Indien von den Mogulkaisern bis 1800

Im Jahr 1192 besiegte Mohammed von Ghur die Radschputen im Tarai. In den folgenden zehn Jahren überrannten die Moslems die Ebenen des Ganges und gründeten das Sultanat von Delhi (1206).

Die nächsten drei Jahrhunderte sahen den Aufstieg und Niedergang von Dynastien - Turko-Afghanen, Childschi, Tughluq, Sayyid und Lodi -, unter denen sich Delhi über den Dekkan weit in den Süden ausdehnte, gelegentlich aber auch in den engeren Umkreis von Delhi und Agra zurückgedrängt wurde (beispielsweise unter den Lodi).

Das Zentrum des Sultanats wurde weiterhin aus den umliegenden Gebieten bedroht. Invasionen aus dem Norden (zu denen auch Timurs Einnahme und Plünderung von Delhi 1398 gehörten) gefährdeten die verschiedenen Reiche. Delhi verlor schließlich auch die Herrschaft über den Dekkan.

Zwei neue Kräfte veränderten jedoch die Situation grundlegend: die Herrschaft der Moguln und die europäische Expansion. Im Jahr 1526 schlug Babur (1483-1530), der aus seiner Bergfestung im Ferganatal vertrieben war, die Lodi bei Panipat und begründete die Mogulherrschaft in Delhi. Als Vorläufer anderer europäischer Seemächte, die später das Erbe der Moguln antraten, erreichte der portugiesische Entdecker Vasco da Gama 1498 die indische Küste bei Kalikut.

Das Reich der Moguln
Die großen Mogulkaiser - Babur, Humajun, Dschahangir und vor allem Akbar und Aurangzeb - fassten größere Gebiete von Indien unter einem einzigen Herrscher zusammen, als es seit Aschoka im 3. Jahrhundert v. Chr. jemals gelungen war, sie gaben dem Lande eine tatkräftige Verwaltung. Aber die Herrschaft des Großmoguls stand auf schwachen Füßen. Seine Hofhaltung galt zwar als großzügig, und er war umgeben von Höflingen, Konkubinen und Sklaven, auch konnte er sich auf eine Reiterarmee von 200 000 Mann stützen, aber seine Herrschaft blieb immer Fremdherrschaft und war deshalb kostspielig. Auf Eroberungen gegründet, ließ sie sich nicht mit Gewalt allein aufrechterhalten. Trotz aller kaiserlichen Macht, der Armee und der zentral gesteuerten Militärbürokratie waren die Moguln gezwungen, auf ihre indischen Untertanen Rücksicht zu nehmen. Dies bedeutete, dass sie den Magnaten, den örtlichen Großgrundbesitzern, die das Land praktisch kontrollierten, bis zu einem gewissen Grade freie Hand lassen mussten. Sie mussten den Hinduismus dulden, und sie mussten sich vor allem davor hüten, sich allzu sehr um die Lokalpolitik zu kümmern. Hieraus ergab sich, dass die Macht der Mogulkaiser meist auf indirektem Wege ausgeübt wurde, also mehr eine Art Oberherrschaft war.

Das Steuerproblem
Wie bei allen Kontinentalreichen in früherer Zeit, bestand für die Mogulkaiser die Haupt Schwierigkeit darin, Steuern einzutreiben und gleichzeitig die örtlichen Machthaber nicht gegen sich aufzubringen. Eine Lösung schien die weitere Ausdehnung des Reiches zu bieten, aber neue Eroberungen bedeuteten auch neue Kosten. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, höhere Grundsteuern zu erheben, aber schließlich verloren die Moguln die Mitarbeit der örtlichen Würdenträger, die sich von oben unter Druck gesetzt fühlten und von den Bauern gehasst wurden. Aurangzebs religiöse Intoleranz verschlimmerte diese inneren Schwierigkeiten, sie entfremdete ihm die Radschputen und bestärkte die Marathen in ihrer Feindschaft. Eine Reihe unfähiger Nachfolger machte nach Aurangzeb den Thron in Delhi zum Spielball rivalisierender Machtgruppen. Weitere Einfälle aus dem Norden gipfelten 1739 in der Einnahme und Plünderung von Delhi durch Nadir Schah (1688-1747). Den »Pfauenthron« der indischen Großmoguln brachte Nadir nach Persien.

Aufstieg der Ostindienkompanie
Mit dem Niedergang der Mogulherrschaft zerfiel Indien praktisch in eine Reihe unabhängiger Einzelstaaten - Bengalen und Oudh unter den Nawabs, Mysore unter einer Moslemdynastie, Haiderabad unter dem Nisam. Die Marathen brachten ganz Indien durch Plünderungen in Unsicherheit.

Vor diesem Hintergrund begann der Aufstieg der britischen Ostindienkompanie. Diese Kompanie hatte sich in Indien niedergelassen, an Handel zu treiben, während des 18. Jahrhunderts haben ihre Direktoren stets behauptet, ihre Interessen seien rein kommerzieller, nicht politischer Natur. Doch mussten die Briten ab Mitte des 18. Jahrhunderts von ihren Handelsniederlassungen in Kalkutta, Madras und Bombay aus gegen die Konkurrenz französischer Faktoreien und gegen indische Missgunst kämpfen.

Als England und Frankreich in Europa gegeneinander Krieg führten, konnten auch die Kompanien in Indien nicht neutral bleiben. Angesichts der stärkeren englischen Kompanie beschloss Joseph Francois Dupleix (1697 bis 1763), Gouverneur der französischen Ostindienkompanie, sich während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1741-48) der Hilfe indischer Verbündeter zu versichern.

Die Engländer übernahmen schnell diese französische Taktik. Robert Clive (1725-74) gewann mit Hilfe seiner indischen Alliierten die Schlacht von Plassey (1757) und damit die Herrschaft über Bengalen die reichste Provinz Indiens.

Als William Pitt der Jüngere (1759-1806) und sein Kriegsminister Henry Dundas (1742 -1811) an ein indisches Imperium unter der britischen Krone dachten, hatte die englische Ostindienkompanie schon längst das Erbe der Mogulkaiser angetreten.
 
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