Schwarzafrika (1500 bis 1800)

Die portugiesische Flotte erreichte die Westküste Afrikas Mitte des 15, Jahrhunderts. Damit wurde eine entscheidende Phase in der Geschichte des Kontinents eingeleitet, einer in vieler Hinsicht konfliktreichen Beziehung zwischen Afrikanern und Europäern. Den Portugiesen folgten die niederländischen Seefahrer im 16. Jahrhundert, ein Jahrhundert später Briten und Franzosen.

Handelsnetze in Afrika
Die vielen Handelsstationen, die die Europäer an der Küste errichteten und ihrem weltweiten Handelssystem einverleibten, ergänzte ein bereits bestehendes binnenländisches, transsaharisches Handelsnetz. Dieses funktionierte schon mindestens 500 Jahre, bevor sich Europäer hier niederließen, arabisch sprechende Völker aus Nordafrika und Schwarzafrikaner hatten dieses florierende kommerzielle System südlich der Sahara aufgebaut. Die europäischen Handelsniederlassungen und das Transsahara-Handelssystem wurden jedoch durch die riesigen Entfernungen des westafrikanischen Hinterlandes getrennt und hatten nie miteinander Berührungspunkte.

Es überrascht, dass diese Handelssysteme mit all ihren Folgeerscheinungen einen relativ geringen Einfluss auf Afrika - als Ganzes gesehen -. hatten. Viele Afrikaner im Sudangürtel waren in den 500 Jahren arabischen Handels Moslems geworden - ein Umstand, der in den afrikanischen Gesellschaften immer mehr zu Spannungen führte und möglicherweise die heiligen Kriege des 19. Jahrhunderts provozierte. Diese Moslemstaaten orientierten sich auch darin weiterhin nach Norden zur islamischen Welt, als die Europäer Niederlassungen gegründet hatten, dagegen wandten sich einige der Savannen- und Waldvölker den christlichen Neuankömmlingen im Süden zu. Viele Völker in Westafrika - und fast alle in Zentral- und Ostafrika - blieben jedoch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts außerhalb direkten Einflusses von Arabern oder Europäern.

Das lässt sich sehr gut an der Geschichte der ostafrikanischen Küste veranschaulichen. Hier hatten die Araber an günstig gelegenen Häfen und auf vorgelagerten Inseln - wie z. B. Mombasa und Sansibar - Handelsniederlassungen errichtet, die Teil eines umfangreichen und blühenden Handelssystems im Indischen Ozean waren. Diese Niederlassungen wurden Ende des 15. Jahrhunderts von den Portugiesen übernommen, kamen aber Ende des 17. Jahrhunderts wiederum unter die Kontrolle der Moslems. In dieser ganzen Zeit hatten weder Araber noch Portugiesen Kontakt oder Einfluss auf irgendeinen Stamm, der nicht direkt an der Küste lebte - ausgenommen das rhodesisch-sambesische Gebiet, dessen vermutete Goldvorkommen Anlass für mehrere Inlandsexpeditionen waren.

Der Sklavenhandel
Als die Portugiesen zum ersten Mal in Westafrika landeten, interessierten sie sich, wie die europäischen Abenteurer in der Neuen Welt, für Gold und tropische Produkte. Doch ebenso wie Holländer, Briten, Franzosen und die anderen, die ihnen folgten, stellten auch sie rasch fest, dass es nur eine Ware in Afrika gab, die reichlich Profit versprach: Menschen. Die Länder Süd- und Zentralamerikas, die Karibischen Inseln und die südlichen Teile Nordamerikas verlangten nach Arbeitskräften für die Silberminen und für die Plantagen, auf denen tropische Produkte wie Zuckerrohr, Kaffee und Baumwolle angebaut wurden. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten beherrschte der Sklavenhandel die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in West- und Zentralafrika.

Man schätzt, dass von 1619 an, als die ersten Sklaven über den Atlantik gebracht wurden, bis etwa zum Jahre 1870, als der Sklavenhandel beendet werden musste, fast zehn Millionen Afrikaner nach Amerika gebracht wurden - eine der größten Bevölkerungsbewegungen in der Geschichte. Seinen Höhepunkt erreichte der Sklavenhandel in den Jahren von 1760 bis 1810. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts an schafften die meisten europäischen Staaten den Sklavenhandel ab, in den letzten 50 Jahren dieses barbarischen Handels wurden über vier Millionen Afrikaner nach Amerika deportiert.

Die meisten Sklaven stammten aus den inneren Regionen des Kontinents - von Senegal bis Angola. Die afrikanischen Mittelsmänner, die die Sklaven an die europäischen »Fabriken« an der Küste verkauften, profitierten beträchtlich von diesem Handel, ebenso die Staaten Aschanti und Dahome.

In Angola und im Gebiet um die Kongomündung drangen die Portugiesen auf der Suche nach Sklaven weiter ins Innere des Landes vor. Im 19. Jahrhundert übernahmen sie das ostafrikanische Sklavenhandelsnetz (das bis zu diesem Zeitpunkt in den Händen moslemischer Geschäftsleute gewesen war), um den Nachschub an weiteren Arbeitskräften für Brasilien und Kuba zu sichern.

Zweifellos verstärkte der Sklavenhandel die Gewalttätigkeiten unter den afrikanischen Stämmen beträchtlich. Dies gilt besonders für die Region des Nigerdeltas, aber auch für die Nachbargebiete in Südnigeria, für das Innere von Angola und, zu späterer Zeit, für das östliche Zentralafrika, wo Araber den Handel kontrollierten.

Afrikanische Staatsbildungen
In den Gebieten Afrikas, die vom transatlantischen Sklavenhandel unberührt geblieben waren, entwickelten sich in den Jahren von 1500 bis 1800 einige Völker aus eigener Kraft. Große, mächtige Reiche entstanden, wie z. B. Ruanda und Buganda (an den Großen Seen), die Reiche auf den Plateaus von Zentralafrika und am Sambesi, das Königreich der Monomotapa und der Rotse-Staat.
 
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