Die Belagerung und der Fall Jerusalems im Jahr 1099 waren für die einwohner eine militärische katastrophe, die zu einer grossen menschlichen tragödie führte.
Jerusalem war 1098 nach 48-tägiger Belagerung an die Moslems gefallen und wurde daher zum Hauptziel der christlichen Ritter und Infanteristen während des ersten Kreuzzugs (1095 -1099), die 1097 vom Balkan ins heilige Land aufgebrochen waren.
Der Fall und das Massaker
Die muslimische Garnison in Jerusalem unter ihrem fähigen Oberbefehlshaber Iftikhar al-Dawla wusste, dass die Kreuzritter unterwegs waren. Sie reparierten die beschädigten äußeren Mauern, errichteten Erdwälle und gruben Verteidigungsanlagen rings um die Stadt. Al-Dawla bereitete Jerusalem auf die Belagerung vor, ließ Nahrungs- und Wasservorräte anlegen, Bäume in der Umgebung fallen, damit die Kreuzfahrer kein Holz hatten, und die Brunnen vor der Stadt vergiften, 1 um die Wasserversorgung des Feindes einzuschränken. Außerdem wies er viele Christen aus der Stadt.
Anfangs schienen sich diese Vorkehrungen auszuzahlen. Die Kreuzritter erreichten Jerusalem am 7. Juni 1099 und griffen am 13. Juni erfolglos an. Dann begann die Belagerung. Etwa 1 500 Ritter und 5 000 Infanteristen umzingelten die Stadt, aber der Mangel an Wasser und Nahrung sowie Krankheiten dezimierten ihre Zahl schnell. Doch am 17. Juni landete eine Flotte, und man baute aus ihrem Holz drei Belagerungstürme, die in der ersten Juliwoche fertig waren. Am 13. Juli schoben die Kreuzfahrer die Türme an die Stadtmauer. Erste Angriffe scheiterten, aber am 15. Juli gelang es ihnen, einen Turm neben das nordöstliche Tor zu stellen. Dann strömten die Angreifer in die Stadt.
Ein christliches Massaker
Was dann geschah, ist eine der abstoßendsten Episoden in der Geschichte des Christentums. Die Kreuzfahrer töteten systematisch fast alte Männer, Frauen und Kinder in der Stadt. Abgestumpft von den langen Monaten des Krieges und der Entbehrung, massakrierten sie fast jeden, der ihnen über den Weg lief - auch Christen -, und schlachteten zahlreiche Menschen, die sich in die Al-Aksa-Moschee geflüchtet hatten, ab. Ein Teilnehmer schrieb: »Das Gemetzel war so groß, dass die Unseren bis zu den Knöcheln in Blut wateten.« Ironischerweise überlebten nur al-Dawla und seine Leibwächter. Sie waren von feindlichen Soldaten umzingelt worden und hatten sich ergeben. Man schätzt, dass etwa 90000 Menschen ermordet wurden. Wie es damals üblich war, läuteten im christliche» Europa die Glocken, um den »Sieg« zu feiern.
Fakten
1. 1098 wird Jerusalem nach 48-tägiger Belagerung von Muslimen erobert.
2. Am 13. Juni 1099 beginnen die christlichen Streitkräfte des ersten Kreuzzugs mit der Belagerung der Stadt.
3. Am 15. Juli fällt Jerusalem in die Hände der Kreuzfahrer, die die gesamte Bevölkerung abschlachten.
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