Die Gesellschaftsformen im klassischen Griechenland

Das klassische Griechenland ist die Geburtsstätte vieler Ideen, die das Abendland bis heute maßgeblich geprägt haben, und zwar in Kunst und Literatur, in Philosophie und Wissenschaft und nicht zuletzt auch in der Politik. In Griechenland wurden zum ersten Mal in der Geschichte die Ideale der Demokratie entwickelt. Auf allen diesen Gebieten überragte Athen seine Zeitgenossen, eine Tatsache, die diese sogar anerkannten.

Athen und die Demokratie
Der Stadtstaat Athen mit einer Fläche von etwa 2500 km2 war der größte unter den vielen griechischen Stadtstaaten. Athen hatte nie mehr als 260 000 Einwohner. Davon waren etwa 45 000 (männliche) Bürger, rund 70 000 waren Sklaven, die übrigen Frauen, Kinder und Metöken (sogenannte »Mitbewohner«). Korinth mag etwa 90 000 Einwohner gehabt haben, Theben, Korfu und Akragas je etwa 50 000. Alle anderen Staaten zählten noch weniger Einwohner, die kleinsten kaum 5000.

Die Politik war in allen Stadtstaaten personengebunden, das hatte Einfluss auf die athenische Form der Demokratie, die von den Reformen des Kleisthenes (um 508 v. Chr.) geprägt wurde. Die athenische Demokratie beruhte nicht auf repräsentativer Vertretung, sondern auf direkter Mitwirkung des Bürgers. Jeder Einzelne hatte das gleiche Recht und gleiche Chancen, ein Amt zu bekleiden.

Wie in vielen anderen griechischen Staaten entwickelte sich auch in Athen die politische Herrschaft von der Oligarchie (Herrschaft von wenigen) über die Tyrannis (Herrschaft eines einzelnen) mit Kämpfen zwischen Arm und Reich hin zur Demokratie.

Im Mittelpunkt stand die Gesamtheit der vollberechtigten Bürger, Demos genannt. Das Bürgerrecht wurde eifersüchtig gehütet, selten an Fremde verliehen, niemals aber an Frauen oder Sklaven. Die gesamte politische Macht lag in den Händen des Demos, der etwa alle zehn Tage eine öffentliche Versammlung abhielt. In diesen Versammlungen konnte jeder Bürger Gesetze vorschlagen, über die dann diskutiert und abgestimmt wurde. Hier wurden auch die Staats- und Tempelbeamten gewählt. Die Richter bestimmte man unter Freiwilligen durch das Los. Der Rat der 500, die Bule (griechisch: Bουλή), traf die Vorbereitungen für die Bürgerratsversammlung. Die Bürgerschaft war unterteilt in 10 Phylen (Stämme), aus denen je 50 Bürger für die Bule ausgewählt wurden.

Rechte und Pflichten
Jeder Bürger Athens hatte das Recht und die Pflicht, dem Staat zu dienen. Da jedoch jedes Jahr mehr als 1000 Ämter besetzt werden mussten, konnte das System nur funktionieren, wenn genügend Bürger gewillt waren, Zeit und Arbeitskraft dem Dienst an der Öffentlichkeit zu widmen. Es ist bemerkenswert, dass in Athen zu keiner Zeit ein Mangel an fähigen Männern bestand, die gegen geringes oder gar kein Entgelt ein Amt ausübten. Erst vom 4. Jahrhundert v. Chr. an gab es eine geringe Besoldung, sodass auch die ärmsten Bürger an der Regierung mitwirken konnten.

Die Athener erwarben ihren Reichtum in der Landwirtschaft, in Handel und Gewerbe. Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. führte Athen beachtliche Mengen von Keramik, Olivenöl und Wein aus. Eingeführt wurden u. a. Fisch, Bauholz und Getreide. Besonders in Athen bildete sich eine antike Form des Kapitalismus und städtischen Proletariats aus. Die große Zahl der Sklaven verschaffte den Reichen erst die Muße, sich den öffentlichen Aufgaben zu widmen. Die Sklaven verrichteten die lebensnotwendigen Arbeiten. Ungeachtet des Einflusses der Reichen hat die athenische Demokratie nur wenig Auseinandersetzungen zwischen Arm und Reich erlebt. Gerade solche Kämpfe verursachten in den meisten anderen Stadtstaaten Griechenlands Unruhen.

Alle Bürger und Metöken waren zum Militärdienst verpflichtet. Im Allgemeinen wurden aber nur die Begüterten einberufen, da man von den Soldaten erwartete, dass sie ihre Ausrüstung selbst stellten. Man muss sich den griechischen Soldaten im frühen 7. Jahrhundert v. Chr. als schwer und teuer bewaffneten Fußsoldaten vorstellen, Hoplit genannt (wir würden heute sagen: ein Infanterist). Auf dem Höhepunkt des Peloponnesischen Krieges hatte Athen etwa 16 000 Hopliten unter Waffen. Nur wenige andere Staaten konnten eine so große Streitmacht aufbieten. In Athen hatte auch die Flotte besondere Bedeutung, dort dienten jährlich etwa 12 000 Bürger.

Kein Staat erreichte eine derart hoch entwickelte demokratische Ordnung wie Athen. Als sein größter Rivale in dieser Zeit erwies sich Sparta, dessen politisches und soziales System im krassen Gegensatz zu der demokratischen Form von Athen stand. Um 600 v. Chr. war Sparta ein Militärstaat ohnegleichen. Lakonien und Messenien waren erobert, die Bevölkerung entweder versklavt (Heloten) oder aller politischen Rechte beraubt und gezwungen, die Spartiaten durch Steuern, Naturalabgaben und Fronarbeit zu unterhalten.

Sparta
Die Bürgerschaft Spartas zählte vermutlich nie mehr als 5000 Mitglieder, aber jeder Mann war Berufssoldat, dessen Lebenszweck darin bestand, die Techniken des Krieges zu beherrschen. Fünf jährlich gewählte Ephoren (höchste Beamte) repräsentierten die eigentliche Macht. Kein anderer Staat Griechenlands ähnelte Sparta in seiner Abgeschlossenheit und Fremdenfeindlichkeit.

Sparta gilt als Vorbild einer geschlossenen und disziplinierten Gesellschaft. Aber Athen hat mit seinem Streben nach persönlicher Freiheit und Demokratie die moderne Welt entscheidend geprägt.
 
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Referat: 1419 - Die Gesellschaftsformen im klassischen Griechenland
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