Drüsen und Hormone

Die Drüsen mit innerer Sekretion (endokrine Drüsen) arbeiten eng mit dem Nervensystem zusammen. Mit Hilfe der Hormone, die sie ans Blut abgeben, kontrollieren sie verschiedenste Körperfunktionen. Während aber das Nervensystem für schnelle Reaktionen zuständig ist, steuern die Drüsen Stunden, Monate oder sogar Jahre dauernde Prozesse. Allerdings gibt es auch einige Hormone, die bei plötzlichen Ereignissen in Aktion treten. So wird die Furcht-, Flucht- oder Kampfbereitschaft auf eine äußere Bedrohung hin durch sofortige Adrenalinausschüttung hervorgerufen. Im Übrigen aber sind die Drüsen mehr für langwierige Stoffwechsel-, Wachstums- und Entwicklungsprozesse verantwortlich.

Exokrine Drüsen sezernieren über Ausführungsgänge, die in Haut oder Körperhöhlen münden. Endokrine Drüsen dagegen nehmen Rohstoffe direkt aus dem Blut auf, stellen daraus die Hormone her und geben das fertige Produkt wieder ans Blut ab.

Die wichtigste Drüse des Körpers
Die wichtigste Drüse des endokrinen Systems ist die Hypophyse mit nur 1 cm Durchmesser, die an der Hirnbasis liegt. Man könnte sie als »Schicksalsdrüse« bezeichnen, weil unsere ganze Entwicklung von ihr abhängt. Die Hypophyse steuert die Hormonproduktion vieler anderer Drüsen.

Von den beiden Hypophysenlappen kommt dem vorderen die größere Bedeutung zu. Hier werden Hormone gebildet, die die Tätigkeit von Schilddrüse, Nebennieren und Keimdrüsen regeln. Auch das Wachstumshormon Somatotropin, das den Fett- und Zuckerstoffwechsel beeinflusst, und das Prolaktin, das die Milchsekretion bei der stillenden Mutter anregt und aufrechterhält, stammen aus dem Hypophysen Vorderlappen. Der Hinter läppen speichert zwei weitere Hormone: das Vasopressin, das die Urinmenge kontrolliert, und das Oxytozin, das bei der Geburt die Kontraktionen von Unterleib und Uterus unterstützt und außerdem die Milchproduktion stimuliert.

Die Schilddrüse mit ihren zwei Lappen ist dem Kehlkopf und der oberen Luftröhre vorgelagert. Sie untersteht dem Hypothalamus (einem Gehirnzentrum) und der Hypophyse. Aus dem Blut nimmt sie Jod und andere Substanzen auf und synthetisiert. daraus ein Hormon, das sogenannte Thyroxin. Dieses Thyroxin bestimmt die Intensität des gesamten Stoffwechsels und damit auch der Wärmeproduktion. Ein anderes Schilddrüsenhormon, das Calcitonin, wirkt bei der Regulation des Calciumspiegels mit. An der Rückseite der Schilddrüse haften die vier winzigen Nebenschilddrüsen, die auch Epithelkörperchen genannt werden. Sie setzen das Parathormon (PTH) frei, das den Calcium- und Phosphatstoffwechsel steuert.

Nebennieren und Bauchspeicheldrüse
Die Nebennieren sitzen den oberen Nierenpolen beidseits der Wirbelsäule auf. Wie ein Dreispitz oder eine Kapuze geformt, bestehen sie aus der Außenschicht (Rinde) und dem Mark, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die Rinde produziert Steroidhormone: Glukokortikoide wie das Cortisol, die im Zucker- und Eiweißstoffwechsel eine wichtige Rolle spielen, Mineralkortikoide wie das Aldosteron, das die Nieren und damit den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt beeinflusst, und schließlich geringe Mengen von Geschlechtshormonen (letztere stammen hauptsächlich aus den Keimdrüsen).

Aus dem Nebennierenmark werden zwei weitere Hormone freigesetzt: Adrenalin verstärkt die Wirkung des Sympathikus (eines Teils des vegetativen Nervensystems) und macht den Körper für schnelles und adäquates Handeln in Not- oder Stresssituationen bereit. Das andere Hormon, Noradrenalin genannt, ist dem Adrenalin chemisch verwandt und hat ähnliche Effekte. Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert ein Sekret, das sich aus verschiedenen Verdauungsenzymen zusammensetzt. Über den Hauptausführungsgang der Bauchspeicheldrüse, den Ductus pancreaticus, gelangt es in den Zwölffingerdarm (exokrine Pankreasfunktion). Die Hormone Insulin und Glukagon dagegen werden von der Bauchspeicheldrüse direkt ans Blut abgegeben (endokrine Funktion). Sie steuern den Blutzuckerspiegel und werden in den sogenannten Langer-hansschen Inseln synthetisiert. Diese Inseln aus hochspezialisierten Zellen sind in das normale Drüsengewebe eingestreut. Glukagon stimuliert den Abbau von Glykogen - einer Speicherform für Kohlehydrate in der Leber -und erhöht so den Blutzuckerspiegel. Insulin steigert die Zuckerverwertung durch die Zellen und senkt damit den, Blutzucker. Wird zu wenig Insulin produziert, so kommt es zur Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus.

Die Sexualhormone
Durch die sogenannten gonadotropen Hormone des Hypophysenvorderlappens angeregt, produzieren die Keimdrüsen (Eierstöcke bei der Frau, Hoden beim Mann) Geschlechtshormone. Diese sind unter anderem für die Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale verantwortlich. Die Hoden sondern das Testosteron ab. Die Ovarialhormone, Ostrogen und Gestagen, regeln den Menstruationszyklus der Frau.

Obwohl räumlich getrennt, arbeiten die endokrinen Drüsen eng zusammen. Sie beeinflussen sich gegenseitig nach dem Prinzip der Rückkoppelung. Vermehrt freigesetztes Schilddrüsenhormon etwa hemmt die Ausschüttung von TSH durch die übergeordnete Hypophyse so lange, bis der Blutspiegel wieder auf normale Werte gefallen ist. Umgekehrt bewirkt ein Absinken des Thyroxinspiegels die Freisetzung des schilddrüsenstimulierenden Hormons TSH.
 
Kategorie: So funktioniert unser Körper Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 98 - Drüsen und Hormone
Drüsen | Hormone | So | Funktioniert | Unser | Körper
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF