Unter der Ming Dynastie (1368-1644) erlebte die chinesische Kultur - wie sich vor allem in der bildenden Kunst zeigt - eine Renaissance. Die Kunststile der folgenden Jahrhunderte erinnern in ihrer Kühnheit und Pracht an die Tang Dynastie (618-906). Der Kaiserpalast (die »Verbotene Stadt«) und die Kaisergräber in Peking demonstrieren diesen Stil besonders deutlich.
Die Künste während der Ming Dynastie
Auch das Kunstgewerbe florierte, besonders in den früheren Jahrhunderten dieser Dynastie. In kleinen Werkstätten fertigten Meister geschnittene Lackarbeiten von bewundernswerter Qualität. Die Erzeugung von Keramik, vor allem von Porzellan, in kleinen anonymen Fabrikationsstätten erlangte beachtlichen Umfang, sie hatte ihr Zentrum mit einer großen Anzahl von Brennöfen im Gebiet von Kingtehtschen (heute Fouliang) in Kiangsi.
Zusätzlich zum Absatz auf dem inländischen Markt stieg auch der Export von Keramik, besonders von Porzellan, zusehends an. Eine Vorliebe für dekoriertes Porzellan führte zur Entwicklung ganz neuer Techniken. Kobaltblaue Unterglasurmalerei erlangte eine hohe Stufe der Vollendung, die Chinesen entwickelten im 16. Jahrhundert Farben für die Überglasurmalerei von bestechender Leuchtkraft für die zunehmend beliebter werdenden vielfarbig dekorierten Porzellane. Auch mit dem Cloisonne-Email (Zellenschmelz) erzielte man prächtige Wirkungen. Diese aus viel früherer Zeit stammende Technik kam ursprünglich aus dem Vorderen Orient. Die großartig einfache Jadeschnitzerei ist unter den Ming selten.
Die Kunst der Ming Zeit lässt den Geschmack und die Haltung der gebildeten Schichten erkennen. Zu Beginn der Dynastie gab es eine Vielfalt von Richtungen in der Malerei. Der Hof versuchte die Neugründung einer Akademie auf traditioneller Grundlage. Ein Maler wie Tai Tschin (1390 -1460) war für kurze Zeit Mitglied, zog sich aber dann zurück und wurde zum Mittelpunkt einer Gruppe, die als Tsche Schule (Zentrum in Tschekiang) bekannt ist. Mit Farbe und breitfließendem Pinsel schufen sie eine reizvoll erzählende Genremalerei, deren Themen Landvolk und anmutige Landschaften waren, aber auch Stillleben mit Bambus und Gräsern. Durch ihre frühere Beziehung zum modebewussten Hof und seinen wechselnden Vorlieben gerieten die Mitglieder dieser Schule in den Ruf einer oberflächlichen, effektbetonten Malerei.
Die Wu Schule und ihre Nachfolger
Die große Rivalin der Tsche Schule war die von Schen Tschou geführte Wu Schule. Schen Tschou, gebürtig aus Wu Hsi, lebte von 1427 bis 1509. Die Maler dieser Gruppe hielten sich fern vom Hof und folgten den großen Meistern unter den Jüan. Sie waren hochgebildet und malten in einem eklektischen »literarischen« Stil. Sehen Tschou selbst übernahm niemals eine offizielle Stellung. Er war der erste Maler, der seine eigene Poesie als Teil seiner Malerei betrachtete. Auch verstand er es, Figuren derartig in seinen Kompositionen zu verwenden, dass sich der Betrachter mit diesen Figuren identifizierte und sich mit dem Gemälde auseinandersetzen konnte.
Weng Tscheng Ming (1470-1559), Sehen Tschous Schüler, zeigte in seinen Arbeiten bestimmte dekorative Qualitäten, die schulbildend wirkten, diese riefen schließlich aber bei den Puristen Bedenken hervor. Die Gelehrten unternahmen eine analytisch historische Studie der Malerei und verbanden damit die Absicht, das Triviale, wie sie es sahen, zu beseitigen. Ihre Kriterien und Klassifikationen hatten auf Maler und Kritiker späterer Zeit großen Einfluss.
Die auf den Puristen Tung Tschi Tschang (1555-1636) folgende Malergeneration folgte den Ergebnissen seiner Untersuchungen, so wurden die vier Wangs oft als Nachfolger Tungs betrachtet. Die beiden älteren Wangs, Wang Schin Min (1592-1680) und Wang Tschien (1598-1677) folgten auf Weng Tscheng Ming und die spätere Wu Schule. Sie waren mit ihren großen Landschaftskompositionen Vorläufer der starken romantischen Bewegung, die im 18. Jahrhundert ihren größten Einfluss erreichte.
Zeitgenossen der älteren Wangs waren Schih Tao (1641 - um 1720) und Tschu Ta (1626 bis 1705). Schih Tao war durch Neigung ein »Gelehrtenmaler«, der sich zum großen Teil auf literarische Vorbilder stützte. Beim Gebrauch von Tusche, Farbe und Pinsel ging er neue Wege. Tschu Ta war ein Zen Künstler mit elegantem Pinselstrich.
Zu dieser Zeit erschien eine Generation romantischer Maler. Unter der Tjing Dynastie (1644-1912) kamen europäische Jesuitenmaler an den Hof, die die romantische Malerei unterstützten. Unter ihnen war auch Giuseppe Castiglione (Lang Schih Ning, 1698-1768), der einen merkwürdigen italienisch chinesischen Stil pflegte.
Chinesische Kunst bis heute
Im 17. Jahrhundert arbeitete in den aufstrebenden Städten Soutschow und Jangtschow eine Gruppe von Avantgardisten, die sich »die Exzentriker« nannten. Nach einer historisierenden Phase im 18. Jahrhundert bewegte sich die Malerei im 19. Jahrhundert langsam und zögernd auf den alten Pfaden des 17. Jahrhunderts weiter.
Die chinesischen Künstler des 20. Jahrhunderts versuchten sich in europäischen und japanischen Stilarten. Der Kommunismus hat den Künstlern dann eine wieder mehr auf chinesischen Traditionen beruhende Richtung gegeben. Die Kunst wurde zugleich als führendes Propagandainstrument eingesetzt und erhielt damit neuen Zweck und Sinn.
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