Herz und Kreislauf

Der englische Mediziner William Harvey (1578-1657) entdeckte im Jähr 1628 als erster, dass sich das Blut »dauernd im Kreis bewegt«. Für die damalige Zeit war das eine erstaunliche Beobachtung, denn Harvey wusste noch nichts von dem 96 500 km langen Gefäßnetz des menschlichen Körpers oder vom Sauerstoffaustausch zwischen Haargefäßen (Kapillaren) und Gewebe.

Die Aufgaben des Blutes
Jeder noch so primitiv lebende Organismus braucht ein Kreislaufsystem, das ihm Energie zuführt und Abfälle abtransportiert. Im menschlichen Körper erfolgt dieser Austausch über das Blut (etwa 5 1 beim Erwachsenen), das die Zellen mit Sauerstoff und Nahrung versorgt und sie gleichzeitig von Kohlendioxid und anderen Schadstoffen befreit.

Das Herz, aufgebaut aus hochspezialisiertem Muskelgewebe, ist der Motor des Blutkreislaufes. Es besteht aus zwei Vorhöfen oder Atrien und zwei Kammern oder Ventrikeln. Der Blutfluss zwischen Vorhöfen und Kammern wird durch die Segelklappen geregelt, der zwischen Kammern und Haupt- bzw. Lungenschlagader durch die Taschenklappen. Für regelmäßige Herzaktionen ist ein sogenannter Schrittmacher aus abgewandelten Muskelzellen verantwortlich, der nervöse Impulse an Vorhöfe und Kammern sendet und sie damit zur Kontraktion anregt.

Wie das Herz arbeitet
Das Herz als Pumpe versorgt einen doppelten Kreislauf. Während einer Herzaktion fließt frisches, sauerstoffgesättigtes Blut aus der Lunge ins linke Herz und von dort aus weiter in die Peripherie. Gleichzeitig wird verbrauchtes Blut über das rechte Herz in die Lungen gepumpt, wo es wieder Sauerstoff aufnehmen kann.

Das Herz hat etwa die Größe einer Faust. In der vierten Woche der Embryonalentwicklung beginnt es zu schlagen und arbeitet dann bis zum Lebensende. Beim Erwachsenen liegt die durchschnittliche Herzfrequenz zwischen 70 und 80 Schlägen pro Minute, bei Stress oder Anstrengung kann sie auf das Zweieinhalbfache ansteigen. Würde die Hauptschlagader oder Aorta, die bogenförmig vom Herzen entspringt, verletzt, so entstünde allein durch die Kraft der Herzaktion eine 2 m hohe Blutfontäne.

Sauerstoffgesättigtes Blut wird über die Arterien vom Herzen weggeführt, Diese dickwandig-muskulösen Gefäße verlaufen meist tief im Gewebe und werden so vor äußeren Einwirkungen geschützt. Wo sie, wie etwa am Handgelenk, dicht unter der Oberfläche liegen, kann man den Puls fühlen. Die Arterien verzweigen sich zu Arteriolen und weiter zu Kapillaren. Über diese winzigen Haargefäße kann das Blut jede Körperregion erreichen, sie mit Sauerstoff versorgen und von Abfällen befreien.

Das verbrauchte Blut fließt dann über die Venolen in die Venen, wo ein wesentlich geringerer Druck herrscht als in den Arterien. Die größeren Venen leiten das Blut weiter in die beiden Hauptgefäße des venösen Systems, die obere und untere Hohlvene, die direkt in den rechten Vorhof münden. Von hier aus wird das verbrauchte Blut über die rechte Kammer in die Lungen gepumpt.

Frisches Blut ist eine dicke, klebrige Flüssigkeit, die an der Luft schnell gerinnt. Durch Zentrifugieren kann man das gelbliche, ungefähr 55 Prozent des Blutes ausmachende Plasma vom rotbraunen Zellsediment trennen.

Plasma, Blutkörperchen und Lymphe
Das Blutplasma ist eine Lösung von Salzen und Eiweißstoffen, die in ihrer Zusammensetzung dem Zellplasma ähnelt. Befreit man es von dem Gerinnungsfaktor Fibrin, so bleibt das sogenannte Serum übrig, eine farblose Flüssigkeit, wie sie z. B. von Schürfwunden abgesondert wird.

Das dunkle Sediment besteht in erster Linie aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten), ferner aus weißen Zellen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Letztere spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Die. roten Blutkörperchen entstehen im Knochenmark. Mit einem Durchmesser von weniger als 1/10 000 mm gehören sie zu den kleinsten Zellen des menschlichen Organismus. Mit Hilfe des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), der ein Drittel ihres Volumens einnimmt, können sie Sauerstoff transportieren. Im Blutstrom ist der Sauerstoff an das Hämoglobin gebunden, im zu versorgenden Gewebe wird er abgelöst und kann nun durch die dünnen Kapillarwände diffundieren. Die roten Blutkörperchen sind etwa tausendmal zahlreicher als die weißen.

Weiße Blutkörperchen sind dreimal so groß wie rote, farblos und durchsichtig. Bei der Abwehr von Krankheiten spielen sie eine bedeutende Rolle. Sie können die Gefäßwände durchwandern und sich in großer Menge in der Umgebung von Infektionsherden oder Verletzungen festsetzen. Am Rand von Wunden finden sich auch Blutplättchen, die kleinsten unter den Blutkörperchen, die die Gerinnung unterstützen.

Mit dem Blutkreislauf eng verknüpft ist das Lymphsystem. Die Lymphe stellt gewissermaßen ein Filtrat des Blutes dar. Sie umfließt die einzelnen Zellen und führt ihnen die Nährstoffe aus den Blutkapillaren zu. Die wässrige, plasmaähnliche Flüssigkeit mit niedrigem Eiweißgehalt wird dann von den vielfach verästelten Lymphgefäßen aufgenommen und - beladen mit Abfallstoffen wie Bakterien und toten Zellen - dem venösen Blutstrom über die Vena jugularis des Halses wieder zugeführt. Das lymphatische System hat ebenfalls große Bedeutung für die körpereigene Abwehr.
 
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Referat: 106 - Herz und Kreislauf
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