Kolumbien und Peru (300 bis 1534)

In Südamerika war es immer das gleiche Gebiet, in dem Kulturen sich entfalteten: die Anden vom Titicacasee bis Panama einschließlich der angrenzenden Steilabfälle zum Pazifik bzw. zum Amazonas. In diesem Gebiet stieß man auf die ersten Anzeichen einer Landwirtschaft, auf die ältesten Siedlungen, auf die früheste Keramik. Nach einer etwa 1500 Jahre dauernden, nur in z. T. schwer deutbaren archäologischen Funden fassbaren präkulturellen Zeit, in der nur die vom zentralen Hochland ausgehende Chavin-Kultur (vor 400 v. Chr.) individualisierbar erscheint, entstehen vom Jahr 300 an eine Reihe regionaler Kulturen, die sich voneinander deutlich unterscheiden. In der Zeit, in der diese Kulturen für uns fassbar werden, sind sie schon als größere politische Einheiten organisiert, die vermutlich nicht ohne kriegerische Auseinandersetzungen zustande gekommen waren.

Die Kunst Kolumbiens
Im Norden des südamerikanischen Kontinentes, im Cauca-Tal in Kolumbien finden wir ein notwendigerweise eine lange Tradition voraussetzendes Kunsthandwerk, das vor allem in der Goldbearbeitung große technische Fähigkeit und künstlerische Ursprünglichkeit demonstriert. Diese Goldarbeiten erreichten in der Quimbaya-Kultur, mit der die Kulturen von San Agustin, Calima und Narino zusammenhängen, ihre höchste Vollendung (um 1000). Aus der Kultur von San Agustin stammen auch rätselhafte monumentale Plastiken. In der nahen, ebenfalls im Quellgebiet des Magdalena gelegenen Tierradentro-Region sind Grabstätten mit gewölbten Decken und Zugangstreppen aus dem gewachsenen Fels gehauen.

Zur Zeit der spanischen Eroberung lebte in Kolumbien eine zahlreiche Bevölkerung in mit Palisaden befestigten Siedlungen. Im Mittelpunkt der Religion stand der Sonnenkult. Die Wirtschaft beruhte auf Agrarprodukten wie Kartoffeln und Mais, die wichtigsten Handelsgüter waren Sali, Gold und Smaragde.

Das wichtigste Zentrum im nördlichen Peru bildete das Tal der Moche-Kultur, hier war zunächst die Residenz der Herrscher von Moche. Die Moche-Kultur entwickelte sich etwa zwischen 400 und 900 n. Chr. Ihr Reichtum wird von dem riesigen Sonnentempel veranschaulicht, einer Terrassen-Pyramide mit einer Grundfläche von 228 X 136 m und einer Höhe von 41 m. Sie ist ganz aus luftgetrockneten Lehmziegeln (Adobe) erbaut. Der nahegelegene »Mondtempel« ist eine Palastanlage mit Wandmalereien. Berühmt sind die hoch entwickelten Bewässerungsanlagen der Mochica. Einige unbeschädigte Moche-Gräberfelder konnten ausgegraben werden. Bemerkenswerte Grabbeigaben sind die sogenannten Steigbügel aus Gussgefäße, einige sind mit Krieg-, Jagd- und häuslichen Szenen bemalt, andere realistisch wie Porträtköpfe geformt. Das hier angewandte oxidierende Brennverfahren ermöglichte stark farbige Keramiken.

Paläste für Lebende und Tote
Etwa im Jahr 1000 entstand im Moche-Tal die Hauptstadt des Königreiches Chimü, die große Stadt Chan Chan. Sie bedeckte etwa eine Fläche von 18 km2 und ist in zehn rechteckige, ummauerte Bezirke eingeteilt. Wahrscheinlich war jeder Stadtteil Sitz eines Clans. Zwischen den Bezirken lagen Be- und Entwässerungsanlagen und Friedhöfe. Die heute längst ausgeraubten Gräber enthielten sehr wertvolle Gold-, Silber-, Bronzegeräte, Schmuck, Keramik und Textilien.

An der Küste von Mittelperu erinnert die Keramik des »Lima-Stils« an die Kultur der Mochica. Zum Zeremonialzentrum Aramburu (Maranga) im Rima-Tal nahe Lima gehören neben gewaltigen Pyramiden auch Areale mit Kulturabfällen, die auf eine Siedlung von urbanem Charakter schließen lassen. Die eindrucksvollste Keramik jedoch ist zweifellos die von Nazca an der Küste von Südperu.

Die Kultur mit dem weitesten Einflussbereich im südlichen Peru entwickelte sich in dem südlich des Titicacasees gelegenen Tiahuanaco, in einem Hochtal der Anden. An den Seeufern ist man auf riesige terrassierte Felder gestoßen, was eine leistungsfähige Landwirtschaft mit einer entsprechenden Arbeitsorganisation vermuten lässt. Tiahuanaco ist bekannt für seine großen Monolithbauten kultischen Charakters, zu denen auch das berühmte »Sonnentor« gehört. Hoch entwickelt war auch die Bronzetechnik, die Weberei und die Töpferei mit archaisch eckigen Figuren. Einen Vorläufer hatte Tiahuanaco in den megalithischen Grabkammern, Steinplattformen und Statuensäulen von Pucarä. Damit vergleichen lassen sich die Großsteinplastik und die Steinkammern mit sorgfältig gearbeitetem Mauerwerk in Huari im zentralperuanischen Hochland (in der Nähe von Ayacucho).

Aufstieg und Fall der Inka
Die Inka sind ein Stamm der Ketschua-Indianer, der Name ging auf die Dynastie über, wurde Titel des Herrschers, später Bezeichnung für das gesamte Reich. Der Beginn der Inka-Kultur wird um 1200 angesetzt. Unter dem Pachacuti Inka (er regierte 1438-71) begann die Expansion des Reiches, sie wurde von seinem Nachfolger Topa Inka fortgesetzt. Das Reich umfasste auf der Höhe seiner Macht, die kaum 100 Jahre währte (es wurde 1533 von Pizarro zerstört), das Gebiet der Anden von Quito im Norden bis Valparaiso im Süden, die Längenausdehnung betrug mehr als 3 200 km. Eine straffe bürokratische Organisation hielt dieses ungeheure Territorium zusammen. Die Hauptstadt Cusco war durch ein Straßensystem und Meldeläufer mit den Teilen des Imperiums verbunden. Knotenschnüre (Quipus) ersetzten Schriftzeichen.
 
Kategorie: Große Kulturen Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 1498 - Kolumbien und Peru (300 bis 1534)
Kolumbien | Peru | 300 | 1534 | Große | Kulturen
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF