Obwohl das harnableitende System und die Genitalorgane ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllen, werden sie oft gemeinsam dargestellt, weil sie anatomisch sehr eng verknüpft sind. Die Öffnungen des Urogenitaltraktes - das sind die Harnröhre bei Mann und Frau und die Vagina bei der Frau - sind für das Eindringen infektiöser Keime besonders disponiert. Eine solche Infektion kann, wenn sie z. B. die Blase betrifft (Cysätis), in die Beschwerden beim Wasserlassen führen oder blutigen Urin, Rückenschmerzen, Fieber, Schweißausbruch und allgemeines Krankheitsgefühl verursachen.
Wie Infektionen entstehen
Infektionen des Urogenitaltraktes sind bei Frauen häufiger als bei Männern, vielleicht weil die kürzere Harnröhre, die den Urin aus der Blase ableitet, das Eindringen von Erregern erleichtert. Die volle Blase fasst etwa 0,15-0,5 1 Harn (im Notfall aber mehr als 11). Sie wird beim Wasserlassen normalerweise bis auf 0,001 oder 0,0021 entleert. Eine Vergrößerung der Prostata kann die vollständige Entleerung der Blase behindern - größere Mengen sogenannten Restharnes bleiben zurück. Damit werden Bakterien nicht mehr genügend aus der Blase fortgewaschen, und die Infektionsgefahr steigt. Auch angeborene Missbildungen und Nierensteine begünstigen Infektionen.
Steine bilden sich durch Ansammlung von Mineralstoffen, die von den Nieren aus dem Blut ab gefiltert werden. Wenn diese Steine in den Harnleiter gelangen, können sie unerträgliche Schmerzen verursachen (Nierenkolik). Sind die Nierentubuli (ableitendes Röhrensystem innerhalb der Niere) schadhaft, wie z. B. bei angeborener Missbildung oder nach Nierenbeckenentzündung, so können sich Calcium Kristalle ablagern. Gichtpatienten leiden aufgrund des erhöhten Harnsäurespiegels häufig an Nierensteinen.
Der Urogenitaltrakt kann sich auch beim Geschlechtsverkehr infizieren. Es gibt verschiedene Geschlechtskrankheiten, die sowohl akute Beschwerden verursachen als auch zu Dauerschäden - wie Unfruchtbarkeit -führen können. Bei Syphilis können noch Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion Gefäß- und Nervenkrankheiten auftreten. Werden diese Geschlechtskrankheiten rechtzeitig vom Arzt mit Antibiotika behandelt, so heilen sie im Allgemeinen aus.
Ungefährlicher, aber dafür umso weiter verbreitet sind bestimmte Infektionen der Scheide, die Juckreiz und Ausfluss (Fluor) verursachen. Dazu zählen Pilzerkrankungen wie der Soor (Candida albicans) oder der Befall mit Trichomonaden (kleinen amöbenähnlichen Organismen). Für beide Erkrankungen ist ein weißlicher Ausfluss charakteristisch.
Sterilität ist nicht nur eine Folge von Geschlechtskrankheiten. Auch eine Retention der Hoden innerhalb des Körpers (die Hoden wandern normalerweise vor der Geburt durch den Leistenkanal nach außen) kann Unfruchtbarkeit zur Folge haben, genau wie Erkrankungen der Keimdrüsen (Eierstöcke und Hoden) selbst.
Erkrankungen der Niere Die Nierenfunktion kann aufgrund verschiedenster Ursachen gestört sein. Um die Abfallstoffe aus dem Körper herauszuschaffen, sind nur 25 Prozent des Nierengewebes nötig. Selbst bei totalem Nierenversagen kann heutzutage das Blut mit Hilfe einer Maschine von
Schadstoffen befreit werden (Dialyse). Zudem kann man eine kranke Niere operativ durch eine gesunde ersetzen (Nierentransplantation). Die verpflanzte Niere soll nach Möglichkeit von einem nahen Verwandten stammen, damit sie sich mit dem Gewebe des Empfängers «erträgt. Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, müssen zusätzlich Medikamente verabreicht werden. Zu plötzlichem Nierenversagen kann es kommen, wenn im Verlauf eines Schock Geschehens - nach schwerer Blutung, Verbrennung o. ä. - der Blutdruck zu sehr abfällt. Auch eine akute Glomerulonephritis (Entzündung und Schwellung der winzigen Filtriereinheiten der Niere) kann ähnliche Symptome erzeugen. Glomerulonephritiden folgen oft auf streptokokkenbedingte Halsentzündungen.
Eine chronische Nierenerkrankung hat meist üble Folgen für den ganzen Organismus, weil die Abfallstoffe zunehmend im Körper zurückgehalten werden, was mit der Zeit zu schweren Vergiftungserscheinungen führt. Besonders Eiweißspaltprodukte werden vermindert ausgeschieden, weshalb sich unter Umständen eine eiweißarme Diät empfiehlt.
Nierentumoren
Auch im Bereich des Urogenitaltraktes können gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Geschwülste entstehen. Einige seltene Karzinome betreffen vorwiegend Kinder. Die in späterem Alter relativ häufigen Blasentumoren können benigne oder maligne sein. Oft neigen sie zum Wiederaufleben. In Form von Polypen können sie vereinzelt oder in Gruppen auftreten und Blutungen verursachen. Mit Hilfe eines Zystoskops - das ist ein mit einer Lichtquelle versehenes Instrument, welches man in die Harnröhre einführen und womit man die Blase inspizieren kann - werden sie operativ entfernt. Auch die Geschlechtsorgane können betroffen sein: Hodentumoren sind selten, während die Eierstöcke häufiger gut- und bösartige Geschwülste aufweisen. Gebärmutterkrebs tritt bei kinderlosen Frauen häufiger auf als bei kinderreichen. Ähnliches trifft für den Brustkrebs zu. Im Gegensatz dazu leiden kinderreiche Frauen öfter an Muttermundkrebs, bei dessen Entstehung auch gewisse Faktoren auf Seiten des Mannes eine Rolle spielen dürften. So scheinen Beschneidung und sorgfältige Hygiene das Risiko zu vermindern.
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