Mesoamerika (300 bis 1521)

In den Jahren bis 1500 lassen sich in Mittelamerika eine Reihe von einheimischen, »mesoamerikanischen« Kulturen nachweisen. Dieser 1943 von dem deutschen Gelehrten Paul Kirchhoff geprägte kulturgeografische Begriff fasst die Kulturen im Gebiet des heutigen südlichen Mexiko, von Belize, Guatemala, Honduras und £1 Salvador, für die Zeit zwischen 1000 und 1500 auch von Nicaragua und Costa Rica, zusammen. Gewisse Charakteristika kennzeichnen alle diese Kulturen: Kulturzentren mit Tempelpyramiden, das rituelle Ballspiel (die Maya nannten es pokta-pok, die Azteken tlachtli). In ihren Götter-Pantheons spielten Sonnen-, Wind- und Regengötter eine wichtige Rolle. In der Spätzeit wird der Tod zum vorherrschenden Thema der Kunst.

Prä klassische und klassische Kulturen
Viele dieser Charakteristiken waren schon in den präklassischen Kulturen vorhanden, sie erreichten in der nachklassischen Epoche (von 900 bis zur Eroberung durch die Spanier im Jahr 1518) höchste Verfeinerung.

Eines der ersten großen, urbanen Kultzentren der klassischen Zeit war Teotihuacan im Hochtal von Mexiko, es hat einer ganzen Kultur den Namen gegeben. Mit einer Ausdehnung von etwa 20 km2 war die Stadt weiträumig, deren Einwohnerzahl zwischen 300 und 600 auf 200 000 geschätzt wird.

Eine der benachbarten Kulturen war die der Maya. Sie bewohnten die Halbinsel Yucatán und das anschließende Hochland von Guatemala. Das Maya-Gebiet besteht aus drei grundverschiedenen Regionen: im Süden das vulkanische Hochland, das steil zur Pazifikküste abbricht, im nördlichen Yucatán trockenes verkarstetes Tafelland, im tropischen Regenwald das innere zentrale Gebiet. Hier in dieser zentralen Zone entstand und entwickelte sich die Kultur der Maya.

Die Maya besaßen um 300 eine hieroglyphenartige, bisher nicht entzifferte Schrift, ein Zahlensystem mit 0, einen komplizierten, genauen astronomischen Kalender. Von der Kunst der Maya zeugen Paläste, Zeremonialzentren auf gestuften Pyramiden, Steinbildwerke, Stelen und Federmosaike, hoch entwickelte Keramik (mit farbigen Glasuren) und Goldschmiedearbeiten. Die Maya-Kultur ging lange vor Ankunft der Europäer unter.

Das im südlichen Mexiko gelegene Hochtal von Oaxaca verfügt über bedeutende historische Überlieferungen. Der dort lebende indianische Stamm der Zapoteken erreichte zwischen 300 und 600 einen kulturellen Höhepunkt, von dem heute neben Reliefs, Graburnen, einer Bilderschrift vor allem das große Zeremonialzentrum Monte Alban zeugt.

Für dieses Zentrum trugen die Zapoteken einen Hügel ab und schufen so ein künstliches Plateau. Auf diesem umschlossen gewaltige Bauten, die man über breite Freitreppen erreichte, einen riesigen zentralen Platz. Im 7. Jahrhundert wurde das klassische Monte Alban aufgegeben. Später, im 13. Jahrhundert drangen Mixteken in das Tal ein, der mixtekische Adel hat einige der zapotekischen Gräber wieder verwendet. Die Mixteken verfügten über eine eigene Architektur, den Rang ihres Kunsthandwerks belegen Mosaikarbeiten. Die Wände der Bauten ihrer Hauptstadt Mitla sind mit Mosaiken geschmückt.

Die Golfküste
Derart großartige Beweise hervorragender architektonischer Fähigkeiten gibt es an der Golfküste, der Heimat der Olmeken, nicht. Sie haben wie die Totonaken bei und nördlich Veracruz einen eigenständigen Stil entwickelt. Flachreliefs zeigen komplexe Darstellungen, vor allem religiöser Opferhandlungen und des Ballspiels. Der bekannteste Ort ist El Tajin mit seiner Nischenpyramide der totonakischen Kultur, wo fünf Ballspielplätze ausgegraben wurden.

Chichen Itza ist das größte Kultzentrum der Maya, das wir kennen. Die großen Sakralarchitekturen lassen toltekische Herkunft oder zumindest toltekische Einflüsse vermuten (die Tolteken waren ein aus dem Hochtal von Mexiko zugewanderter kriegerischer Stamm). Viele der Bauten in Chichen Itza zeigen Parallelen zu Bauten der toltekischen Hauptstadt Tula (nördlich der Stadt Mexiko). Besonders eindrucksvoll sind das »Kastell«, eine große Tempelpyramide mit Treppen an allen vier Seiten, der »Tempel der Krieger« und das tzompantly (oder Schädelgerüst), wo die Köpfe der geopferten Menschen ausgestellt wurden.

In den »Cenote de sacrificios«, den 18 m tiefen, heiligen Brunnen wurden in Zeiten der Not, besonders bei Dürre, die Opfergaben, auch Menschen, geworfen, um von den Göttern Hilfe zu erflehen.

Die Städte der Azteken
Die Azteken brachen im 14. Jahrhundert aus dem Norden in das Hochtal von Mexiko ein, sie eigneten sich die Kultur der Unterworfenen an. Ihre Kultur hatte einen Höhepunkt erreicht, als die Spanier nach Mexiko kamen und das Land unterwarfen. Es ist die einzige Hochkultur Mesoamerikas, die die Europäer in Lebenskraft und Blüte erlebten.

Die Azteken, ein kriegerischer Nomadenstamm, siedelten zunächst auf Inseln des Texcoco-Sees im zentralen Hochland. Schon nach einigen Jahrzehnten kam es zu einem Dreistädtebund, in dem Tenochtitlan bald die Führung übernahm. Die Bevölkerung der Stadt wurde bei der Ankunft der Spanier auf 300 000 geschätzt. Auf den Ruinen der Stadt erbauten die europäischen Eroberer ihre eigene Hauptstadt. Von der aztekischen Kultur sind außer Ruinen nur einige farbenprächtige Bilderhandschriften, kunsthandwerkliche Arbeiten und Lavaplastiken erhalten geblieben.
 
Kategorie: Große Kulturen Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 1496 - Mesoamerika (300 bis 1521)
Mesoamerika | 300 | 1521 | Große | Kulturen
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF