Jeder, der sich einmal im Restaurant eine Lebensmittelvergiftung, im Bus eine Grippe, im Hotelbett Flöhe oder im Schwimmbad einen Fußpilz zugezogen hat, weiß nur zu gut, wie sehr das Wohlergehen des einzelnen von der Gesundheit und Sauberkeit seiner näheren und weiteren Umgebung abhängt. Eine Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn ihre Mitglieder gesund und wohlauf sind. Deshalb stellt sie für gewöhnlich zu ihrem eigenen Schutz Bestimmungen auf, die der allgemeinen Hygiene und der Volksgesundheit dienen. Je mehr Mitglieder eine solche Gemeinschaft hat, desto wichtiger ist eine gesetzlich geregelte Gesundheitsvorsorge, denn bei höherer Bevölkerungsdichte breiten sich Krankheiten leichter aus, und eine wachsende Anzahl von Menschen muss unter - aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit begangenen - Versäumnissen leiden.
Ziele der Gesundheitsvorsorge
Aufgabe des öffentlichen Gesundheitswesens ist es, Krankheiten zu verhindern und - wo dies nicht gelingt - zu heilen. Dazu gehört der Bau von Krankenhäusern, die Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal und die finanzielle Unterstützung sozial benachteiligter Patienten. Dies alles ist ziemlich kostspielig, einmal weil die Behandlung von Krankheiten selbst viel Geld verschlingt und zum anderen, weil die Kranken als Arbeitskräfte ausfallen. Deshalb legt man zunehmend größeren Wert auf vorbeugende Maßnahmen.
Diese Maßnahmen reichen von Gesetzen, die die Beseitigung von Leichen regeln, bis zu Bauvorschriften und Bestimmungen, welche die Bevölkerungsdichte in einer Stadt festlegen, wie viele Fahrgäste in einem Bus befördert werden dürfen und vieles mehr. Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz gehören ebenso dazu wie der Schutz vor Lärm oder giftigem Industriemüll.
Eine Tragödie, die sich zwischen 1950 und 1960 in Minamata (Japan) ereignete, verdeutlicht die Notwendigkeit einer Gesundheitspolitik, die Vorschriften nicht nur erlässt, sondern auch deren Durchführung überwacht: Damals gelangten große Mengen quecksilberhaltiger Abfälle unkontrolliert ins Meer, und alle Menschen, die in der betroffenen Gegend gefangenen Fisch aßen, erlitten schwere, zum Teil tödliche Vergiftungen.
Sorgfältigst überwacht werden muss auch die Arzneimittelindustrie, damit unerwünschte Nebenwirkungen schon entdeckt werden, bevor ein neues Medikament auf den Markt kommt. Nur so lassen sich Vorfälle wie die Contergan-Katastrophe weitgehend vermeiden.
Die Wasserversorgung
Die riesigen römischen Aquädukte, die man noch heute über ganz Europa verstreut findet, und das ausgeklügelte System von unterirdischen Wasserleitungen, wie sie das alte Persien kannte, zeigen, welche Bedeutung die Menschen seit jeher der Wasserversorgung beigemessen haben. Das Problem hegt darin, die Häuser ausreichend mit frischem Wasser zu beliefern und die Abwässer so zu beseitigen, dass sie sich nicht mit dem Trinkwasser vermischen. Schon winzige Beimengungen von Kot können seuchenartige Erkrankungen auslösen. In den Entwicklungsländern, wo derartige Krankheiten an sich schon häufiger vorkommen, ist das genannte Problem besonders groß. Durch Erdbeben, Stürme oder Überschwemmungen werden hier die hygienischen Verhältnisse oft noch verschlimmert. Aber auch so reinliche Länder wie die Schweiz sind gegen Seuchen nicht gefeit: 1963 erkrankten in Zermatt 313 Menschen an Typhus, 3 starben, Ursache war eine defekte Abwasseranlage.
Wasser muss zunächst aus Quellen, Flüssen oder tiefen Bohrlöchern gewonnen, dann gespeichert, gereinigt (meist durch Zugabe von Chlor, seltener von Ozon) und schließlich an die Verbraucher weitergeleitet werden. Manche Länder mischen dem Wasser winzige Mengen Fluor bei, weil ein solcher Zusatz die Zähne vor Karies schützt. Laufend müssen Trinkwasserproben entnommen und auf etwaige Verunreinigungen untersucht werden.
Heute ist es technisch möglich, Abwässer so gründlich zu reinigen, dass sie direkt als Frischwasser wiederverwendet werden können. Theoretisch könnte man auch Flüsse, Seen und Meere von den bedrohlichen Industrieabfällen befreien, allerdings wäre dieser Prozess äußerst kostspielig. Die Abwasserreinigung geht meist in zwei oder drei Stadien vor sich, schon während des ersten Stadiums werden etwa 30 Prozent der organischen Abfallstoffe beseitigt.
Eine adäquate Wasserversorgung ermöglicht Abfallbeseitigung durch wassergespülte sanitäre Anlagen und besondere Abwasserleitungen. Ein solches System hilft, der Ausbreitung von Seuchen vorzubeugen, namentlich dem Auftreten von Lebensmittelvergiftungen, Durchfall Erkrankungen oder auch Kinderlähmung.
Die Nahrungsmittelhygiene Alle Stadien der Lebensmittelproduktion - von der Erzeugung bis zur Verpackung und Lagerung - müssen sorgsam kontrolliert werden. Die Qualität der Nahrung kann verbessert werden, wenn man z. B. dem Brot und der Margarine Vitamine zusetzt, Milch pasteurisiert, Fleisch auf Parasiten untersucht oder dem Speisesalz Jod beimischt, das Kröpfbildung verhindert.
Es gibt Vorschriften, die hygienische Verhältnisse in Lebensmittelfabriken und -geschälten oder Restaurants sicherstellen sollen. Besonders gefährlich ist der Verzehr verdorbener Konservennahrung, die tödliche Vergiftungen durch den Erreger Clostridium botulinum verursachen kann. Der Sinn der Lebensmittelgesetze ist es, jegliche Verunreinigung von Nahrungsmitteln so weit wie möglich zu verhindern.
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