Die römische Literatur

In den drei Jahrhunderten, in denen Rom zur Weltmacht aufstieg, war der Einfluss des besiegten Griechenland auf Entwicklung und Ausbildung einer eigenständigen Literatur besonders ausgeprägt. Auch die Römer betrachteten ihre Literatur als von einem Griechen begründet, von Livius Andronicus (etwa 280-200 v. Chr.), einem freigelassenen Sklaven. Er brachte erstmals eigene Übersetzungen einer Tragödie und Komödie auf die Bühne und übertrug Homers Odyssee in Saturnier (ältestes römisches Versmaß).

Der hellenistische Einfluss
Erst das Ende des 1. Punischen Krieges bezeichnet den Beginn einer eigenständigen römischen Literatur. Die auf die eigene Geschichte bezogene Epik eines Naevius (270-201 v. Chr.) war noch in Saturniern abgefasst, doch bereits Ennius (239-169 v. Chr.) legte mit der Übernahme des Hexameters den Grund für die nachfolgende lateinische Epik.

Cato d. Ä. (234-149 v. Chr.), den Ennius Griechisch gelehrt haben soll, widersetzte sich den hellenistischen Vorbildern und wurde zum Begründer der lateinischen Prosa.

Der produktivste Verfasser römischer Komödien war Plautus (254-184 v.Chr.). Die 20 von ihm erhaltenen Stücke basieren alle auf griechischen Vorlagen der sogenannten Neuen Komödie. Sie zeichnen sich aus durch urwüchsig italischen Humor sowie die Brillanz seines Lateins. Terenz (190-159 v. Chr.), ein freigelassener Sklave, ganz auf Menander fußend, folgte auf ihn und hatte zunächst auf der Bühne wenig Erfolg.

Die Satire als ureigenste römische Gattung scheint im - nicht erhaltenen - Werk des G. Lucilius (180-102 v. Chr.) schon voll entwickelt. Er entschied sich bereits für den Hexameter und bestach durch Frivolität und aktuelle Polemik.

Die wichtigsten Autoren
Die bedeutendsten Persönlichkeiten zeigt die römische Literatur erst im 1. Jahrhundert v. Chr., gegen Ende der Republik. Das umfangreiche Werk des Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) enthält eine Reihe teils hochpolitischer Reden sowie Abhandlungen zur Rhetorik und Philosophie. Ein ebenso hervorragender Stilist war sein Zeitgenosse, der Feldherr und Diktator Gajus Julius Cäsar (100-44 v. Chr.). Seine Tagebücher über den Gallischen Krieg (»De bello Gallico«) und den Bürgerkrieg sind erhalten.

Andere Zeitgenossen waren Lukrez (97-55 v. Chr.), dessen Lehrepos »De rerum natura« die Brücke bildet zwischen Ennius und Vergil, und Catull (84-55 v. Chr.), Mitglied des Dichterkreises der sogenannten Neoteriker, der aus der hellenistisch-alexandrinischen Poesie die römische Elegie und das Epigramm entwickelte. Sallust (86-34 v. Chr.) hob mit seinen Darstellungen über Catilinas Verschwörung und den Krieg gegen Jugurtha die Geschichtsschreibung auf ein literarisches Niveau.

Mit Vergil (70-19 v. Chr.) knüpft die römische Literatur schließlich an Homer an. Sein letztes Buch, die »Äneis,« integriert in die alte epische Tradition neue, mehr subjektive Vorstellungen des Hellenismus. In die Gunst von Kaiser Augustus gelangte auch sein Freund Horaz (65-8 v. Chr.), obgleich von geringerer Herkunft. Seine Satiren verschafften diesem Genre hohes Ansehen, seine Episteln waren stark persönlich geprägt. Seine Oden schließlich sind geglückte Übertragungen griechischer Lyrik. Titus Livius (59 v.Chr. - 17 n.Chr.), der bedeutendste Historiograf seiner Zeit, behandelt den Ruhm der Republik bis zu ihrem Niedergang. Ovid (43 v. Chr. - um 18 n. Chr.) folgte auf Catull als Dichter von Liebeselegien, seinem Talent verdanken wir auch die »Metamorphosen«.

Ausklang und Wandlung
Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. beginnt sich die römische Literatur von der klassischen Form wegzuentwickeln. Die genaue und knapp pointierte Prosa Senecas (um 4 v.Chr. - 65 n. Chr.) ist die Reaktion auf die breite Geschwätzigkeit Ciceros. Zusammen mit den Epen seines Neffen Lukan (39-65 n. Chr.) und des Statius (40-96 n. Chr.) gehören seine Schriften und Tragödien nun schon einer Zeit an, in der griechische und lateinische Tradition gemeinsam wirksam werden. Als Prosaist muss Petronius Arbiter (gest. 66 n. Chr.) mit seinem »Satirikon« genannt werden, bei dem viel Verve und Originalität zu finden sind. Martial (40-102 n. Chr.) wirft sich mit aller Kraft auf das Epigramm. Geistreicher Witz und humanes Denken setzen dabei Maßstäbe für diese Gattung.

Tacitus (55-120 n. Chr.) mit seinem unverkennbaren Stil und dem Gewicht seiner Persönlichkeit verkörpert den Höhepunkt römischer Geschichtsschreibung. Die gepflegte Korrespondenz eines Plinius d. J. (61-113 n. Chr.) wirft ein lebendiges Licht auf den Alltag der Epoche, wie es auch auf ihre Weise der mörderische Witz und die Übertreibung eines Juvenal (60-140 n. Chr.) tun.

Die Prosaschriftsteller des 2. Jahrhunderts n. Chr. entwickeln einen Stil, in dem sich archaische mit umgangssprachlichen Elementen mischen. Typisches Beispiel: der Rhetor und Philosoph Apulejus (125-180 n. Chr.) mit seinem Roman »Metamorphosen«.

Vom 3. Jahrhundert an sind es dann schon christliche Autoren wie Tertullian. Die Heiligen Hieronymus (um 347-420) und Augustinus (354-430), die als Rang bestimmend gelten müssen. Von nun ab liegt es in erster Linie an der Amtssprache der römischen Kirche, dass das Lateinische unter den Gebildeten bis ins hohe Mittelalter hinein lebendig und lebenskräftig geblieben ist.
 
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Referat: 1463 - Die römische Literatur
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