Hollywood

Während der Stummfilmzeit hatte sich in Hollywood eine Gruppe berühmter Stars zusammengefunden, die Traum und Sehnsucht des Kinopublikums verkörperten. Charles Spencer Chaplin (1889-1977), Mary Pickford (1893-1979), Douglas Fairbanks (1883-1939), Rudolph Valentino (1895-1926), Gloria Swanson (1898-1983) und neuere Stars wie die geheimnisvolle Greta Garbo (1905-90) beeinflussten den Lebensstil von Millionen, denen das Kino ein Entrinnen aus dem Einerlei des täglichen Lebens bot.

Großstudios
Nach 1927 gewann Hollywood durch die Patente der Tonfilmtechnik bestimmenden Einfluss auf die internationale Filmindustrie, besonders, als die europäischen Studios während der Weltwirtschaftskrise finanzielle Einbußen erlitten. Aber auch die USA blieben davon nicht verschont. Das neue Zauberwort hieß Teamarbeit, bei der oft Dutzende von Drehbuchautoren an einem einzigen Film mitwirkten. Hervorragende Aufmachung, qualitativ hochstehende Aufnahmetechnik und ein leistungsfähiger Reklameapparat sorgten für eine neue Generation von Filmidolen. Um der besonderen Begabung bestimmter Stars gerecht zu werden, wurden z. B. für Joan Crawford (1908-77), Jean Harlow (1911-37) und Clark Gable (1901-60) bestimmte Muster für Filmstorys ersonnen, die sich kaum voneinander unterschieden. Stars, Regisseure und Storys setzte man bald nur noch nach ihrem Typ ein. Lustspiele und Melodramen, die in der Stummfilmzeit Vorrang hatten, mussten geistreichen Possen (z. B. mit den Marx Brothers), romantischen Gesellschaftsdramen, Sexkomödien und Musicals (beginnend mit »Die Broadway-Melodie«, 1929) weichen.

Zunächst wirkte sich auf den Handlungsfluss noch störend aus, dass nach wie vor hauptsächlich Bühnenstücke verfilmt und die Kameras in schalldichten Zellen untergebracht werden mussten, außerdem war der Bewegungsablauf durch relativ starre Tonaufnahmegeräte eingeschränkt. Aus praktischen und finanziellen Gründen verlegte man meist die Dreharbeiten in das riesige Filmgelände der Studios, auch der »Anstandskodex« des Hays Office - von der Filmindustrie Anfang der zwanziger Jahre als freiwillige Zensur gegründet, um staatlichen Kontrollen zuvorzukommen - trug dazu bei, dass die Hollywoodfilme zunehmend eine Mischung von Realität und Wunschtraum wurden. Filmgewaltige wie Louis B. Mayer (1885 bis 1957), Chef von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), stellten in ihrer Produktion das Leben in den schönsten Farben dar. Abgesehen von den harten Gangsterfilmen, für die Warner Brothers berühmt wurden, drehte man in Hollywood während der dreißiger Jahre fast ausschließlich Filme fern aller Realität.

Eine Scheinwelt
Die Schönfärberei a la Hollywood fand Ausdruck in den Art-Deco-Fantasien eines Busby Berkeley und den Kinderstars wie Shirley Temple (geb. 1928), Mickey Rooney und Deanna Durbin (geb. 1922). Gleichzeitig war gute Unterhaltung gefragt: Hohes fachliches Können boten bei Paramount Walt Disney (1901-66) mit seinen Zeichentrickfilmen und Ernst Lubitsch (1892-1947) mit seinen geistreichen Komödien sowie bei MGM George Cukor (1899-1983). Mit dem Farbenrausch des Films »Vom Winde verweht« (1939) erzielten die Gesellschaften ihren größten Erfolg - ein Film, der noch auf Generationen hinaus zugkräftig (und einträglich) bleiben sollte.

In England versuchte man, das Hollywoodsystem zu kopieren - mit Erfolg, wie sich zeigte. Sir Alexander Korda (1893-1956) baute mit amerikanischer Hilfe die zweitgrößte Filmindustrie der Welt auf. Die Technik des Farbfilms setzte sich Anfang der vierziger Jahre endgültig durch, die Farbe trug entscheidend dazu bei, dass die Filmproduktion in beiden Ländern den Zweiten Weltkrieg überlebte. 1946 erreichten die Einspielergebnisse ihren Höhepunkt. Während der nächsten zehn Jahre litt Hollywood jedoch zunehmend unter steigenden Produktionskosten, Lohnkämpfen, Kartellgesetzen und unter der Hexenjagd nach angeblichen Kommunisten. Durch die Konkurrenz des Fernsehens gingen die Zuschauerzahlen in derselben Zeit auf die Hälfte zurück.

Mit Cinemascope (1953) trat der Film in seine bedeutende dritte Phase ein. Mit Hilfe der von dem französischen Physiker Henri Chretien (1879-1956) fast 40 Jahre zuvor erfundenen anamorphischen Linse begann Hollywood, kostspielige Großfilme auf den Markt zu bringen. Aber trotz solcher Kassenschlager wie »Ben Hur« (1959) und neuer Superstars wie Marilyn Monroe (1926-62) setzte Ende der fünfziger Jahre der Niedergang dieser aufwendigen Filmproduktion ein. Einzelne Regisseure und Stars versuchten sich selbst als Produzenten und verfilmten Themen, die auch einem kritischen Publikum genügten. Ende der sechziger Jahre stieg die Zahl der am Ort des Spielgeschehens gedrehten Filme. Der Western, ein typisches Produkt Hollywoods, wurde als »Spaghetti-Western« von europäischen Filmproduzenten übernommen.

Hollywood-Nostalgie
Als Unterhaltung für die Massen spielt der Film in Asien weiterhin eine große Rolle. Aber auch die Hollywood-Ära ist, getragen von der Woge der Nostalgie, im Fernsehen wieder aufgelebt: Die Filme der dreißiger und vierziger Jahre stellen der handwerklichen Qualität seiner Schöpfer - und zwar der Gesellschaftskomödien sowie der Gangsterfilme und Musicals - ein gutes Zeugnis aus. Es gibt Anzeichen dafür, dass Hollywood nach seiner Reorganisation als Stätte großangelegter Filme wie »Der Pate« einen neuen Platz behauptet.


Das Phänomen des Stars ist nie wieder so überwältigend wie durch Greta Garbo verkörpert worden. Ihr unverwandter Blick in die Kamera [hier in »Love«, 1927] faszinierte die Zuschauer beiderlei Geschlechts auf eine noch nicht da gewesene Weise. Clare Boothe Luce (1903-1987) nannte sie »ein Reh in Frauengestalt, das nur widerwillig im Hollywooder Zoo lebt«. Die Filme, die sie zwischen 1926 und 1939 drehte, haben sie zu einer legendären Gestalt werden lassen. Sie wurde 1905 in Schweden geboren, kam 1925 als Protege des Regisseurs Mauritz Stiller (1883-1928) nach Hollywood und zog sich 1941 vom Film zurück. Wir verdanken Hollywood den unvergesslichen Garbo-Stil, ermöglicht durch die Mitarbeit der damals besten Regisseure und Kameraleute.


»Vom Winde verweht« haben mehr Menschen gesehen als je einen anderen Film zuvor. Der 4-Stunden-Farbfilm hatte eine eigenwillige Heldin (Vivien Leigh, 1913-67), einen betont männlichen Hauptdarsteller (Clark Gable), in den Nebenrollen Stars wie Leslie Howard (1893-1943) und Olivia de Havilland (geb 1916) sowie eine Story mit großen menschlichen Leidenschaften und turbulenten historischen Ereignissen (Amerikanischer Bürgerkrieg) - Drei Männer führten Regie.
 
Kategorie: Kunst und Kultur Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 3689 - Hollywood
Hollywood | Kunst | Kultur
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF