Krankheitsursachen

Heute glauben nur noch wenige Menschen, dass böse Geister epileptische Anfälle verursachen, dass die Luft in Moorgegenden voller Malariaerreger sei oder dass das Trinken von ungekochtem Wasser Typhus hervorrufe. Diese vor knapp 100 Jahren noch durchaus gängigen Überzeugungen sind durch die Fortschritte der Medizin ad absurdum geführt worden.

Die wissenschaftliche Erforschung der Krankheitsursachen wird Ätiologie genannt. Dieser Zweig der Medizin hat das Erkennen und Einordnen vieler Krankheiten ermöglicht. Auch heute noch kann man relativ häufig lesen, dass die Ursache einer bisher ungeklärten Krankheit entdeckt wurde. Fast alle bekannten Krankheitsfaktoren lassen sich in einige übergeordnete Kategorien zusammenfassen. Viren, Bakterien, Protozoen und Würmer etwa sind die Ursachen infektiöser Erkrankungen. Eine andere Gruppe bilden jene Faktoren, die zu äußeren Verletzungen (Traumen) führen.

Angeborene Erkrankungen
Als erstes sollen Gesundheitsschäden und Missbildungen besprochen werden, die schon im Mutterleib entstehen und bei der Geburt bereits mehr oder weniger offensichtlich sind. Hierzu gehören Hasenscharte, Gaumenspalte oder Klumpfuß. Ernster zu nehmen sind Krankheitsbilder wie Mongolismus oder Herzfehler, die zu schwerem Sauerstoffmangel und damit zu außergewöhnlicher Blausucht (»Blue Baby«) fuhren können. Zu den angeborenen Krankheiten gehören auch bestimmte Schäden des Zentralnervensystems, die mit spastischen Lähmungen einhergehen können. Die angeborenen Krankheiten und Missbildungen werden entweder durch Chromosomenaberrationen (Fehlbildung der Erbanlagen) verursacht oder durch Schadstoffe, die während der Schwangerschaft über den mütterlichen Organismus auf das Kind einwirken.

Der Embryo kann durch Krankheiten der Mutter in Mitleidenschaft gezogen werden. Erkrankt die Schwangere z. B. während der ersten drei Monate an Röteln, so können Missbildungen von Herz, Ohr, Auge und auch Gehirn des Kindes die Folge sein. Gefährlich sind bestimmte Medikamente, wenn sie während der Schwangerschaft eingenommen werden -man denke nur an die »Contergankinder«. Raucht die werdende Mutter mehr als zehn Zigaretten pro Tag, so kann sie damit Wachstum und Entwicklung des Kindes verzögern.

Einen Teil der angeborenen Erkrankungen machen die Erbkrankheiten aus, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die bekannteste davon ist vermutlich die Hämophilie (Bluterkrankheit), eine Störung der Blutgerinnung. Schon bei geringfügigen Verletzungen blutet der Patient unverhältnismäßig stark und lange. unbehandelt kann er an einem solchen Bagatelltrauma verbluten. Eine andere Erbkrankheit, die Phenylketonurie (Brenztraubensäure-Schwachsinn), beruht auf einem Enzymdefekt, der schwere Stoffwechselstörungen zur Folge hat. Bestimmte toxische Substanzen können nicht abgebaut werden. sie hemmen die geistige Entwicklung, und das Kind wird schwachsinnig. Diagnostiziert man die Krankheit rechtzeitig, so lassen sich die Schäden durch strenge Diät vermeiden.

Nährschäden
Naturgemäß führen Hunger und Fehlernährung zu Erkrankungen. Auch eine offensichtlich reichliche Ernährung kann Mangelerscheinungen verursachen, wenn etwa gewisse unentbehrliche Vitamine fehlen, die nur in bestimmten Nahrungsmitteln enthalten sind. Matrosen auf langen Seereisen litten früher häufig an Skorbut (Vitamin-C-Mangel), und im Zweiten Weltkrieg starben in Asien Tausende von Gefangenen an Beriberi (Vitamin-B1-Mangel). Die Kinderkrankheit Rachitis wird durch Vitamin-D-Mangel verursacht. In den hochentwickelten Ländern sind Vitaminmangelkrankheiten heute selten, sofern die Möglichkeiten einer vielseitigen Ernährung genutzt werden. Strikte Vegetarier enthalten ihrem Körper z. B. weitgehend die Vitamine A, D und E vor, die nur in tierischen Fetten vorkommen.

Doch nicht nur Vitamin-, sondern auch Mineralstoffmangel kann Krankheiten hervorrufen. Besonders wichtig ist ein ausreichendes Angebot an Eisen, das für die Synthese des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin gebraucht wird. Eisenmangel führt zu Blutarmut (Anämie). Neben Eisen wird Jod benötigt. Jodmangel kann einen Kropf verursachen.

Infektionskrankheiten
Eine ungeheure Anzahl von Organismen können, wenn sie in unseren Körper eindringen, dort wachsen und dabei Krankheiten verursachen. Hierzu gehören die Viren, die so klein sind, dass man sie nur mit dem Elektronenmikroskop erkennen kann, die Bakterien und Protozoen, sichtbar unter einem gewöhnlichen Lichtmikroskop, und schließlich einige Erreger, die man mit dem bloßen Auge wahrnehmen kann, z. B. den Bandwurm.

Die verschiedenen Schädlinge wirken in ganz unterschiedlicher Art und Weise krankmachend. Viren sind Zellparasiten, d. h. sie vermehren sich innerhalb der befallenen Zelle. Das Poliovirus etwa wächst in bestimmten Rückenmarkszellen, zerstört diese und ruft damit Lähmungen hervor. Bakterien gedeihen meist außerhalb der Zelle. Teilweise produzieren sie hochwirksame Giftstoffe, die sogenannten Toxine.

Bei Malaria werden die roten Blutkörperchen durch Parasiten zerstört, während bestimmte Amöben den Verdauungstrakt befallen und zu einer ruhrähnlichen Erkrankung führen. Andere Erreger wiederum können auch Darmblutungen verursachen, wertvolle Nährstoffe zerstören oder ihre Aufnahme ins Blut hemmen.

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