Afrika im 19. Jahrhundert

Für einen großen Teil Afrikas war das 19. Jahrhundert eine Periode großer und rascher Veränderungen, herbeigeführt entweder durch die Afrikaner selbst oder durch Fremde, besonders Europäer. Die Aufteilung fast des gesamten Kontinents unter sieben europäische Staaten erfolgte allerdings erst in den letzten 20 Jahren des Jahrhunderts. Die vorausgegangenen 80 Jahre des Säkulums setzten lediglich Trends fort, die sich bereits lange vorher abgezeichnet hatten. An der Westküste Afrikas vom Kap Verde bis zur Kongo-Mündung befanden sich zahlreiche kleine Festungen, die Sklavenhändler als Stützpunkte errichtet hatten, an der Südspitze des Kontinents, am Kap der Guten Hoffnung, hatte Großbritannien die Niederlassung der holländischen Ostindienkompanie übernommen.

Vorboten der Expansion
Europäische Einflüsse machten sich schrittweise bemerkbar: In den Jahren 1820-22 eroberte das vom Osmanischen Reich abhängige Ägypten den nilotischen Teil des Sudans, 1830 marschierten die Franzosen in Algier ein. In den späten dreißiger Jahren schließlich zogen die als »Buren« bekannten holländischen Siedler von dem Gebiet um Kapstadt weit ins Innere des südlichen Afrika.

Der Handel mit Palmöl und anderen tropischen Produkten trat in Westafrika allmählich an die Stelle des Sklavenhandels, den die meisten europäischen Länder zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgeschafft hatten. Lediglich am Senegal expandierten die Franzosen relativ weit ins Landesinnere, auch christliche Missionare drangen ins Binnenland vor - besonders in die Gebiete, in denen sich befreite Sklaven niedergelassen hatten, wie beispielsweise in Sierra Leone.

Im Laufe der Zeit hatte der Islam im sogenannten Sudangürtel so viele Anhänger gefunden, dass er zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits selbst »afrikanisiert« war. Ein Großteil dieser Region wurde seit dem 18. Jahrhundert von einer Welle religiöser Erneuerungsbewegungen überschwemmt, in der Folge kam es zu Dschihads, Heiligen Kriegen des Islams. Diese richteten sich sowohl gegen schwarze Moslems als auch gegen Andersgläubige. So wurden 1804 alle alten Haussa-Stadtstaaten (wie z. B. Kano) erobert und ein großes, neues Reich errichtet, das Sokoto-Kalifat. Dieses Reich bestand bis 1903, dann zerschlugen es die Briten. Andere islamische Reiche wurden am mittleren Niger, im heutigen Guinea und an der Elfenbeinküste errichtet. Im Süden des Sudangürtels blühten einige große Königreiche auf, wie Aschanti und Dahome, und dehnten sich weiter aus, andere wiederum, so vor allem Oyo (Yoruba) und Benin, lösten sich allmählich auf.

Der Aufstieg Äthiopiens und der Zulu
In Äthiopien erholte sich das alte, christliche Amharen-Reich, nach einer Periode andauernder Schwäche, langsam unter der Regierung dreier starker Kaiser - Theodoros II. (Regierungszeit 1853-68), Johannes IV. (Regierungszeit 1868-89) und Menelik II. (1844-1913). Diese Herrscher behaupteten und erweiterten ihre Macht gegenüber dem starken Landadel und der koptischen Kirche. So konnte Menelik II. nicht nur seine Stellung gegenüber den mächtigen Adligen des Nordens behaupten und die Grenzen Äthiopiens weit nach Süden ausdehnen, sondern auch - in der Schlacht von Adua (1896) - einen Versuch Italiens, sein Land zu erobern, abwehren.

Im südlichen Afrika wurde Tschaka (um 1787-1828) 1818 König einer kleinen, als Zulu bekannten Gruppe und bildete durch Neuorientierung der militärischen und sozialen Struktur seines Volkes einen starken Militärstaat, der bald die benachbarten Stämme unterwarf. Teile der Zulu sowie andere Stämme, die deren Kriegstechnik übernommen hatten, durchzogen in den folgenden Jahren weite Gebiete Süd- und Zentralafrikas. In den vierziger Jahren stießen marodierende Banden bis in das heutige Tansania vor. Diese Periode ist bekannt als mfecane, die unruhige Zeit.

Entdecker und Imperialisten
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts drangen einige mutige Forschungsreisende. In das Innere Afrikas vor, so z. B. der deutsche Wissenschaftler Heinrich Barth (1821-65), der Schotte David Livingstone (1813-73) und der anglo-amerikanische Journalist und Kongoforscher Sir Henry Morton Stanley (1841-1904).

England und Frankreich wurden in Westafrika Handelsrivalen, als die Briten 1882 Ägypten besetzten, spitzten sich diese Rivalitäten weiter zu. Es waren jedoch hauptsächlich politische Gründe, die dann zu einer Jagd der europäischen Mächte nach Kolonien in Afrika führten, allen voran Großbritannien und Frankreich. Später gesellten sich Belgien (im Kongo) und Deutschland und schließlich Portugal, Spanien und Italien hinzu. Über die ökonomischen Möglichkeiten der so annektierten Gebiete wusste man wenig. Außerdem wurden diese Eroberungen nicht überall in Europa begrüßt, so dass sie oft als »Befriedungsaktionen« ausgegeben wurden. In Afrika war der Widerstand meist nur lokaler Natur und ließ sich in der Regel leicht überwinden. In Süd- und Zentralafrika kam der wesentliche Anstoß für die britische Expansion von Cecil John Rhodes (1853-1902), der sich von seiner Basis in der Kap-Kolonie aus ein gewaltiges Privatimperium aneignete - ähnlich wie der belgische König Leopold II. (1835-1909) im Gebiet des heutigen Zaire. Die beiden unabhängigen Burenstaaten Transvaal und der Oranje-Freistaat wurden schließlich im Burenkrieg (1899-1902) von Großbritannien annektiert, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Ausnahme Äthiopiens und Liberias ganz Afrika in der Hand europäischer Mächte war.


Europäische Besitzungen gab es in Afrika im Jahre 1830 kaum. Frankreich hatte Algerien besetzt, ein Teil der Buren (holländische Siedler) zogen von der britischen Kap-Kolonie aus ins Innere Südafrikas. England und Frankreich besaßen verschiedene kleinere Kolonien in Westafrika - Senegal, Sierra Leone und die Goldküste. Abgesehen von den Europäern, die in Handelsniederlassungen lebten, hatten nur die Portugiesen regelrechte Kolonien - entlang der angolanischen Küste und im Sambesi-tal von Mosambik. Im übrigen gab es in Afrika zahlreiche unabhängige afrikanische Reiche (z. B. das Sultanat Marokko) und Völker, lediglich die Ägypter (türkische Oberhoheit) hatten 1821 den nilotischen Sudan erobert.
 
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Referat: 2623 - Afrika im 19. Jahrhundert
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