Erkrankungen der Atemwege

Die Erreger, die Luftwege und Lungen infizieren, unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen, die Erkrankungen in anderen Organsystemen hervorrufen. Die Eintrittspforten des Körpers für Nahrung, Wasser und Luft, also Mund und Nase, sind potentiell schwache Stellen in der körpereigenen Abwehr. Die Schleimhäute der Atemwege sind besonders empfindlich gegen mikrobielle Infektionen.

Die Symptome der Infektion
Gaumen- und Rachenmandeln helfen als wichtige Teile des Lymphsystems bei der Bekämpfung von Infektionen mit. Viren oder Bakterien können eine Mandelentzündung hervorrufen, die die Rachenschleimhaut reizt und das Schlucken erschwert. Eine Reihe einander ähnlicher Erreger aus der Gruppe der Rhinoviren sind, wenn sie Rachen, Nase oder Augen befallen, für die gewöhnliche »Erkältung« verantwortlich. Infektionen der Luftwege werden nach dem am stärksten betroffenen Teil benannt: Kehlkopf (Kehlkopfentzündung), Rachen (Rachenentzündung), Bronchien (Bronchitis).

Wird das eigentliche Lungengewebe infiziert, entsteht eine Lungenentzündung. Verschiedenste Bakterien können in die Lungenbläschen eindringen und eine Entzündung verursachen, wodurch Sauerstoff nicht mehr in genügender Menge vom Blut aufgenommen wird. Toxine, giftige Produkte der Mikroben, belasten den Patienten zusätzlich. Solange es keine Antibiotika gab, hing die Genesung von den körpereigenen Abwehrkräften des Patienten ab, dabei war die Sterblichkeit hoch. Geeignete Antibiotika führen heutzutage zu schnellerer Genesung, vorausgesetzt, dass die Lungenentzündung nicht als Sekundärerkrankung einer anderen schwächenden Krankheit folgt.

Andere Infektionen des Lungengewebes beginnen weniger dramatisch. So kann z. B. Tuberkulose, einst bekannt als »Schwindsucht«, längere Zeit unerkannt bleiben. Viele Kinder kommen mit den Bakterien frühzeitig in Kontakt und entwickeln meist schnell eine Immunität. Bei sorgfältiger Behandlung der Tuberkulose ist dank der heute verfügbaren Medikamente eine Heilung zu erwarten. Die Anfälligkeit ist besonders groß bei schon angegriffener Gesundheit: bei älteren Menschen, bei chronischen Lungenleiden wie etwa Bronchitis oder Emphysem und bei schlechtem Ernährungszustand (Alkoholiker).

Erste Anzeichen einer Lungenerkrankung sind gewöhnlich Beschwerden in Form von Schmerz, Atemnot, schleimigem Auswurf oder Katarrh. Die Atemnot kann plötzlich oder nach und nach, in Ruhe oder nur bei Anstrengung auftreten.

Reizstoffe für die Atemwege
Zwei Lungenkrankheiten, Bronchitis und Emphysem, behindern die Luftpassage von und zu den Lungen. Bei der Bronchitis ist die Behinderung oft durch große Schleimmengen verursacht, beim Emphysem durch Kompression und Zusammenfallen kleiner Bronchien, hervorgerufen durch unnatürlich erweiterte Lungenbläschen, in denen Luft zurückgehalten wird. Chronische Bronchitis infolge dauernder Reizung der Bronchialschleimhaut ist oft durch Tabakrauch, Staub oder Abgase verursacht.

Es überrascht nicht, dass Lungenkrankheiten mit zunehmendem Lebensalter häufiger werden, denn das Atemsystem leidet unter der lebenslangen Einwirkung von Reizstoffen. Diese können z. B. in Form großer Mengen feiner Staubteilchen auftreten, die es überall in der Luft gibt, in besonders starker Konzentration in den Industriegebieten. Die Nasenschleimhaut, die aus schleimabsondernden Zellen und langen Haaren besteht, filtert den meisten Staub heraus. Nicht jeder Mensch atmet durch die Nase, aber auch der Mund und die oberen Luftwege sind Filterstationen.

Lungenkrankheiten werden oft durch einen Schadstoff in charakteristischer Weise bestimmt: Gewisse industrielle Prozesse erzeugen Silicatpartikel, die eine besondere Bedrohung darstellen, da sie sogar die Lungenbläschen in ausreichender Menge erreichen, um nach einiger Zeit eine chronische Entzündung und Vernarbung hervorzurufen. Dies vermindert die Lungenfunktion in hohem Maße und erhöht das Krebsrisiko. Verschiedene Formen von Asbest bedrohen, wenn sie eingeatmet werden, die Gesundheit in ähnlicher Weise. Sie sind auch die Hauptursache für den Krebs der Pleura (Umhüllung der Lungen und Auskleidung der Brust wand). Schutz vor Kohlen- und Silicatstaub sind wichtige Vorbeugungsmaßnahmen.

Die bei weitem größte Bedrohung für das Lungengewebe bildet das Rauchen. Es verstärkt die Reizwirkung des Industriestaubs und erhöht das Risiko für Lungenkrebs, Emphysem und Bronchitis beträchtlich. Auch andere Organe - beispielsweise das Herz - werden durch das Rauchen geschädigt.

Die Häufigkeit der einzelnen Lungenkrankheiten ist von Land zu Land verschieden. Die Ursachen dieser Unterschiede sind oftmals unbekannt. Männer sind häufiger befallen als Frauen, die Stadtbevölkerung häufiger als die Landbevölkerung.

Allergien: Heufieber, Heuschnupfen, Asthma
Manche Stoffe können, wenn sie eingeatmet werden, eine Allergie hervorrufen. In den Sommermonaten verursacht z. B. Gräserpollen bei manchen Menschen das Heufieber, die Symptome sind Schnupfen, tränende Augen, Asthma und allgemeines Krankheitsgefühl. Allergische Reaktionen können infolge längerer Einwirkung hochkonzentrierter körperfremder Stoffe auftreten. So kann der Landwirt beim Füllen oder Leeren eines Silos durch die dabei entstehenden Gase einen Asthmaanfall erleiden.
 
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