Die Ursprünge der Medizin

»Medizin« wurde in der einen oder anderen Weise schon betrieben, bevor die Geschichtsschreibung begann - unser Wissen um die frühen Formen heilender Tätigkeit bestehen deshalb zu einem guten Teil aus Mutmaßungen. Die Medizin hat sich wahrscheinlich erst entwickelt, als die Menschen sich zu Gemeinschaften mit festem Wohnsitz zusammenschlossen. Nach und nach lernten sie verschiedene Pflanzen und deren Wirkungsweise kennen: Die einen waren essbar, die anderen giftig, wieder andere linderten oder vertrieben Krankheitssymptome. Aus den ersten Aufzeichnungen geht hervor, dass viele der heute gängigen Leiden schon damals bekannt waren.

Religion, Zauber und Medizin
Häufig stand die Heilkunde in enger Beziehung zur Religion, wie etwa im alten Ägypten. Die Behandlung der Kranken war von komplizierten Ritualen und von Gesängen begleitet. Möglicherweise war der Einfluss dieses Zaubers auf die Psyche mindestens so wirkungsvoll wie die Medikamente selbst, deren Auswahl und Zubereitung nur allzu oft. auf Aberglauben zurückging.

Aberglaube und Zauberei beruhen oft auf falschen Analogieschlüssen, die aufgrund äußerer Ähnlichkeiten Dinge in Verbindung bringen, welche in Wirklichkeit gar nichts miteinander zu tun haben. Lebermoos beispielsweise wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein zur Behandlung von Lebererkrankungen verwendet, einzig weil die Blätter in ihrer Gestalt der Leber ähneln. Ebenso glaubte man, dass Kräfte von einem Lebewesen auf ein anderes übertragen werden könnten. Ein Kannibale, der das Herz eines mächtigen Kriegers verzehrte, glaubte, dass damit etwas von der Kraft des Toten auf ihn übergehe. Aus dem gleichen Grund war mumifiziertes Menschenfleisch einst eine gängige Medizin man hoffte, dadurch den Tod besser zu überdauern.

Als Konsequenz abergläubischen Denkens musste man natürlich auch annehmen, dass Krankheitserscheinungen von einer Person auf eine andere oder auf einen Gegenstand übergehen können. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass man viele Leiden auf das Einwirken böser Geister zurückführte. An prähistorischen Stätten hat man trepanierte Schädel gefunden. Die Trepanation (Eröffnung der Schädeldecke) wurde wahrscheinlich durchgeführt, um den bösen Geist durch das Loch aus dem Kopf des Leidgeplagten entweichen zu lassen. Nun kann vermehrter Hirndruck wirklich ein Verhalten verursachen, das einen Menschen als »vom Teufel besessen« erscheinen lässt. Demnach darf man annehmen, dass manche Kranke durch den Eingriff - sofern sie ihn überlebten - tatsächlich geheilt wurden.

Im 1. Jahrtausend v. Chr. wurden vom Blitz getroffene (»durch den Pfeil des Feuers verwundete«) Menschen bis zum Hals in die Erde eingegraben: Der Boden sollte die bösen Kräfte binden. Später pflegten Rheumakranke neben jungen, gesunden Sklaven zu schlafen, um ihre Schmerzen auf sie zu übertragen. Auch war man lange Zeit der Meinung, Rheuma durch das Tragen von kupfernen Armbändern heilen zu können.

Spätere medizinische Auffassungen
Trotz der fortschreitenden Zivilisierung des Menschen bestand der Aberglaube lange fort. Bei den alten Griechen setzte sich der Mensch aus vier Elementen - Blut, Schleim, gelber und schwarzer Galle - zusammen. Diese Einteilung spiegelte das philosophische Verständnis des Universums wider, das ja ebenfalls aus vier Elementen bestehen sollte Erde, Luft, Feuer und Wasser. Diese Vorstellungen bildeten - noch lange, nachdem sie von den Alchimisten widerlegt worden waren - die Grundlagen der Heilkunde. Um Krankheiten zu heilen, musste man das gestörte Gleichgewicht zwischen den Elementen wiederherstellen. Die chinesische Medizin beruhte auf ähnlichen Prinzipien: Hier galt es, das Gleichgewicht zwischen Yin (gleichbedeutend mit negativ, feminin, dunkel) und Yang (positiv, maskulin, hell) zu erhalten. Zu diesem Zweck wurden Medikamente verschrieben.

Wirksame Naturheilmittel
Obgleich die alten Heilmethoden sich nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse gründeten, waren einige davon durchaus erfolgreich. Durch gute Beobachtungsgabe kam man der Wirkungsweise bestimmter pflanzlicher Stoffe auf die Spur. In manchen alten Kulturen war die ärztliche Tätigkeit zudem durch strenge Gesetze geregelt. Vor etwa $000 Jahren wurden in Babylon einem Arzt die Hände abgehackt, wenn ihm ein Patient wegstarb. Im alten Ägypten wurden medizinische Kunstfehler ähnlich hart bestraft. Aus diesem Grund riet man damals den Ärzten, zwar eine Diagnose zu stellen, jedoch keine Behandlung durchzuführen, sondern der Natur ihren Lauf zu lassen.

Man hat alte indische, ägyptische, griechische und chinesische Aufzeichnungen über Krankheiten und Behandlungsmethoden gefunden. In vielen Fällen wurden Substanzen, die ursprünglich therapeutischen Zwecken dienten, später wegen ihres angenehmen Geschmacks als Nahrungs- oder Genussmittel verwendet. Beispiele hierfür sind Rhabarber, Tee, Kaffee oder Tabak wobei man von letzterem einst annahm, dass er der Gesundheit förderlich sei. Andere Naturheilmittel sind noch heute als solche in Gebrauch, inzwischen weiß man Genaueres über ihre Wirkungsweise. Andererseits werden auch heute noch Mittel verwendet, deren Wirksamkeit keineswegs erwiesen ist, so z. B. zerstoßenes Rhinozeroshom als Aphrodisiakum oder Ginseng, ein Efeugewächs, dessen Wurzel besonders in Korea und China seit alters als eine Art Allheilmittel angesehen wird.
 
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Referat: 1208 - Die Ursprünge der Medizin
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