Wirtschaft und Gesellschaft in Europa im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert nahmen Landwirtschaft und Gewerbe in England, Frankreich, den Niederlanden und in Teilen von Deutschland einen raschen Aufschwung, in Ost- und Südeuropa verlief der Fortschritt langsamer. An der Spitze der Entwicklung stand England, das gegen Ende des Jahrhunderts auf dem Wege war, die führende Industrienation zu werden, am Ende standen Russland und Italien, deren Wirtschaftssystem noch durchaus mittelalterliche Züge trug. Auch die Sozialstruktur Westeuropas änderte sich auffallend. Volkswirtschaftler wie Adam Smith (1723-90) versuchten die ökonomischen Veränderungen und Entwicklungen theoretisch zu fassen und zu erklären.

Bevölkerungswachstum und höhere Agrarerträge
Eine Erscheinung in dieser Zeit war in ganz Europa festzustellen: die Zunahme der Bevölkerung. Sie war vor allem auf die sinkende Sterberate zurückzuführen. In den wohlhabenden Ländern erzeugte die wachsende Wirtschaft eine erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften, erlaubte eine höhere Kinderzahl und frühere Eheschließungen.

Eine weitere Voraussetzung für das Bevölkerungswachstum waren verbesserte Methoden in der Landwirtschaft. Bisher brachliegendes Land wurde nun bebaut, neue Anbautechniken, größerer Kapitaleinsatz in der Landwirtschaft führten zu steigenden Ernteerträgen und damit zu einer verbesserten Lebensmittelversorgung. Diese systematisch betriebene, ertragsorientierte Landwirtschaft konzentrierte sich in Nordwesteuropa. In anderen Gebieten Europas blieb die Landwirtschaft rückständig. Hungersnöte suchten bis in das 19. Jahrhundert hinein viele Gegenden in Süd- und Osteuropa heim, obwohl die Einführung des Kartoffelanbaus auch hier die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessert hatte.

Die landwirtschaftlichen Anbaumethoden waren in ganz Europa je nach den Besitzverhältnissen verschieden. Vor allem in Osteuropa bestand noch die Leibeigenschaft. Hingegen hatte sich beispielsweise in den Niederlanden ein selbstständiges Bauerntum entwickelt, das recht wohlhabend war. In England bildeten arme Pächter und besitzlose Landarbeiter einen deutlichen Gegensatz zu den selbstständigen Bauern und den großen Landbesitzern.

Der Außenhandel spielte für die Wirtschaft vieler Staaten eine ausschlaggebende Rolle. Der Handel nahm im 18. Jahrhundert besonders in den Ländern zu, die leichten Zugang zu den Märkten in Westindien, Amerika, Afrika und Asien hatten. Vor allem in England und Frankreich gewann der Handel immer größere Bedeutung, er bildete die Grundlage für den Wohlstand des Bürgertums in Großstädten wie Bristol, Liverpool, Bordeaux und Nantes.

Binnenhandel und Produktion
Durch die Verbesserung der Binnenschifffahrt und des Straßennetzes blühte der Binnenhandel auf. In vielen Ländern waren landwirtschaftliche Erzeugnisse, besonders Getreide, die wichtigste Handelsware, aber auch Bauholz, Kohle, Erze, Bausteine und andere Produkte wurden in zunehmenden Mengen befördert.

Bevölkerungszunahme und wachsender Wohlstand in England und anderen europäischen Ländern verstärkten die Nachfrage nach gewerblichen Erzeugnissen, die immer noch mit veralteten, vorindustriellen Methoden erzeugt würden, meist in Heimarbeit und manuell. Die Wasserkraft blieb während des ganzen Jahrhunderts die Hauptenergiequelle, denn die Dampfmaschine kam erst gegen Ende des Jahrhunderts in England auf. Die Produktionsstätten waren im allgemeinen klein, allerdings begann sich durch die Vergrößerung der Kohlenbergwerke und der Textilmanufakturen in England, Frankreich und Belgien eine Konzentration der Produktionsstätten abzuzeichnen. Insgesamt bot die Wirtschaft in den meisten europäischen Ländern das Bild einer allmählichen Expansion.

Die Sozialstrukturen
Die europäische Gesellschaft veränderte sich im 18. Jahrhundert nur wenig. Der größte Teil der Bevölkerung lebte in einer hierarchisch gegliederten, von der Landwirtschaft abhängigen Gesellschaft. Das Dorf und der Marktflecken blieben für die meisten Menschen der bestimmende Lebensraum. Hier spielte die Religion im täglichen Leben eine entscheidende - konservative - Rolle. Die Zünfte, ebenfalls meist konservativ, bildeten einen entscheidenden Faktor der Sozialstruktur der Städte. In einigen aufgeklärten Staaten wurde die vielfältige Abhängigkeit der Bauern allmählich erleichtert, in der Habsburger Monarchie von Joseph II. (1741-90) sogar ganz abgeschafft, in Russland hingegen wurde ihre Abhängigkeit bis zur Leibeigenschaft verstärkt. Bauernaufstände und soziale Unruhen veränderten vor der Französischen Revolution die Sozialstruktur Europas nicht nennenswert.

Die europäischen Hauptstädte wie London, Paris, Wien und St. Petersburg wuchsen immer mehr, diese Städte wurden zu bedeutenden Verwaltungs- und Wirtschaftszentren mit repräsentativen Bauten. Häfen wie Liverpool und Bordeaux blühten dank ihrer günstigen Verkehrslage bei zunehmendem Handel rasch auf und ermöglichten dem oberen und mittleren Bürgertum einen neuen, gehobenen Lebensstil. Für diese Klassen führten Bildung und Wohlstand zur Entwicklung einer anspruchsvolleren Lebensweise, und das Interesse an Kunst und Literatur stieg. Für die ärmere Stadtbevölkerung blieben die Lebensverhältnisse deprimierend. Die Kriminalität war in den meisten größeren Städten hoch, obwohl auch schon für kleinere Vergehen drakonische Strafen verhängt wurden.
 
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Referat: 1516 - Wirtschaft und Gesellschaft in Europa im 18. Jahrhundert
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