Das klassische Griechenland

Im Jahre 480 v. Chr. fielen die Perser unter Xerxes ein zweites Mal in Griechenland ein. Eine große Armee überquerte auf zwei Schiffsbrücken den Hellespont und marschierte auf der Halbinsel nach Süden. An den Thermopylen, einem Engpass, wurden sie von 300 Spartanern unter König Leonidas heldenmütig aufgehalten. Die Perser unternahmen daraufhin ein Umgehungsmanöver, und alle 300 Spartaner fielen diesem zum Opfer.

Athen wurde besetzt, aber kurz danach errang die athenische Flotte unter dem Kommando des Themistokles (480 v. Chr.) bei Salamis einen Seesieg über die Perser. Xerxes zog sich mit seiner Armee nach Norden zurück. Mit einer vorwiegend aus Peloponnesern bestehenden Armee unter dem Spartaner Pausanias wurde das persische Heer 479 v.Chr. bei Platää geschlagen.

Hätten die Griechen die Perser nicht besiegt, hätte die Geschichte Europas wahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen. So aber beherrschen Ethik, Moral und Wertvorstellungen der Griechen (und nicht der Perser) auch heute noch Denken und Handeln der Menschen aus dem Abendland.

Die Perser hatten sich nun zurückgezogen, aber die Bedrohung durch sie blieb. Daher bildete Athen 477 v. Chr. zusammen mit den Inseln und Küstenstädten der Ägäis eine Verteidigungsliga, den 1. Attischen Seebund, mit Sitz auf Delos. Die Bundesgenossen steuerten sowohl Schiffe wie auch Geld für eine gemeinsame Kriegsflotte bei.

Das Goldene Zeitalter Athens
Bald beherrschte Athen unter der Führung seiner Staatsmänner Kimon (gest. 449 v. Chr.) und Perikles (nach 500-429 v.Chr.) den Bund und wurde eine Seemacht. Perikles baute das demokratische Regierungssystem weiter aus. Der expandierende, gewinnträchtige Handel bildete die materielle Basis für eine rege Bautätigkeit und die kulturellen Leistungen, die Athen so berühmt machen sollten.

Diese Macht erweckte bei den Nachbarn Neid und Besorgnis, besonders in Sparta, aber auch in Korinth, der anderen großen Handelsmacht Griechenlands. In den Jahren um 450 v. Chr. gab es vereinzelte kriegerische Auseinandersetzungen. Athen baute ein Territorialbündnis auf, das aber nach einem Waffenstillstand wieder aufgelöst wurde. Im Jahre 431 v. Chr. brachen erneut Feindseligkeiten aus. Athen, gesichert durch die »langen Mauern«, die es mit dem Haupthafen Piräus verbanden, hinderte die Spartaner nicht, in Attika einzudringen, sondern verließ sich in erster Linie auf seine Flotte, um die Kraft seiner Feinde zu erschöpfen.

Perikles starb 429 v. Chr. an der Pest, aber seine Strategie wurde von Kleon (gest. 422 v. Chr.) beibehalten. Einen entscheidenden Sieg konnte keine Seite erringen, so wurde 421 v. Chr. Frieden geschlossen. Dieser hielt aber nur zwei Jahre an. 415 v. Chr. schickte die Athener Kriegspartei unter Alkibiades (um 450-404) das athenische Volk in einen großen Feldzug nach Sizilien, um Syrakus zu erobern. Das Unternehmen schlug fehl, 413 v. Chr. wurden die athenische Armee und die Flotte vor Syrakus zerstört.

Trotz der Katastrophe setzten die Athener den Krieg fort, und das, obwohl sich einige Bundesgenossen empörten und die Perser den Feinden Athens zumindest finanziellen Beistand leisteten. Dem Spartaner Lysander (gest. 395 v. Chr.) gelang es 405 v. Chr., die Athener bei dem Flüsschen Ägospotamos vernichtend zu schlagen. 404 v. Chr. wurde Athen erobert, die Demokratie durch eine Oligarchie unter der Führung Spartas ersetzt.

Spartas Herrschaft zerfällt
Die Oberhoheit Spartas war nur von kurzer Dauer. Ermuntert durch die Leistungen der »Zehntausend«, eines griechischen Söldnerheeres, das unter Xenophons Führung einen heldenhaften Marsch quer durch das persische Großreich unternommen hatte, versuchten die Spartiaten, die Freiheit der griechischen Städte in Kleinasien zurückzugewinnen. Sparta schloss jedoch 387 v. Chr. Frieden mit Persien, und die Stadtstaaten in Kleinasien blieben weiterhin unter persischer Herrschaft.

Die folgenden 50 Jahre offenbaren alle negativen Eigenschaften des griechischen politischen Systems in dieser Zeit. Jede anbahnende Einigung wurde durch kleinlichen Neid und fortgesetzte militärische Rivalitäten verhindert. Athen erholte sich jedoch rasch wieder. 403 v. Chr. wurde die Demokratie wiederhergestellt. In die Jahre 377-355 v. Chr. datiert man den 2. Attischen Seebund unter der Führung Athens. Die Thebaner schlugen 371 v. Chr. die Spartaner bei Leuktra. Dieser Sieg brachte Theben für kurze Zeit die Vormachtstellung in Griechenland. Doch schon nach einem Jahrzehnt ging es auch mit Theben zu Ende. Dann gelang es Phokis, mit Hilfe des geraubten Schatzes von Delphi Söldner anzuheuern und für eine Zeit lang die Vorherrschaft zu erringen.

Die hellenistische Zeit
Die Griechen waren so mit ihren inneren Zwistigkeiten beschäftigt, dass sie der wachsenden Bedrohung aus dem Norden nicht gewahr wurden. Die Makedonier waren lange Zeit nur ein loser Stammesverband gewesen, bis 359 v. Chr. Philipp II. den Thron bestieg (336 ermordet). Dieser König war ein glänzender Diplomat, Heerführer und Organisator, er einigte die Stämme. 344 v. Chr. annektierte er Thessalien, 342 v. Chr. Thrakien. Philipp II. schlug die Armee des Korinthischen Bundes 338 v. Chr. in der Schlacht bei Chaironeia. Die freien Stadtstaaten hatten damit endgültig ihre Unabhängigkeit verloren. Philipp II. übernahm als Hegemon und Bundesfeldherr in Griechenland die Führung.
 
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