Barocke und klassische Musik

Für die europäische Musik setzt das Zeitalter des Barock im Italien des frühen 17. Jahrhunderts ein. Hier hatte sich, ausgehend vom natürlich gesprochenen Wort, ein neuer, ausdrucksvoller Gesangsstil gebildet, hier entstanden die ersten Opern.

30 Jahre lang - von 1613 bis zu seinem Tod im Jahre 1643 - wirkte Claudio Montverdi (1567-1643) als »Maestro di cappella« an der Basilika von San Marco in Venedig. Hatte er bis dahin vorwiegend weltliche Musik geschaffen, so widmete er sich jetzt verstärkt der Kirchenmusik. Er vermochte Hergebrachtes und Neues zu einer großartigen Synthese zu verbinden. Die mit ihm einsetzende Musik des Barock ist gekennzeichnet durch tiefen Gefühlsausdruck, zugleich durch reiche, manchmal überreiche Ausschmückung - ein Zug, den sie mit der barocken Baukunst teilt.

Die Entwicklung der Instrumentalmusik
Im Zuge der Gegenreformation wurde der neue Stil alsbald von der katholischen Kirche übernommen. Im Oratorium (Betsaal) des Filippo Neri (1515-95) führte Giacomo Carissimi (1605-74) dramatische Musikwerke geistlichen Inhalts auf, dabei ist der Name des Konzertraumes auf diese Musikgattung übertragen worden.

Alessandro Scarlatti (1660-1725, Vater des Domenico Scarlatti) führte die Sinfonia Avanti L'opera die italienische Opernouvertüre, ein, die zum Vorbild der klassischen Symphonie der Folge schnell - langsam - schnell geworden ist.

Die Emanzipation der Einzelstimme in der Vokalmusik wirkte sich auch auf die weitere Entwicklung der Instrumentalmusik aus. Kleine Gruppen von Soloinstrumenten verselbständigten sich gegenüber dem Orchester. So entstand das Concerto grosso, in dem eine kleine Gruppe von Instrumenten und das übrige Orchester abwechselnd, dann aber auch wieder gemeinsam musizieren. Dies führte schließlich auch zürn Solokonzert.

Der neue Stil erobert Europa
Der Einfluss der italienischen Opern- und Instrumentalmusik erfasste bald ganz Europa. In Deutschland waren Heinrich Schütz (1585 -1672), dessen Passionen Johann Sebastian Bach beeinflussten, Michael Praetorius (1571 - 1621) und Johann Jacob Froberger (1616-67) führende Vertreter des neuen Stils. In Frankreich war der Hof Ludwigs XIV. tonangebend für den musikalischen Geschmack. Richtungweisend wirkte hier Jean Baptiste Lully (1632-87), während Jean Philippe Rameau (1683 - 1764) die französische Tradition in Opern und Orchesterwerken weiterführte. In England schuf Henry Purcell (um 1659-95) nach 1660 eine kraftvolle Musik, der in diesem Land nur das Werk Georg Friedrich Händeis gleichkommt.

Es ist bemerkenswert, dass in ein und demselben Jahr Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), Georg Friedrich Händel (1685-1759) und Domenico Scarlatti (1685 - 1757) geboren wurden. Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel sind die überragenden Größen des Barockzeitalters. Händel, extrovertiert, der Welt zugewandt, fühlte sich in den Wechselfällen des Opernlebens zu Hause und genoss die Massenszenen seiner englischen Oratorien. Demgegenüber wirkte Bach meist an kleinen Fürstenhöfen und ab 1723 als Kantor (Chorleiter) und Organist an der Thomaskirche zu Leipzig. Seinen Zeitgenossen ist er eher als Vollender denn als großer Neuerer erschienen, mit dem Namen Bach verband sich für sie mehr der Gedanke an Carl Philipp Emanuel Bach (1714-88) als an den Vater, dessen einzigartige Bedeutung erst im 19. Jahrhundert so richtig erkannt wurde.

Das Zeitalter der Klassik
Die klassische Periode der europäischen Musik entstand teils als Fortentwicklung des hochbarocken und Rokokostils, teils auch als Reaktion darauf. Ihr erster Abschnitt verkörpert sich vor allem in zwei Komponisten: Joseph Haydn (wahrscheinlich 1732-1809) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-91). Diese beiden Tonschöpfer werden zusammen mit Ludwig van Beethoven (1770-1827) als Meister der Wiener Klassik bezeichnet, obwohl Haydn erst 1790 - mit 58 Jahren - nach Beendigung seiner Kapellmeistertätigkeit für den Fürsten Eszterhäzy nach Wien gezogen ist und Mozart nur die letzten Jahre seines Lebens in Wien verbracht hat, während Beethoven, obwohl in Bonn geboren, in den für sein Schaffen wesentlichen Jahren (ab 1792) in Wien lebte. Joseph Haydn, der älter war als Mozart, diesen aber um 18 Jahre überlebt hat, hinterließ neben seinen 104 Symphonien ein reiches kammermusikalisches Werk, darunter 83 Streichquartette (u. a. das »Kaiserquartett« mit der Melodie der österreichischen und späteren deutschen Nationalhymne). Daneben sind besonders seine Oratorien »Die Schöpfung« (1798) und »Die Jahreszeiten« (1801) sowie 14 Messen zu nennen.

Mozarts Schaffen umfasst alle Bereiche der Musik. Erhalten sind neben seinen Opern 51 Symphonien, 21 Klavierkonzerte, 9 Violinkonzerte, weitere Konzerte für verschiedene Holzblasinstrumente, Kammermusik, Sonaten, Variationen, Serenaden, Tänze und ein reiches kirchenmusikalisches Werk, darunter 18 Messen. Das von Ludwig von Köchel (1800-77) zusammengestellte Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Mozarts enthält über 600 Werke.

Das Werk von Ludwig van Beethoven ist ähnlich vielseitig und umfassend, obwohl es nur eine einzige Oper (»Fidelio«, 1805) enthält. Die Symphonien Beethovens - z. B. die 9. (und letzte) mit der Vertonung von Schillers Gedicht »An die Freude« - sind der Höhepunkt dieser musikalischen Form, wie er später wohl nur noch vereinzelt wieder erreicht wurde.
 
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