Erkrankungen des Drüsensystems

Die Drüsen werden in zwei Gruppen eingeteilt: Jene, deren Sekrete ihren Bestimmungsort über Ausführungsgänge erreichen, heißen exokrine Drüsen, die Gruppe der endokrinen Drüsen dagegen gibt ihre Produkte, die Hormone, direkt ans Blut ab. Sekrete exokriner Drüsen gelangen entweder auf die Körperoberfläche (z. B. Talg, der Haut und Haare geschmeidig macht, oder Tränenflüssigkeit, die die Augen feucht hält) oder in den Magen-Darm-Kanal, wo sie die Verdauung unterstützen. Gerät die Tätigkeit endokriner Drüsen durcheinander, so entstehen typische Krankheitsbilder - nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Drüsenfieber, bei dem es sich um eine Erkrankung der Lymphknoten handelt.

Diabetes: Ursachen und Symptome
Die häufigste Erkrankung des endokrinen Systems ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), die auf Insulinmangel beruht. Der Hauptanteil der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist exokriner Natur und sondert Verdauungsenzyme ab. Die Zellanhäufungen, die man als Langerhanssche Inseln bezeichnet (es gibt etwa 1 Million davon), machen nur 1 Prozent des Pankreasgewebes aus. Produzieren sie zu wenig Insulin, so können die energiereichen Brennstoffe des Körpers (Zucker, Fett, Aminosäuren) nicht mehr richtig verwertet werden. Besonders Glukose (Traubenzucker) akkumuliert im Blut und wird zusammen mit anderen Abfallstoffen über die Nieren ausgeschieden, wobei sie große Mengen von Körperwasser mitreißt (osmotische Diurese). Die vermehrte Urinausscheidung veranlasste den griechischen Arzt Aretaios 1. Jahrhundert v. Chr.) zu der Bezeichnung »Diabetes«, was soviel wie »Fluss« bedeutet. Die Krankheit führt zu Durst und Gewichtsabnahme. Ein hoher Blutzuckerspiegel begünstigt Infektionen. Der Blutzucker kann durch Insulininjektionen korrigiert werden. Tritt die Krankheit im späteren Leben auf, so wird meist noch etwas Insulin von der Bauchspeicheldrüse produziert, es genügt jedoch nicht, um normale Stoffwechselverhältnisse aufrechtzuerhalten. Solche Patienten sind oft übergewichtig. Lässt man sie abnehmen und schränkt vor allem die Kohlehydratzufuhr ein, so braucht man meist kein zusätzliches Insulin.

Ein lange bestehender Diabetes kann zu schweren Organschäden führen, sorgfältige Kontrollen beschränken derartige Folgeerscheinungen auf ein Mindestmaß. In Europa und in den USA leiden etwa 2-3 Prozent der gesamten Bevölkerung an Zuckerkrankheit. Eine Insulinüberproduktion ist dagegen sehr selten und wird meistens durch einen Pankreastumor, das Insulinom, verursacht. Der Blutzucker fällt auf extrem niedrige Werte, was Heißhunger, Schweißausbruch und geistige Verwirrtheit verursacht.

Schilddrüse und Hypophyse
Die nächsthäufige Gruppe endokriner Erkrankungen betrifft die Schilddrüse. Überproduktion von Schilddrüsenhormonen steigert den Energieverbrauch des Körpers und damit den Appetit. Der Patient schwitzt leicht, nimmt ab, wird nervös und reizbar. Die Therapie ist medikamentös oder operativ. Schilddrüsenunterfunktion dagegen führt zu Hormonmangel. Der Betroffene erscheint in seinen Reaktionen verlangsamt, apathisch, er nimmt an Gewicht zu und wird äußerst kälteempfindlich. Man muss Schilddrüsenhormon in Tablettenform zuführen. Ein Kröpf kann durch Über- oder Unterfunktion verursacht sein. Unter anderem kann Jodmangel in der Nahrung zur Schilddrüsenunterfunktion führen.

Normalerweise wird die Tätigkeit der Schilddrüse durch ein Hormon (TSH) ans dem Hypophysen Vorderlappen an der Hirnbasis gesteuert. Wird nicht genügend Schilddrüsenhormon synthetisiert, so wird dies im Hypothalamus (einem Gehirnteil) registriert. Dieser »befiehlt« nun der Hypophyse, mehr schilddrüsenstimulierendes Hormon zu produzieren und so das Gleichgewicht wiederherzustellen. Eine Überproduktion von Hypophysenhormonen kann ebenfalls eigene Krankheitsbilder hervorrufen. Sie ist meist durch einen Drüsenzelltumor verursacht. Oft ist dabei nur ein Hypophysenhormon erhöht. Die Krankheitssymptome sind unterschiedlich, je nachdem um welches Hormon es sich handelt.

Eines dieser Hormone beeinflusst die Nebennierenrinde (die Nebenniere sitzt der Niere auf und besteht aus Rinde und Mark). Es wird als adrenocorticotropes Hormon (ACTH) bezeichnet. Übermäßige Freisetzung von ACTH führt zu exzessiver Steroidhormonproduktion durch die Nebennierenrinde. Dies bewirkt unter anderem Salz- und Wasserretention sowie Störungen des Zuckerstoffwechsels. Das gleiche Krankheitsbild (»Cushing-Syndrom«) kann entstehen, wenn die Nebennieren von sich aus zu viele Hormone produzieren, beispielsweise bei Tumor.

Andere Hypophysenhormone
Ist die Synthese des Wachstumshormons (STH) gestört, so kann dies schwere Folgen für die körperliche Entwicklung haben. STH-Mangel in der Kindheit hat Zwergwuchs zur Folge, während STH-Überproduktion zu Riesenwuchs führen kann. Im späteren Leben ruft eine vermehrte STH-Freisetzung das Krankheitsbild der Akromelagie hervor. Dabei merkt der Patient als erstes, dass ihm Hüte, Handschuhe und Schuhe zu klein werden. Nase, Lippen, Zunge, Hände und Füße wachsen und werden unförmig. Man muss die Hypophyse operativ entfernen oder durch Strahlen zerstören.

Der Hypophysenhinterlappen speichert das antidiuretische Hormon, das den Wasserhaushalt des Körpers reguliert. Fehlt es, so werden exzessive Mengen von Wasser über die Nieren ausgeschieden. Diese Krankheit bezeichnet man als Diabetes insipidus (Wasserharnruhr).
 
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