Die Kleine Eiszeit - so bezeichnen moderne Klimatologen das phänomen - war keine unmittelbare Katastrophe wie ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch, sondern ein Klimawandel der Jahrhundertelang verhängnisvolle folgen hatte.
Zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert sanken die Temperaturen auf der Nordhalbkugel stetig, vor allem zwischen etwa 1550 und 1850.
Kürzere Erntezeiten
Die Ursachen der Kleinen Eiszeit sind sehr umstritten, aber am häufigsten werden ein Rückgang der Sonnenaktivität und häufigere Vulkanausbrüche genannt. Die Vulkanasche verfinsterte die Atmosphäre, so dass weniger Sonnenlicht bis zur Erdoberfläche durchdrang. Die Temperaturen fielen in den zunehmend langen Wintern auf Rekordtiefstände - sie waren so eisig, dass die Einwohner von New York einmal zu Fuß von Manhattan nach Staten Island gehen konnten, quer über den Hafen. Die Londoner konnten die Themse ebenfalls zu Fuß überqueren. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft: kosteten Millionen Menschenleben.
Globale Wirkungen
Die Erntezeit verkürzte sich um bis zu zwei Monate, so dass nicht nur die Erträge sanken, sondern am Ende des Jahres auch weniger Saatgut übrig blieb. Die kühlen, nassen Sommer begünstigten das Wachstum von Pilzen auf Feldfrüchten. Das Vieh starb an Kälte und Futtermangel. In Europa verhungerten im Jahr 1315 anderthalb Millionen Menschen, und mehrere Millionen starben 1693 nach Ernteausfallen in Frankreich. Das sind nur zwei Beispiele für die Folgen der Kleinen Eiszeit. Im Norden löschten die wachsenden Gletscher und die Schneemassen ganze Dörfer und gelegentlich ganze Kulturen aus. Die Bevölkerungszahl Islands wurde halbiert, und die Wikinger in Grönland starben aus. Die eisigen Temperaturen schwächten das Immunsystem der Menschen, so dass Seuchen wie die Pest sich leichter ausbreiten konnten. Außerdem nahmen soziale Unruhen zu, und weil man nach Sündenböcken suchte, wurden mehr Hexen verbrannt. Auch die zeitgenössische Malerei dient sozusagen als Klimazeuge. Bekannt sind die Darstellungen von Winterlandschaften Pieter Brueghels und anderer niederländischer Meister aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele zeigen Szenen, in denen zugefrorene Kanäle zu sehen sind.
Erst um 1850 begann die Erde sich zu erwärmen, und heute macht diese Entwicklung uns sogar Sorgen.
Fakten
1. Im 13. bis 19. Jahrhundert leidet die Nordhalbkugel unter drastischen Temperaturrückgängen, arktischen Wintern und kühlen, nassen Sommern.
2. Die Kleine Eiszeit hat verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Hungersnöte sind weit verbreitet, und Millionen Menschen sterben.
3. Die globalen Temperaturen beginnen um 1850 wieder zu steigen.
Kategorie: Katastrophen Nach oben