Über 4000 Jahre reicht die Zeitspanne chinesischer Kultur. In nahezu ungebrochener Tradition haben die Chinesen in allen freien und angewandten Künsten dank ihrer sicheren ästhetischen Empfindung, ihrer kraftvollen Inspiration und ihrer subtilen Technik Werke von hohem Rang geschaffen. Die ältesten Zeugnisse wurden in Honan gefunden: Keramiken der Jungsteinzeit mit spiralig aufgerollten Wulsten und abstrahiert-ornamentalen Blumen- und Tiermustern in Schwarz, Weiß und Rot. Aus Nordchina stammt eine unbemalte Keramik mit grauem Scherben, die mit Pflanzenabdrücken dekoriert ist. Die neolithische Keramik in China hat sich eigenständig entwickelt.
Frühe Formen der Kunst
Die sakralen Bronzegefäße der Schang-Dynastie zeigen bereits eine hohe technische Perfektion, die nur das Ergebnis einer langen Tradition gewesen sein kann. Aus dem Formenschatz dieser Kultgefäße haben sich alle späteren Zeiten bedient: Dreifußkessel, bauchige Behälter, Becher mit spitzem Ausguss, Weinkelche. Die Geräte waren mit plastischer Tierornamentik verziert.
Die Chinesen haben die Keramik schon früh zu einer technischen und ästhetischen Perfektion entwickelt, die beispielhaft geblieben ist. Die reichen Tonvorkommen im östlichen China waren die Voraussetzung für die Entwicklung der Keramik, die Töpferscheibe Grundlage der entsprechenden Technik. Raffinierte Glasuren und hohe Brenntemperaturen erlaubten schon in Anjang die Produktion eines weißen Scherbens, der dem Porzellan nahekommt.
Mit der Erfindung von Pinsel und Papier entfaltete sich die Kalligrafie zu einer Kunst, aus der sich, zunächst auf rituelle Zwecke beschränkt, die Malerei entwickelte. Diese neu entstandene Technik, mit Farbe und Tusche auf Stoff oder Papier zu malen und zu schreiben, erlaubte, die vielen Mythen und Legenden des reichen Erbes festzuhalten.
Wichtige Aufschlüsse über die Kultur jener Zeit erhofft man sich von den bisher noch nicht vollständig erfassten und katalogisierten Reliefs aus Gräbern der Han-Zeit.
In der Dschou-Zeit hat man vereinzelt figürliche Keramiken als Grabbeigaben verwendet, unter den Han dann häufig realistische Kleinplastiken von Tieren.
Neue Impulse erhielt das künstlerische Schaffen vom 3. Jahrhundert n. Chr. an durch den Buddhismus. Der aus Indien übernommene gräkobuddhistische Gandhara-Stil, vor allem in der Plastik, wurde jedoch bald abgewandelt und chinesischem Formempfinden angepasst. Bis zum 9. Jahrhundert entstanden große Höhlentempel, die aus dem gewachsenen Fels herausgehauen wurden. Ihre Dekoration bestand aus Plastiken, Steinreliefs sowie Malereien auf den Wänden oder textilen Behängen. Als wichtigstes Material für die Architektur erwies sich Holz. Das Ziel der Baukünstler war, die Gebäude harmonisch in die Natur einzufügen.
Die Kunst der Tang-Dynastie
Unter der Herrschaft der Tang-Dynastie begann die große Zeit der Malerei. Ihr bedeutendster Vertreter, Wu Dao-dse, genießt als Maler des 8. Jahrhunderts dank der Dynamik seiner »Pinselkraft« einen legendären Ruf. In der Keramik überwogen zahlreiche Kleinplastiken von anmutigen Tänzerinnen, Haremsdamen, Musikanten und Gauklern, die modellierten Pferde kennzeichnen einen Höhepunkt in der Keramikkunst. Das hochstehende, der Prachtentfaltung eines kultivierten, reichen Hofes verpflichtete Kunstgewerbe verfertigte dekorativen Schmuck, luxuriöse Gebrauchsgegenstände wie mit Karneol und Gold eingelegte Bronzespiegel, raffiniert gefärbte Seiden in komplizierten Webtechniken sowie mit Schildpatt und Zellenschmelz behandelte Musikinstrumente. Die chinesischen Kleinbronzen waren weit verbreitet: Man hat sie sogar in Südrussland gefunden, Zeugnis für den großen Einfluss chinesischer Kunst.
Die Landschaftsmalerei
In der Sung-Periode (960-1279) entstanden Meisterwerke der Tuschmalerei. Ihr geistiger Gehalt leitete sich aus daoistischer Naturversenkung und buddhistischen Meditationspraktiken her. Vor gewaltigen Gebirgen erscheint der winzige Mensch vor einer überwältigenden Landschaft. Große Meister waren Ma Jüan (um 1155-1230) und der buddhistische Priester Mu-hsi (1. Hälfte 13. Jh.), der eine Malerei äußerster Einfachheit entwickelte, die nicht korrigierbare Tuschlinie wird in höchster technischer Vollendung auf das Papier gesetzt, jedoch auf das Wesentliche reduziert.
Jade, seit alters in China hoch geschätztes Material, aus dem man schon früh Kultgeräte, Dolche, Embleme und Amulette hergestellt hatte, wird jetzt bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten geschliffen und bearbeitet.
Unter den Mongolen ist der Geschmack der Gebildeten mehr von der Tradition bestimmt, kennzeichnend sind die Seladon-Keramik von Tschekiang, die Jadeschnitzereien des Hofes von Kaifeng und vergoldete Bronzen.
Neue Techniken der Dekoration bürgern sich ein: einmal die Unterglasurmalerei mit Kobalt auf dem elfenbeinfarbenen, durchscheinenden Scherben - eine Keramik, die man jetzt schon als Porzellan bezeichnen kann, oder die Lackmalerei in Gold und Rot auf prächtigen Dosen und kleinen Möbeln, die einen Geschmackswandel zum Verfeinerten hin belegt. Sie soll nicht mehr repräsentieren, sondern dem individuellen Genuss dienen. Die Formen der Gefäße und der Geräte sind schlicht und einfach, in der Plastik setzt sich eine Auffassung durch, die stärker das Individuelle hervorhebt. Holz wird als Werkstoff wieder bevorzugt. Wandmalereien bezeugen den Stil des hoch entwickelten Figurenbildes.
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