Die Schwangerschaft

Als Schwangerschaft bezeichnet man den Zeitraum von neun Monaten, in denen sich eine einzelne Zelle zu einem menschlichen Wesen entwickelt. Das Ausbleiben der Monatsblutung als erstes Schwangerschaftszeichen kann aber genauso gut durch psychische Störungen, Krankheit oder das Herannahen der Menopause verursacht sein. Zuverlässig sind dagegen Urinuntersuchungen auf immunologischer Basis. Der Urin einer schwangeren Frau enthält Choriongonadotropin (HCG), ein von der Gebärmutter produziertes Hormon. Der heute übliche Test ist positiv, wenn die Agglutination zwischen Kaninchenserum mit HCG-Antikörpern einerseits und mit HCG besetzten roten Blutkörperchen andererseits durch die Zugabe von HCG-haltigem Urin gehemmt wird.

Die ersten Monate der Schwangerschaft
Ist die Schwangerschaft festgestellt, kann man den voraussichtlichen Geburtstermin relativ leicht berechnen: Wenn die vorausgegangenen Menstruationszyklen regelmäßig waren, so nimmt man den ersten Tag der letzten Monatsblutung und zählt 9 Monate und 7 Tage dazu.

Schon in diesem frühen Stadium sollte sich die werdende Mutter einer gründlichen ärztlichen Untersuchung unterziehen. Größe und Gewicht werden festgehalten, der Blutdruck gemessen und die Brüste untersucht. Es gilt, einer etwaigen Infektion oder Allgemeinerkrankung, einer Fehlstellung der Gebärmutter oder einer Eierstockzyste frühzeitig auf die Spur zu kommen. Blutchemische Untersuchungen werden in regelmäßigen Abständen wiederholt. Die Blutgruppe der Mutter wird festgestellt, um etwaige spätere Transfusionen zu ermöglichen. Eine Blutarmut kann aufgedeckt und behandelt werden. Wichtig ist die Bestimmung des Rhesusfaktors. Die meisten Europäer sind Rhesus-positiv. Es kommt jedoch gelegentlich vor, dass eine Rhesus-negative Frau von einem Rhesus-positiven Mann ein Kind erwartet. In diesen Fällen ist eine besonders sorgfältige Überwachung geboten. Wenn nämlich Rhesus-positives Blut des Kindes (die Rhesus-positive Erbanlage ist dominant) in den Kreislauf der Schwangeren gelangt, bilden sich sofort Antikörper. Diese sind zunächst harmlos. Erst wenn sie bei weiteren Schwangerschaften mit dem Blut Rhesus-positiver Kinder in Berührung kommen, zerstören sie die Blutkörperchen und verursachen Blutarmut und Gelbsucht. Die betroffenen Kinder brauchen unter Umständen schon im Mutterleib Bluttransfusionen. Vorbeugend kann man der Mutter eine besondere Substanz injizieren, die die Antikörperbildung verhindert.

Physiologische Veränderungen
Während der 40 Schwangerschaftswochen wird die Brustdrüse für das Stillen vorbereitet. Aufgrund von Hormonwirkung und besserer Blutversorgung nimmt der Brustumfang zu. Manche Frauen bemerken eine vermehrte Hautpigmentierung. Der Warzenhof dunkelt meist ab der 14. Woche nach, bei dunkelhäutigen Frauen früher. Morgendliche Übelkeit ist ein anderes häufiges Schwangerschaftssymptom. Sie kann durch hormonelle Umstellung, Vitamin B Mangel, plötzlichen Blutdruckabfall beim Aufstehen oder durch Druck der Gebärmutter auf andere Eingeweideorgane verursacht sein. Die Übelkeit schwindet meist nach den ersten drei Monaten. Natürlich nimmt die Schwangere an Gewicht zu, doch sollte diese Gewichtszunahme bis zur Geburt nicht mehr als 8-9 kg betragen. Die in späteren Stadien häufig geklagten Rückenschmerzen lassen sich durch gute Haltung und bequeme Schuhe vermeiden. Der Druck der Gebärmutter auf die Blase führt zu vermehrtem Harndrang. Eine etwaige Darmträgheit kann durch gesunde Diät behoben werden.

Eine ernsthafte Komplikation stellt z. B. die sogenannte Schwangerschaftstoxikose oder Eklampsie dar. Symptome sind: schnelle Gewichtszunahme, Ödeme (besonders im Gesicht), Blutdruckanstieg und Eiweiß im Urin. Die Behandlung erfordert Bettruhe, Verringerung der Kochsalzmenge und entwässernde Maßnahmen.

Gesunde Schwangerschaft
Eine ausreichende Ernährung ist lebenswichtig, weil der Embryo bzw. Fetus (Bezeichnung des Ungeborenen ab dem dritten Schwangerschaftsmonat) vom mütterlichen Organismus mitversorgt werden muss. Doch soll die Schwangere keineswegs »für zwei essen«. Der Eisenbedarf steigt, weil der Fetus große Mengen zur Bildung seiner roten Blutkörperchen braucht. Ein gewisses Maß an körperlicher Betätigung ist unbedingt zu empfehlen. Rauchen schränkt die Sauerstoffversorgung des Fetus ein. Schwangere Frauen, die mehr als 10 Zigaretten pro Tag rauchen, Verzögern damit Wachstum und Entwicklung des Kindes. Medikamente sollen nur unter ärztlicher. Aufsieht. eingenommen werden.

Infiziert sich die Schwangere im Laufe der ersten 12 Wochen mit Röteln, so kann dies für das ungeborene Kind äußerst gefährlich werden: Herz, Gehör und Augenlicht können Schaden erleiden. Nach der 12. Schwangerschaftswoche ist jedoch das Risiko praktisch gleich Null- Herz, Ohr und Auge haben sich zu diesem Zeitpunkt bereits entwickelt.

Die ersten Bewegungen des Kindes machen sich im Allgemeinen in der 18.-20. Schwangerschaftswoche bemerkbar, am kräftigsten sind sie um die 30. Woche. Schon in der 7. Woche kann man Herztöne des Kindes mit Hilfe von Ultraschall aufzeichnen. In der 30.-34. Woche spätestens dreht sich das Kind im Mutterleib und liegt min mit dem Kopf nach unten. Dreht es sich nicht von selbst, so kann der Arzt für gewöhnlich ohne Schwierigkeiten nachhelfen. Nach der 40. Woche steht die Geburt dann unmittelbar bevor.
 
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