Die Geschichte Japans beginnt nach offizieller japanischer Lesart im Jahre 660 v. Chr. Damals gründete Dschimmu Tenno das legendäre Reich von Jamato, einen lose gefügten Geschlechterstaat, dessen Verbände Häuptlingen unterstanden. Diese Herrscher gaben ihre Macht stets an ihre Nachkommen weiter. Bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. hatten die Japaner drei wichtige Technologien von Siedlern übernommen, die in mehreren Wellen vom asiatischen Festland über Korea nach Japan gekommen waren: den Eisen- und Bronzeguss für effektivere Geräte und Waffen, die Töpferscheibe (in China seit etwa 2000 v. Chr.), die die Keramikproduktion erleichterte, und schließlich die Techniken des Reisanbaus und der Bewässerung, die die agrarisch bestimmte Jajoi-Kultur, die auf Kiuschu entstand, überhaupt erst ermöglichten.
Die Einigung Japans
»Wei Tschi«, eine chinesische Chronik, beschreibt das Japan des 3. Jahrhunderts n. Chr. als ein Land von mehr als »100 Gemeinden«, die unter der Königin Pimiko geeint wurden. Es gab bereits Rangunterschiede und Steuerabgaben. Einige Chefs von Sippenverbänden waren reich und mächtig genug, um sich riesige Kammergräber bauen zu lassen. Eine dieser Sippen leitete ihre Herkunft von der Sonnengöttin ab. Ihre Führer wurden das jeweilige Oberhaupt eines losen Verbandes von mächtigen Clans. Im 6. Jahrhundert n.Chr. kam aus dieser Sippe als Herrscher von Jamato der erste Kaiser des Einheitsstaates und Begründer der heute noch bestehenden Dynastie. Er organisierte die japanische Intervention im koreanischen Bürgerkrieg. Dabei bahnten sich Verbindungen mit China an, Japan übernahm eine Reihe materieller und geistiger Güter der schon hoch entwickelten Festlandkultur. Dieser Einfluss führte zur zweiten grundlegenden Umgestaltung japanischen Lebens.
Den Buddhismus und Konfuzianismus, die Übernahme von Kenntnissen aus der Medizin und Astronomie, aus der chinesischen Architektur und Schrift verdankt Japan diesem Import. Gelehrte reisten nach China, die Herrscher Japans versuchten, ihre Staatswesen nach dem Vorbild der chinesischen Tang-Verwaltung zu organisieren. 593 n. Chr. wurde Schotoku Taischi Regent. Er erhob den Buddhismus zur Staatsreligion und setzte die Vorherrschaft der Jamato-Dynastie durch.
Die Taika-Reformen im Jahr 645 bewirkten, dass das gesamte Staatswesen umgebildet wurde - und zwar zu einem Beamtenstaat nach chinesischem Muster. Der Herrscher wurde Eigentümer des gesamten Bodens. Eine allgemeine Besteuerung erbrachte Mittel für den Unterhalt der kaiserlichen Bürokratie. Nach chinesischem Vorbild wurde im Zentrum des Staates die neue Hauptstadt Nara mit Palästen, Tempeln und breiten Hauptstraßen erbaut. Das chinesische System der Prüfungen für Staatsbeamte übernahmen die Japaner jedoch nicht, auch eine Heeresreform scheiterte. Die Ergebnisse des Reformwerks sind im ersten japanischen Gesetzbuch, dem Taiho-Kodex von 702, niedergelegt.
Am Ende des 8. Jahrhunderts erlangte der buddhistische Klerus eine so starke weltliche Stellung, dass der herrschsüchtige Kanzler und Priester, Dokio, versuchte, Kaiser zu werden. Um den Thron vor den Machtgelüsten dieses Klerus zu schützen, verlegte Kammu im Jahr 794 den Hof in eine neue Hauptstadt, nach Heian-Kio (Kioto).
Der Aufstieg der Fudschiwara
Der Hochadel drängte die kaiserliche Macht aber bald in den Hintergrund. Die mächtigste Adelsfamilie, die Fudschiwara, übernahm im letzten Viertel des 9. Jahrhunderts die Vormundschaftsregierung für den Tenno. Fast 200 Jahre lang hielt diese Sippe die Macht in den Händen.
Die Hauptstadt Heian-Kio wurde Pflegestätte der schönen Künste und einer hochstehenden höfischen Kultur, während in Nara noch der kulturelle Einfluss Chinas vorgeherrscht hatte, lösten sich jetzt die engen Bindungen mit dem Kontinent. Eine eigenständige, unverkennbar japanische Kultur entwickelte sich. Die Architektur versuchte, in kultivierter Einfachheit dem menschlichen Maß gerecht zu werden. Farbige Rollbilder illustrierten historische und literarische Themen. Eine neue phonetische Schrift ergänzte die chinesischen Schriftzeichen und erlaubte einen geschmeidigeren Ausdruck. »Die Geschichte vom Prinzen Genji«, Japans berühmtester Roman, entstand etwa um das Jahr 1010 und ist das Werk der Hofdame Murasaki Shikibu (978-1016).
Die Militäraristokratie
Zwei Entwicklungen liefen parallel: Die kaiserliche Gewalt wurde mehr und mehr geschwächt, in den Provinzen entstand eine Art Militäraristokratie mit großen Machtbefugnissen. Zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung, auch zur Bekämpfung der Ureinwohner, der Ainu, vergrößerten die Lehensherren ihre Armeen. Sie erwarben riesigen Steuer- und abgabefreien Grundbesitz, der sie wirtschaftlich unabhängig machte. In ihren Herrschaftsbereichen trieben sie eine nur auf ihre eigenen Ziele ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Dieser Militäradel verdrängte den Hofadel aus Macht, Besitz und sozialer Geltung. Entscheidend waren jetzt nur noch militärische Faktoren, nicht höfischer Schöngeist.
Aus diesem Kampf ging schließlich die Familie Minamoto als Sieger hervor, deren Oberhaupt Joritorho sich 1192 zum Shogun (Reichsfeldherrn) ernennen ließ. Er schuf in Kamakura ein neues Machtzentrum mit einer Militärregierung.
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