Wenn man bedenkt, wie sehr Skelett und Muskeln durch Körpergewicht und -bewegungen strapaziert werden» scheint es nicht verwunderlich, dass sich mit der Zeit gewisse Abnützungserscheinungen zeigen. Neben den degenerativen Erkrankungen gibt es auch ererbte und solche, die irgendwann spontan auftreten.
Abnutzungserscheinungen der Muskulatur
Degenerative Muskelerkrankungen sind häufig. Jeder leidet gelegentlich an Muskelschmerzen, und auf ungewohnte oder übertriebene Körperbetätigung folgt gewöhnlich der sogenannte »Muskelkater«. Vernünftig betrieben, kräftigen Sport und Gymnastik die Muskulatur. Beim Untrainierten kommen traumatische Muskel- oder Sehnenzerrungen oder -risse viel häufiger vor. Solche Verletzungen machen eine längere Ruhigstellung der betroffenen Extremität oder sogar eine Operation erforderlich. Die Heilung dauert Wochen.
Als Lumbago bezeichnet man Schmerzen im Bereich der unteren Wirbelsäule, die auf Muskelverspannungen zurückzuführen sind und durch ungewohnte körperliche Tätigkeit - z. B. Schneeschaufeln oder Gartenarbeit - verursacht sein können. Wenn die Schmerzen ins Bein ausstrahlen, nennt man das Ischias oder Ischialgie. Der Schmerz entsteht durch Druck auf die Wurzel eines Rückenmarknervs. Einige der im Lenden- und Kreuzbeinbereich der Wirbelsäule austretenden Nerven bilden zusammen den Nervus ischiadicus, der das Bein sensibel und motorisch versorgt. Zur Therapie empfiehlt sich das Schlafen auf harter Unterlage (Brett unter die Matratze legen). Auch die Bänder, die die Wirbelsäule stützen, können durch falsche Bewegungen gezerrt werden und ähnliche Symptome hervorrufen.
Eine allgemeine Bindegewebsschwäche kann einen Bandscheibenvorfall zur Folge haben. Die Bandscheiben sind zwischen die Wirbel eingelagert und schützen sie vor Reibung. Eine vorgefallene. Bandscheibe drückt meist auf eine Nervenwurzel und führt zu Bewegungs- und Sensibilitätsstörungen (z. B. Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der betreffenden Nerven). Kann durch Bettruhe keine Besserung erreicht werden, so muss das störende Bandscheibengewebe vom Orthopäden oder Neurochirurgen operativ entfernt werden.
Auch die Gelenke, welche die Knochen miteinander verbinden, können verletzt werden. Die Gelenkflächen sind mit Knorpel überzogen und von einer bindegewebigen Kapsel umhüllt. Diese Kapsel kann zerreißen, und auch der Knorpel selbst kann beschädigt werden. In das Kniegelenk sind zwei halbmondförmige knorpelige Zwischenscheiben, die sogenannten Menisken, eingefügt, die eine bessere Beweglichkeit des Oberschenkelknochens gegen das Schienbein gestatten. Bei plötzlichen Drehbewegungen kann so ein Meniskus verrutschen bzw. einreißen. Ein verletzter Meniskus verursacht starke Schmerzen und hemmt die Beweglichkeit. Häufig muss er chirurgisch entfernt werden. Derartige Verletzungen sind typisch für bestimmte Sportarten wie Fußball oder Skifahren.
Arthrose und Arthritis
Mit den Jahren nützen sich die Gelenke ab, und es kommt zu Degenerationserscheinungen, die man unter dem Begriff Arthrose zusammenfasst. Dabei handelt es sich um eine Krankheit des höheren Alters, die bevorzugt Fuß-, Knie- und Hüftgelenk betrifft, also Gelenke, die einer starken Belastung ausgesetzt sind. Der Gelenksgalt ist dabei verschmälert und die Beweglichen eingeschränkt. Es kommt zu Schmerzen und Deformitäten der beteiligten Knochen. Besonders die Hüfte kann dabei zunehmend versteifen. Heute ist es möglich, das Hüftgelenk durch eine Metall- bzw. Kunststoffprothese zu ersetzen und so die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Unter Arthritis versteht man entzündliche Erkrankungen der Gelenke. Die rheumatoide Arthritis bevorzugt Frauen und ist nicht durch Abnützung verursacht. Besonders die kleinen Gelenke der Hand und des Fußes werden befallen, erst in zweiter Linie Ellenbogen-, Schulter- und Sprunggelenk. Bei der Entstehung dürften Autoimmunprozesse eine Rolle spielen, d. h. der Organismus bildet Antikörper gegen körpereigenes Gewebe. Im Blut lassen sich bestimmte Entzündungszeichen und andere typische Veränderungen (sog. Rheumafaktoren) nachweisen. Man behandelt mit Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten.
Gewisse Muskel- und Knochenerkrankungen sind angeboren, etwa die Hüftgelenksdysplasie. Dabei ist das Hüftgelenk deformiert, der Gelenkkopf sitzt nicht richtig in der (zu steil stehenden) Pfanne und kann gelegentlich ganz herausrutschen. Bewegt man das Bein des Kindes in der Hüfte, so entsteht ein typisches »klickendes« Geräusch. Noch im Säuglingsalter muss die Behandlung beginnen. Das Baby erhält ein Spreizhöschen, das mehrere Monate lang getragen werden muss und das Hüftgelenk in der richtigen Stellung hält. Da sich eine Therapie in späterem Alter als äußerst schwierig erweist, pflegt man Kinder schon bald nach der Geburt auf diese Missbildung hin zu untersuchen.
Knochenbrüche
Knochenbrüche müssen über lange Zeit ruhiggestellt werden, damit die Fragmente wieder zusammenwachsen können. Bei guter Stellung der Fragmente genügt ein Gips, andernfalls muss der Bruch operativ mit Schrauben, Platten oder Nägeln fixiert werden. Nach einer solchen Operation beginnt man möglichst bald mit krankengymnastischer Übungsbehandlung. Eine lange Ruhigstellung im Gips führt zu Muskelschwund und lässt die Gelenke steif werden.
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