Praktisch jeder Abschnitt des Verdauungstraktes kann erkranken. Fast jedermann leidet von Zeit zu Zeit an »Verdauungsbeschwerden«. Wenn sie sich aber häufen oder als besonders hartnäckig erweisen, so kann dies auf eine Erkrankung der Speiseröhre, des Magens oder Darmes, der Bauchspeicheldrüse, Leber oder Gallenblase hindeuten.
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
Die Speiseröhre (Ösophagus) bildet die Fortsetzung des Schlundes und geht unterhalb des Zwerchfells in den Magen über. Mit dem Zwerchfell ist sie an ihrer Durchtrittsstelle locker verbunden. Gibt diese Verbindung nach, so wird der Magen durch das Zwerchfell nach oben gezogen, und es bildet sich die - relativ häufige - Hiatushernie. Nun kann der saure Magensaft in die Speiseröhre zurückfließen und dabei »Sodbrennen«, Entzündung der, Schleimhaut, und schließlich Geschwürbildung verursachen. Das Sodbrennen wird oft in der Herzgegend lokalisiert, weshalb man bei »Herzbeschwerden« immer auch an den Magen denken sollte (und umgekehrt). Wenn der Patient sich vorbeugt, kann unter Umständen Mageninhalt wieder in den Mund gelangen. Bei starken Beschwerden empfiehlt sich die operative Korrektur, meist genügen allerdings symptomatische Maßnahmen wie säurebindende Mittel (Antazida) und Schlafen in halbsitzender Stellung.
Als Ulkus bezeichnet man für gewöhnlich ein Geschwür im Bereich des Magens oder des Zwölffingerdarms. Als Ursache vermutet man eine übermäßige Säure- und Pepsinsekretion, der saure Magensaft durchbricht die schützende Schleimschicht und beginnt, die Magenwand »anzudauen«. Alkohol und Nikotingenuss verstärken ebenso wie Stress eine diesbezügliche Disposition.
Ulzera verursachen meist relativ umschriebene Schmerzen im mittleren Oberbauch. Je nach Lokalisation des Geschwürs treten die Schmerzen direkt nach dem Essen oder erst Stunden später auf. Der sogenannte Nüchtern schmerz wird durch säurebindende Mittel, durch ein Glas Milch oder ein Stück Brot sofort wieder gelindert.
Die internistische Behandlung der Ulzera besteht in Bettruhe, diätetischen Maßnahmen, Rauchverbot, säurebindenden Medikamenten oder Derivaten der Lakritze, die die Schleimhaut schützen.
Die Resorptionsstörungen
Viele Magen-Darm-Erkrankungen führen zu verminderter Aufnahme von Mineralstoffen, Vitaminen oder bestimmten Nährstoffen. Diese sogenannte Malabsorption ist mit Gewichtsverlust, Blutarmut, Durchfall und spezifischen Mangelerscheinungen verbunden.
Die beiden häufigsten mit Malabsorption einhergehenden Erkrankungen sind die Zöliakie und der Morbus Crohn. Die Zöliakie beruht auf einer Überempfindlichkeit gegen Gluten (ein Getreideeiweiß), während die Crohnsche Erkrankung oft eine Entzündung des Dünndarmendes hervorruft und deshalb unter anderem als Ileitis terminalis bezeichnet wird. Sie kann aber auch andere Teile des Verdauungstraktes befallen. Typische Zeichen sind Bauchschmerzen, Durchfall, Gewichtsabnahme, Fieber und Blutarmut. Die Behandlung besteht in Bettruhe, ballaststoffarmer Diät und Medikamenten.
Die Colitis ulcerosa betrifft den Dickdarm. Die Ursache ist nicht geklärt. Es kommt zu Entzündung und Geschwürbildung. Manchmal ist nur der Enddarm befallen, manchmal der ganze Dickdarm. Typisch sind blutige und schmerzhafte Durchfälle. Außerdem können Fieber, Blutarmut und Kreislaufschwäche auftreten.
Karzinome finden sich vorwiegend in Magen und Dickdarm. Der Darmkrebs ist nach dem Lungenkrebs der häufigste. Er verursacht unklare Schmerzen, Verdauungsstörungen, Gewichtsverlust und intestinale Blutungen. Magenkrebs führt zu Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Darmkrebs kann einen Darmverschluss zur Folge haben. Die Therapie besteht meist in der operativen Entfernung des Tumors und seiner Umgebung.
Die Gelbsucht
Erkrankungen der Leber und der Gallenblase können zu Gelbsucht führen. Der Farbstoff Bilirubin gelangt dabei vermehrt ins Blut und färbt Haut und Skleren gelb. Leberentzündung (Hepatitis) oder Leberzirrhose können zugrunde liegen, ebenso wie Gallensteine [1, 3J. Bei der Leberzirrhose, die oft durch Alkoholmissbrauch verursacht ist, werden die gesunden Leberzellen zerstört und durch Bindegewebe ersetzt.
Es gibt zwei Arten von Hepatitis, die durch verschiedene Viren verursacht werden. Die Hepatitis A (sogenannte infektiöse Hepatitis) hat eine relativ kurze Inkubationszeit (15-35 Tage) und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Hepatitis B (Serumhepatitis) wird durch Bluttransfusionen weitergegeben und manifestiert sich erst 40-180 Tage nach dem ursächlichen Ereignis. Beide Erkrankungen führen zu einer Entzündung der Leberzellen, die die normale Funktion stört. Die Zellwand wird durchlässig für Enzyme und Bilirubin, das ins Blut gelangt und die Haut gelblich färbt.
Neben den Hepatitisviren gibt es andere Mikroorganismen, die das Verdauungssystem befallen. Salmonellen etwa sind in verdorbenen Speisen enthalten und können Typhus oder Paratyphus verursachen. Andere Bakterien führen zur Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendizitis). Auch Amöben und Parasiten wie Rund- und Bandwürmer setzen sich im Darm fest und bewirken Gewichtsverlust und allgemeine Schwäche.
Kategorie: Gesundheit und Krankheit Nach oben