelgräber gab es immer seltener, man verbrannte die Toten fast nur noch. Die Asche wurde in Tongefäßen (Aschenurnen) auf großen Friedhöfen oder Urnenfeldern beigesetzt.
Nach diesen Urnenfeldern erhielt die ganze Kultur ihren Namen. Die Urnenfelder-Kultur uniformierte das Bild weiter Gebiete. Ihre Träger betrachtet man als die Vorläufer der Kelten.
Das Eisen löst die Bronze ab
Die gemeinsamen sprachlichen Wurzeln der Europäer liegen (mit Ausnahme der Sprachen der Basken, Finnen, Madyaren und Iberer) im Indogermanischen. Auch gemeinsame kulturelle Traditionen verbinden sie. Die Menschen der Urnenfelder-Kultur siedelten in weiten Teilen West- und Mitteleuropas und waren Bauern, die in Dörfern oder großen Gehöftkomplexen lebten. Sie könnten eine Art keltischer Mundart gesprochen haben, da man Zeugnisse ihrer Kultur etwa dort fand, wo auch die ältesten erkennbar keltischen Ortsnamen existieren. Die Angehörigen der Urnenfelder-Kultur werden im allgemeinen für »protokeltisch« gehalten. Zwischen diesen Stämmen und ihren unmittelbaren Nachkommen, den Kelten der Hallstattkultur, gibt es nur ganz geringe Unterschiede.
Die Menschen der Urnenfelder-Kultur erhöhten nicht nur die Produktivität der Landwirtschaft, sondern »rationalisierten« auch durch einige Erfindungen die Gewinnung des Metalls und verbesserten die Methoden der Bearbeitung. Diese Epoche ist eine Zeit der Wanderungen und Kriege.
Die archäologischen Funde belegen, dass es in Mitteleuropa bereits hoch entwickelte Bronzewaffen gab. Gegen Ende dieser Periode, etwa um 800 v. Chr., wurde in Europa nördlich der Alpen das Eisen bekannt. Das führte zu einer technischen Umwälzung, die die Kelten einleiteten: Daraus resultierte ihre waffentechnische Überlegenheit, sie konnten auch bessere Werkzeuge herstellen.
Die Anfänge dieser Entwicklung lassen sich im Gebiet der Urnenfelder-Siedlungen im Bereich zwischen Donau und Rhein lokalisieren. Zahlreiche Funde belegen, dass sich die dort heimische Bevölkerung nun kontinuierlich fortentwickelte, für sie wurde die Entdeckung des Eisens zum beherrschenden Glücksfall.
Die Hallstattkultur
Diese erste Stufe der keltischen Kultur trägt ihren Namen nach der Grabungsstätte Hallstatt im Salzkammergut. Dort fanden sich aufsehenerregende und aufschlussreiche Zeugnisse aus der frühen Eisenzeit in Europa. Die dortige Bevölkerung verdankte ihren wirtschaftlichen Aufschwung den großen Salzlagerstätten. Die konservierenden wie die heilenden Kräfte des Salzes waren schon frühzeitig bekannt.
Salz wurde zu einer wertvollen Handelsware, vermutlich dem wichtigsten Artikel für den Export in den gräkoetruskischen Raum. Archäologische Funde verweisen auf die wichtige Rolle, die der Handel zwischen diesen beiden Regionen spielte. Er wurde übrigens über die griechischen Kolonien im nördlichen Mittelmeer abgewickelt.
Arbeiter und Adlige
Meist weiß man von den frühen Gesellschaften nur etwas über die Aristokratie, deren Wohlstand der Bestattungsaufwand und die reichen Grabbeigaben bezeugen. Hingegen sind Ausrüstung, Kleidung, Nahrung und Essgewohnheiten der arbeitenden Bevölkerung meist unbekannt. Hallstatt macht hier eine Ausnahme: Kleidung und Lederhelme, Holzschalen und andere Essgefäße der einfachen Leute, der Bergleute, blieben erhalten. Zahllose Samen- und Obstkerne geben Aufschluss über ihre Ernährung.
Unser Wissen über die Aristokratie rührt von einem riesigen Friedhof her, der deutlich macht, dass sich die Bestattungsbräuche allmählich änderten und mehr und mehr auf die jeweilige Person zugeschnitten waren. Das entspricht dem Stand der Kultur, die zunehmend das reichlich vorhandene und vor allem in der Bearbeitung sehr viel zweckmäßigere Eisen (Schmiedeeisen) statt der Bronze (in erster Linie Bronzeguss) nutzte. Fürsten wurden nicht mehr länger eingeäschert und in bescheidenen Urnen beigesetzt, sondern mit großem Aufwand in Gräbern bestattet.
Die Begräbnisfeierlichkeiten
Die aufwendigsten Gräber bestanden aus einer hölzernen Kammer - meist aus Eiche -, die von einem Erdhügel bedeckt und mit einer Erinnerungsfigur aus Stein, einem heiligen Baum oder einer Steinsäule geschmückt waren. Den Verstorbenen bestattete man mit seinem Standessymbol, einem vierrädrigen Wagenmodell und plastisch gestalteten kriegerischem Gefolge. Auch Pferdegeschirr fand sich, aber kein Nachweis dafür, dass man auch Pferde bestattete. Die gesamte prunkvolle militärische Ausrüstung wurde dem Krieger ins Grab gelegt. Auch Vorrat an Essen und Trinken (Wein oder Bier) gab man für die Reise ins Jenseits mit.
Die Hallstatt-Zeit nördlich der Alpen, mit Ausläufern bis Spanien, dauerte etwa bis 500 v. Chr. Die Wurzeln für die spätere Blüte der keltischen Kultur liegen in dieser Zeit.
Diese Kunst neigte zu linearer Darstellung, sie leitet über zur magisch religiösen Kunst der folgenden La-Tène-Kultur und bildet Formelemente aus, die noch in der irischen Kunst der frühchristlichen Zeit gelten.
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