In Oberägypten hat man zahlreiche Zeugnisse vorgeschichtlicher Kulturen gefunden, die sich in drei Hauptgruppen unterteilen lassen, sie werden mit Badari, Negada I und Negada II bezeichnet. Die Grabungen in Unterägypten waren bisher weniger erfolgreich: Die spärlichen archäologischen Funde reichen deshalb für eine zuverlässige historische Beurteilung nicht aus. Es hat den Anschein, als ob sich im Niltal und im Delta zwei selbständige Herrschaftsgebiete, Ober- und Unterägypten, entwickelt hatten. Um 3100 v. Chr. besiegte Oberägypten Unterägypten und fasste das Land in einer Hand zusammen.
Die Gottkönige der 1. Dynastie
Nach ägyptischer Überlieferung ist der erste Herrscher der 1. Dynastie und der Eroberer Unterägyptens ein König mit dem Namen Kienes. Ihm wird die Gründung der Stadt Memphis südlich des Nildeltas zugeschrieben. Der Herrscher wurde als Verkörperung des altägyptischen Hauptgottes Horus angesehen und war deshalb selbst göttlicher Natur (Horus wurde als Falke dargestellt). Während der ersten Dynastien machte die landwirtschaftliche Technik große Fortschritte - der Pflug wurde entwickelt, die ersten Bewässerungsanlagen entstanden. Die Regierungsgewalt wurde zentralisiert, auch die Anfänge einer Schrift lassen sich nachweisen.
Das Alte Reich
Mit der 3. Dynastie beginnt die Zeit des Alten Reiches (um 2635 - 2135 v.Chr.). Der berühmteste Herrscher dieser Dynastie war Djoser. Unter ihm entstand in Sakkara der Baukomplex der Stufenpyramide. Unter Snofru, dem Begründer der 4. Dynastie, wurde die erste wirkliche Pyramide erbaut. Die Bautechnik entwickelten seine Nachfolger Cheops, vChephren und Mykerinos weiter. Der Bau der Pyramiden erforderte riesigen Aufwand an Material und ausgedehnte Organisation. Als die Macht der Krone am Ende der 4. Dynastie geschwächt wurde, baute man auch diese kostspieligen Großbauten nicht mehr weiter.
Während der 5. Dynastie gewann der Sonnengott Ra wieder den Vorrang, ihm zu Ehren entstanden im ganzen Land Sonnentempel. Aus den Herrschaftszeiten der 4., 5. und 6. Dynastie) sind Feldzüge gegen Stämme auf der Sinai-Halbinsel und größere Expeditionen nach Nubien überliefert, durch die Elfenbein, Gold und anderes kostbares Material erbeutet oder eingehandelt werden sollten.
Zum Ende der 6. Dynastie hin hatte sich die Macht der Gaufürsten immer mehr vergrößert. Das wiederum schwächte die Zentralregierung in Memphis. Rivalisierende Dynastien entstanden in Herakleopolis und Theben, das Land stürzte in einen Krieg. Asiatische Nomadenstämme, die aus dem Sinai in das Delta vordrangen, verschärften diese Unruhen und sorgten so dafür, dass die Verwirrung noch größer wurde.
Eine Periode der Wirren geht zu Ende
Diese chaotische Zeit (etwa 2134-2040 v. Chr.), die nur wenige historische Quellen belegen, wird als die »1. Zwischenzeit« bezeichnet. Mentuhotep aus der 11. Dynastie, Fürst von Theben, gelang es, seine Gegner zu überwinden und Ägypten wieder zu vereinigen. Damit begründete er das Mittlere Reich (2040-1785 v. Chr.). Allerdings behielten die Gaufürsten auch unter Mentuhoteps Regierung noch beträchtliche Befugnisse, der König vertrieb die Libyer und Beduinen und beseitigte damit die Bedrohung von außen. In Deir el-Bahari, gegenüber von Theben am Westufer des Nils errichtete er einen gewaltigen Totentempel. Sein Sohn, Mentuhotep IV., regierte nur kurz, auf ihn folgte unter unklaren Umständen sein erster Minister als Amenemhet I., der um 1991 v. Chr. die 12. Dynastie begründete, die bis etwa 1785 herrschte.
Die Machtfülle der Gaufürsten beseitigt
Amenemhet I. verlegte die Hauptstadt nach Lischt, südlich von Memphis, Theben lag als Verwaltungszentrum und Hauptstadt doch zu weit im Süden des Landes. Er ernannte seinen Sohn Sesostris I. zum Mitregenten. Nach 30jähriger Herrschaft wurde Amenemhet I. offenbar im Verlauf einer Revolte ermordet, doch konnte sein Sohn den Thron retten. Die bis dahin immer noch bestehende Machtfülle der Gaufürsten wurde unter Sesostris III. beseitigt. Er vollendete die unter Amenemhet I. begonnene Eroberung Nubiens und schob die südliche Grenze bis Semne, südlich des 2. Katarakts, vor. Um Einfalle aus Palästina zu verhindern, baute Amenemhet I. eine Reihe von Befestigungsanlagen auf der Sinai-Halbinsel. Unter der 12. Dynastie begann man mit der Entwässerung und Bebauung des Fayum.
Die »2. Zwischenzeit« (etwa 1785-1552 v. Chr.) ist durch die sinkende Macht der Zentralregierung gekennzeichnet. Während der 13. Dynastie durchbrachen asiatische Eroberer, die Hyksos, die ägyptischen Verteidigungsanlagen auf dem Sinai und besetzten Unterägypten. Sie siegten vor allem dank ihrer neuartigen militärischen Ausrüstung mit Pferdegespannen, zweirädriger Kampfwagen. Die Eroberer begründeten eine eigene Dynastie in Awaris und herrschten für mehr als 100 Jahre in Ägypten (15. und 16. Dynastie). Sie wurden zeitweilig als Oberherren in ganz Ägypten anerkannt, haben Theben und das südliche Ägypten aber wohl nie wirklich beherrscht.
Die Vertreibung der Eroberer
Die Hyksos übernahmen die ägyptische Lebensart und Kultur. Sie blieben aber dennoch Fremdlinge. Eine in Theben beheimatete Familie von Unterkönigen (17. Dynastie), die dort die Königskrone getragen hatte, trieb die Hyksos schließlich aus dem Lande.
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