Die Einteilung der Insekten

Insekten stellen die umfangreichste Tiergruppe dar, zu ihnen gehören etwa 80 Prozent aller Arten. Insgesamt sind über eine Million Tierarten beschrieben worden und möglicherweise noch ebenso viele unentdeckt. Man kennt viele Fossilien, dazu primitive heute noch lebende Formen von Insekten, die Hinweise über die Entwicklung der 29 Insektenordnungen geben können. Die meisten Zeugnisse stammen vom Beginn des Karbons (vor 345 Millionen Jahren), als bereits eine Reihe von Arten geflügelter Insekten die Sümpfe, aus denen später umfangreiche Steinkohlenlager entstanden, bewohnte.

Primitive Insekten
Wie man annimmt, haben sich die Insekten aus hundertfüßerähnlichen Vorfahren entwickelt. Von diesen unterscheiden sie sich hauptsächlich durch die Verringerung der Beinzahl bis auf drei Paare an den Brustsegmenten. Die ursprünglichsten heute lebenden Insekten sind wohl die flügellosen Arten, die als Apterygota zusammengefasst werden. Von diesen scheint die Ordnung Thysanura der hypothetischen Urform am meisten zu gleichen. Alle anderen Insektenordnungen sind geflügelt und heißen Pterygota.

Die Collembola und die Protura stammen wahrscheinlich von einem der Campodea ähnlichen Lebewesen ab, doch haben sich die beiden Gruppen auseinanderentwickelt. Die Collembolen zeigen auf der Unterseite des Hinterleibes eine seltsame, gabelförmige Struktur, die als Hebel wirkt und sie zu Sprüngen von beträchtlicher Weite befähigt. Bei den Proturen fehlen die Fühler, dafür übernehmen die Vorderbeine Aufgaben der Fühler.

Von entscheidender Bedeutung für die Insekten war die Entwicklung von Flügeln. Zwei Ordnungen - Eintagsfliegen und Libellen - fasst man unter der Bezeichnung Palaeoptera (Altflügler) zusammen. Ihre Flügel können in Ruhestellung nicht dachartig über dem Hinterleib aufeinandergelegt werden, während dies bei den Neoptera (Neuflüglern) möglich ist.

Die sieben Ordnungen der Geradflüglerartigen gelten als die primitivsten Neoptera. Die meisten Arten haben einfach gebaute Mundwerkzeuge und ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen. Die Ordnung Steinfliegen bildet entwicklungsgeschichtlich eine Seitenlinie mit vielen urtümlichen Zügen. Die Ordnung der Hemipteroidea zeigen eine Entwicklungslinie von den primitiven, unspezialisierten Mundwerkzeugen der Staubläuse zu jenen der Wanzen, die stechende und saugende Mundwerkzeuge zum Trinken pflanzlicher und tierischer Säfte besitzen.

Die Entwicklung über einfach gebaute, den Vollinsekten unähnliche Larven ermöglicht den Ordnungen der Netzflüglerartigen einen entscheidenden Vorsprung vor ihren primitiveren Verwandten, deren Larvenformen den erwachsenen Tieren gleichen.

Bessere Anpassung durch Larven
Aus den Eiern der Insekten gehen Larvenformen hervor, die entweder im Verlauf mehrerer Häutungen den Elterntieren allmählich immer ähnlicher werden (unvollkommene Verwandlung oder Hemimetabolie) oder aber - wie Maden und Engerlinge - ihnen nicht gleichen und erst durch eine sogenannte vollkommene Verwandlung (Metamorphose oder Holometabolie) zu Vollinsekten (Imagines) werden. Bei flügellosen Insekten kann die Entwicklung ohne Verwandlung stattfinden. Die Larven der Holometabolen erschließen völlig andere Nahrungsquellen und Lebensräume als die erwachsenen Tiere. Schließlich verwandeln sie sich in Puppen, die Monate ruhen, während sich die Zellen ihrer Gewebe in einer Metamorphose neu ordnen.

Die Ordnungen der Holometabolen umfassen 84 Prozent aller Insektenarten, unter ihnen findet man die meisten Insekten mit wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Hautflügler, eine ziemlich gleichförmige Gruppe, zeigen die höchste Ausformung sozialen Verhaltens (Ameisen, Bienen und Wespen). Diese Gruppe steht systematisch zwar isoliert, doch weisen die vollkommene Verwandlung der Hautflügler und ihre Larvenformen auf Verbindungen zu den Schnabelfliegen hin.

Die Käfer, die artenreichste Ordnung, haben meist harte Vorderflügel (Elytren), welche die Flugflügel bedecken. Die Festigkeit des Außenskeletts und die Variationsfähigkeit des Bauplans sind wichtige Faktoren zur Anpassung des Vollinsekts an die verschiedensten Lebensräume.

Die Schmetterlinge erkennt man an ihren beschuppten Flügeln, die oft prächtige Muster und Farben zeigen. Meist saugen sie mit ihrem Rüssel Nektar. Ihre Entwicklung und die einiger Zweiflügler lief mit derjenigen der Blütenpflanzen parallel.

Die Köcherfliegen bilden eine Seitenlinie der Schmetterlinge mit behaarten Flügeln und kauenden Mundwerkzeugen. Ihre Larven haben sich dem Leben im Wasser hervorragend angepasst.

Zweiflügler fliegen nur mit den beiden Vorderflügeln, die Hinterflügel sind zu Schwingkölbchen umgebildet, die beim Fliegen als Sinnesorgane der Lagestabilisierung dienen. Die Larven dieser Ordnung zeigen höher spezialisierte Anpassungserscheinungen als alle anderen Insekten.

Viele erwachsene Zweiflügler übertragen Krankheiten, da sie beim Blutsaugen Krankheitserreger mitnehmen können. Mit den Zweiflüglern nahe verwandt sind die Flöhe, flügellose, seitlich zusammengedrückte, 1-5 mm lange Tiere. Wie die Tierläuse leben Flöhe ausschließlich als Außenparasiten an Warmblütern.

Die 29 Insektenordnungen
 
APTERYGOTA
Ordnungen der flügellosen Insekten: Die Thysanura gelten als primitivste Insektenordnung. Die Collembola Protura und Diplura haben keine Augen, man zählt sie heute nicht mehr zu den echten Insekten. Die meisten Arten leben an feuchten Orten.
01. Collembola Springschwänze bis 5 mm groß 2000 Arten.
02. Protura Halbinsekten 0.5-2,4 mm 150 Arten.
03. Diplura Doppelschwänze bis 58mm 660 Arten.
04. Thysanura Borstenschwänze bis 20 mm 350 Arten.
 
PALAEOPTERA
Die beiden primitivsten Ordnungen geflügelter Insekten sind nur entfernt miteinander verwandt. Sie haben keine faltbaren Flügel.
05. Ephemeroptera Eintagsfliegen 2.5-50 mm 2000 Arten.
06. Odonata Libellen 18-180 mm 5000 Arten.
 
ORTHOPTEROIDEA (Pterygota)
Diese Ordnungen werden zusammengefasst, da man annimmt, dass sie von gemeinsamen Vorfahren abstammen. Sie gellen als die primitivsten Ordnungen mit besser entwickelten Flügeln, obwohl zu den Termiten Arten zählen, die gut organisierte Staaten bilden. Zu den Ordnungen Termiten, Dictyoptera und Geradflüglern gehören einige der schlimmsten Schädlinge.
07. Dermaptera Ohrwürmer bis 50 mm 1300 Arten.
08. Notoptera (Grylloblattodea) Grillenschaben bis 25 mm 12 Arten.
09. Isoptera Termiten 2-110 mm 2000 Arten.
10. Dictyoptera Schaben und Fangschrecken 2-120 mm 5300 Arten.
11. Phasmida Gespenstschrecken bis 320 mm 2000 Arten.
12. Orthoptera Schrecken bis 110 mm 20 000 Arten.
13. Embioptera Tarsenspinner bis 20 mm 200 Arten.
 
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Eine mit den benachbarten Gruppen nicht näher verwandte Ordnung.
14. Plecoptera Steinfliegen bis 36 mm 2000 Arten.
 
HEMIPTEROIDEA (Neoptera)
Die Ordnungen dieser Gruppe haben gemeinsame Vorfahren. Viele Hemipteren sind beträchtliche Pflanzenschädlinge. Die Tierläuse leben als Außenparasiten. Die Staubläuse (Psocoptara) können an Büchern und Vorräten geringfügigen Schaden anrichten.
15. Zoraptera Bodenläuse bis 3 mm 24 Arten.
16. Psocoptera Staubläuse bis 10 mm 1700 Arten.
17. Phthiraptera Tierläuse 0,5-6 mm 2900 Arten.
18. Thysanoptera Blasenfüße (Fransenflügler 0.5-10 mm) 5000 Arten.
19. Hemiptera Schnabelkerfe bis 110 mm 73 000 Arten.
 
NEUROPTEROIDEA
20. Megaloptera Schlammfliegen bis 100 mm 50 Arten.
21. Neuroptera Netzflügler bis 70 mm 4000 Arten.
22. Coleoptera Käfer bis 150 mm 350 000 Arten.
23. Strepsiptera Fächerflügler 1,5-4 mm 300 Arten.
24. Mecoptera Schnabelfliegen bis 40 mm 300 Arten.
25. Siphonaptera Flöhe 1-10 mm 1000 Arten.
26. Diptera Zweiflügler 1-70 mm 85 000 Arten.
27. Trichoptera Köcherfliegen 1,5-40 mm 5350Arten.
28. Lepidoptera Schmetterlinge Flügelspannweite 4-300 mm 165 000 Arten.
29. Hymenoptera Hautflügler 0.2-60 mm über 110 000 Arten.
 
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Referat: 1711 - Die Einteilung der Insekten
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